16.txt | Distanz

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Vor­wort: Dies ist der sech­zehn­te Teil eines grö­ße­ren Pro­jekts. Ich möch­te im Rah­men von *.txt an die­sem Anfang immer wei­ter schrei­ben. Eine Idee habe ich im Kopf, aber wohin *.txt mich beglei­ten wird, das weiß ich nicht. Ich bin gespannt.

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Ich bin so weit weg vor mir geflo­hen und doch bist du, ganz nah, so nah wie nie. Kei­nen Schritt mehr kann ich tun ohne dich, nur das Göbeln hat sich zum Glück erle­digt. Nie hast du geklam­mert, doch jetzt lässt du nicht mehr los, weil ich dich nicht mehr gehen las­sen kann. Ich habe dich an den Rest mei­nes küm­mer­li­chen Ver­stan­des geket­tet und wenn du jetzt gehst, bin ich für immer ver­dammt, also las­se ich nicht von dir ab. Wozu also soll ich noch flie­hen und wohin?

Ach. Was ich alles in mei­ner Hose habe. Du mein­test ja, was einer Frau ihre Hand­ta­sche sei mir mei­ne Hose. So ein Blöd­sinn! So viel Zeug passt nie und nim­mer in eine Hand­ta­sche, gleich­wohl mir der Maul­schlüs­sel gera­de herz­lich wenig nützt. Das klei­ne grü­ne Schein­chen hin­ge­gen … ja, mei­ne Flucht hat wirk­lich ein Ende. Ja, ich keh­re um. Ich fah­re zurück zu dir, zu dem Ort, an dem mehr von dir ist als nur der Geist mei­ner Sehn­sucht, an dem ich, an dem mein Leben hängt.
Der ers­te Zug, der kommt, ist mir. Zum Glück fährt er auch dort­hin, wohin ich will. Das Wech­sel­geld reicht für einen Kaf­fee – bezie­hungs­wei­se das, was man hier für Kaf­fee hält. Ich läch­le in mich hin­ein. Egal was kommt: jetzt wird alles gut.

Wei­te­re Bei­trä­ge fin­det ihr bei Domi­nik.

Die vori­gen Tei­le mei­ner Geschich­te fin­det ihr hier: 1.txt, 2.txt, 3.txt, 4.txt, 5.txt, 6.txt, 7.txt, 8.txt, 9.txt, 10.txt, 11.txt, 12.txt, 13.txt, 14.txt, 15.txt

15.txt | Tanz

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Vor. Zurück. Vor. Zurück. Vor, zurück. Vor, zurück, vor, zurück. Vor. Zurück. Ich kann nicht mehr gera­de­aus den­ken und schon gar nicht um die Kur­ve. Sehe ich dich vor mei­nem Auge, wird mir schlecht, wür­ge ich die Res­te mei­ner Gal­le hoch, läuft mir dann der Rest­s­ab­ber aus dem Mund­win­kel, ver­krampft sich mein Magen seh­nend nach dir; es ist ein gleich­mä­ßi­ger Rhyth­mus, ein Teu­fel­kreis, an des­sen Ende eine Stret­ta in den Abgrund steht.
Vor, zurück. Links her­um im Kreis. Ein Wal­zer ist es nicht, und Spaß macht es auch kei­nen, aber wenn jemand schaut und fragt, ver­su­che ich mein Sam­ba­lä­cheln und keu­che was von Magen­ver­stim­mung.
Ein Tanz ist es, ein wil­der Tanz; ich will ihn nicht, doch die Schu­he mei­ner Taten sind ver­hext.

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14.txt | Gewissen

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Ich glau­be, ich habe dich getö­tet. Erwürgt. Ich habe es geplant und ver­wor­fen und neu geplant. Woll­te doch, ersti­cken, erträn­ken, vor einen Zug schmei­ßen, erwischt wer­den und uner­kannt blei­ben.
Ich habe es geplant, dein Ver­trau­en miss­braucht. Ich habe dich gefickt, nein, „gepfählt“ war das Wort, das du immer gebrauch­test, wenn ich dich mal ficken durf­te, und doch nur dar­an gedacht, dir dei­nen Kehl­kopf zu zer­drü­cken, bis du nicht mehr röchel­test.
Ich bin ein Mons­ter, denn für Mons­ter hal­te ich jene, die so sind wie ich.

Dein Bru­der hat dich ver­göt­tert, denn du zeig­test ihm, was Selbst­be­wusst­sein heißt. Erst jetzt kann ich das sehen. Du wirst ihm feh­len, so wie du mir auch fehlst, nur anders. Für ihn warst du cool, denn du warst schwul und den­noch bei allen beliebt. Du hast den ande­ren gezeigt, wo es lang ging ohne ihnen ihre Mei­nung oder ihren Wil­len zu neh­men. Du hast die ande­ren respek­tiert und unter­stützt. Wo ich ihre klei­nen Geheim­nis­se kann­te und brauch­te, um mei­nen Ein­fluss nicht zu ver­lie­ren, warst du ein­fach nur gut und damit noch erfolg­reich, erfolg­rei­cher als ich, denn unter­schwel­lig hat­ten die meis­ten wohl ein­fach nur Angst vor mir. Du wirst uns allen feh­len, mir aber aber nicht, denn ohne dich wer­de ich nicht mehr der Bad Guy sein, schon weil ich mich man­gels dei­ner Gegen­wart nicht mehr in dei­ner Gegen­wart so füh­len wer­de.
Doch, du wirst mir feh­len, sehr sogar. Jetzt muss ich alles wie­der allein schaf­fen. Schei­tern konn­te ich nur zu gut, doch erst mit dir fand das ein Ende.
Schei­ße, du fehlst mir, Herz! Nichts brennt mehr in mir.

Wei­te­re Bei­trä­ge fin­det ihr bei Domi­nik.

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13.txt | verstehen

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In mei­nem Leben vor dir war alles anders, alles ein­fach. Ich wuss­te, wer die Guten sind und wer die Böse, auf wel­cher Sei­te ich zu ste­hen hat­te und auf wel­cher Sei­te ich stand. Ich hat­te einen Stand­punkt und einen Hori­zont, eine Hal­tung und eine Mei­nung. Ich war mir ihr gewiss und sie mir sicher. Ich wuss­te, wer ich war.
Doch all das ließ ich mit mei­nem Leben vor dir, mei­nem fünf­ten, zurück. Ich war ein Schwe­re­nö­ter gewe­sen, ich spiel­te ihn nicht nur, wie ich es seit­her tat. Sex oder Lie­be, ich konn­te einen kla­ren Cut machen und so man­ches jun­ge Din­ge ließ ich über die­se Klin­ge sprin­gen. Nur weni­ge schlitz­ten mir damit die Keh­le auf, aber kei­ne von ihnen soll­te ich über­le­ben – und kei­ne mich.
Auf die Idee, mei­ne See­len­mau­er mit einem Rasier­mes­ser zu atta­ckie­ren, kamen nur die wenigs­ten, aber sie alle waren fast erfolg­reich. Ris­se füg­ten sie ihr zu, eine tie­fer als die ande­re und nach jeder die­ser Vor­gän­ge­rin­nen ver­narb­te ich mei­ne Mau­er noch fes­ter, aber kaum da ich dei­ne Klin­ge blit­zen sah, wur­de sie mir unwi­der­steh­li­cher Magnet und ich stürm­te auf dich zu.
Noch ehe mein Kopf wuss­te wie ihm geschah, hat­te mein Kör­per sei­nen Nord­pol gefun­den und ich hass­te dich für die­se Kurs­än­de­rung zum ande­ren Ufer.

Ich fand es geil nach dem Sport mit dir zu duschen und schäm­te mich für mei­nes Kör­pers Reak­ti­on. War­um du? Die ande­ren Jungs waren mir doch auch egal, und wenn es einer neben mir zum Model geschafft hät­te, dann einer von ihnen, aber doch nicht du! Mit nicht ein­mal 24 hat­test du fast schon kei­ne Haa­re mehr auf dem Kopf – ein Schick­sal, das sich schon in der Ober­stu­fe nur all­zu deut­lich ange­deu­tet hat­te –, was dein Kör­per aber an fast allen ande­ren Ste­len zu kom­pen­sie­ren ver­stand. Für einen Drei­ta­ge­bart brauch­test du kei­ne vier­und­zwan­zig Stun­den. Dei­ne Arme schim­mer­ten rost­rot bis auf den Hand­rü­cken, und wo dein Bart im v-för­mi­gen Aus­schnitt dei­ner T-Shirts – immer trugst du T-Shirts – ver­schwand, begann die schöns­te aus Haa­ren ent­stan­de­ne Haar­spur, der ich je zu ihrem Ende gefolgt bin. Ja, du warst schlank, aber sport­lich oder mus­ku­lös hät­te dich nie­mand mehr genannt, wenn er dich ein­mal auch nur oben ohne gese­hen hät­te. Ja, du hat­test Aus­dau­er, nicht zu knapp (o, wie mein Kör­per noch jetzt auf die­sen Gedan­ken reagiert), und eine gehö­ri­ge Kraft war dir auch nicht fremd, aber man sah es dir nicht an. Ein Otter im Fuchs­pelz warst du, mein Otter mit den hasel­nuss­brau­nen Augen, und ich habe dich gehasst für dei­ne Wir­kung auf mich, mein gan­zes sechs­tes Leben lang.
Erst jetzt begrei­fe ich mein Ver­mis­sen, mei­nen fast schon kör­per­li­chen Schmerz ob des Ver­lus­tes dei­ner Per­son. Noch nie habe ich es gedacht oder gesagt, aber ich glau­be, ich bin schwul, zumin­dest in die­sem Leben. Viel­leicht ist es nur eine Pha­se.
Mein ange­le­se­nes Schul­wis­sen sagt, es ist okay, es ist nicht schlimm, aber den­noch habe ich Angst. Ja, du hät­test mich ver­stan­den, du schon, doch wer noch? Ich kapier’ es nicht. Wie konn­te ich mich so sehr ändern? Was ist der Grund? Gibt es für mich noch einen Weg zurück? Ich den­ke nicht.

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12.txt | Rausch

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Ich füh­le mich wie ein kal­ter Trut­hahn. Gerupft bin ich, gestopft mit feins­ten Gewür­zen und dem Apfel vom Baum der Erkennt­nis. Ich brau­che kei­nen Spie­gel, um mich selbst zu sehen wie ich bin: nackt.
Nichts ist mehr übrig von dem, für den ich mich hielt, als ich noch alles unter Kon­trol­le hat­te, als ich dir noch aus der Hand fraß. Nein, falsch. Als du mir aus der Hand … fuck. Schon da hat­te ich nichts mehr im Griff. Offen­bar. Weißt du noch, wie wir … wie du … wie ich …? Weißt du noch? Ges­tern erst … ich habe mich echt gefreut dich wie­der­zu­se­hen, wirk­lich. Es war nicht so sehr gespielt wie ich es geplant hat­te, not at all. Und jetzt?
Von einem Moment auf den ande­ren springt mei­ne bon­bon­far­be­ne Wahr­neh­mung um auf mono­chrom, läuft der Film von vor­ne ab, springt vor und zurück, sucht hek­tisch die Momen­te, da mei­ne dir gezeig­te Zunei­gung nur Show war und fin­det sie nicht. Und fin­det sie nicht. Nur ech­te, wah­re Ver­fal­len­heit ist da, wo ich Illu­si­on gese­hen haben woll­te, und jetzt ste­he ich da in mei­nem, ach, so kur­zen Hemd und nichts ist mehr da von dir, nur die Erin­ne­rung an bes­se­re Zei­ten. Ich zit­te­re, mir ist nicht kalt; es schneit und ich sit­ze hier im T-Shirt. War­um?
Ich ver­ste­he nichts, auch das nicht. Gera­de erst war Som­mer, mein Eis hal­te ich noch in der Hand und noch immer schme­cke ich den Pfir­sich. Ich füh­le mich wie ein kal­ter Trut­hahn. Ich weiß genau: Kommt erst die Wär­me zurück, ist es um mich gesche­hen – und so lau­fe ich, nur fort aus Teu­fels Küche.
Das geht gut, so ohne Gepäck.

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