1.txt | Gratwanderung

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*.txt

Vorwort: Dies ist der erste Teil eines größeren Projekts. Ich möchte im Rahmen von *.txt an diesem Anfang immer weiter schreiben. Eine Idee habe ich im Kopf, aber wohin *.txt mich begleiten wird, das weiß ich nicht. Ich bin gespannt.

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„… und schau mich nicht so an!“, schreist du mir noch nach und es ist das Letzte, was ich von dir höre, von dir jemals gehört haben werde, und mir ist es klar just in dem Moment, da du es ausgesprochen hast, ausgewürgt, herausgebrüllt.
Da ist kein Schmerz, den ich empfinde; du stehst auf der einen und ich auf der anderen Seite der Tür, und während du dich fortzubewegen scheinst, stehst du doch starr, nur Tränen rinnen über deine Wangen, bin ich es, dessen Weg fort führt von dir, bin ich es, der im Zug steht, an der Tür, die uns soeben für immer trennte, unfähig mich zu rühren und in mir ist alles taub, nein, dröhnt vor Stille nur. Ich will so vieles sein, vor allem jetzt nicht hier, und bin es doch. Der Bahnhof wischt durch meinen Blick, die Bänke, Tafeln und Plakate, und mir ist es so, als weinte ich auch, doch wenn ich mein Gesicht berührte, dann wäre da wohl nichts, denn weinen kann ich nicht. Erst als die Stadt vor meinen Augen verschwimmt kann ich meine Füße vom Grund reißen und schlurfe durch den Gang, bis ans Ende des Zuges, bis ans Ende der Stadt.
Vier Plätze sind es, auf denen ich mich niederlasse, zwei grün gepolsterte Bänke, wohl die letzten ihrer Art, sich gegenüber stehend; ich sitze links, am Fenster, mein großer, schwarzer Rucksack sitzt neben mir. Ihm gegenüber liegt mein Mantel, ausgebreitet, und daneben liegen meine Füße. – Ja, die Schuhe habe ich ausgezogen, denn die gehören, das finde ich, nicht auf den Sitz.
Ob du noch immer auf dem Bahnsteig stehst und mir hinterher schaust, wie du es früher immer getan hast? Oder hast du es genauso wenig ausgehalten und bist, kaum dass ich weg war, vom Gleis geflohen? Hast du dir die Tränen abgeputzt oder waren sie dir egal? Geh mir endlich aus dem Sinn!

„Ey, gehts noch?!“
Die Scheibe klirrt und meine Hand schmerzt. Der Zusammenhang ist zu offensichtlich. So nachhaltig die pochende Hitze in meiner Hand sich erweisen sollte, so effektiv war sie im Rückblick aber auch: Aus meinen Gedanken warst du vorerst verschwunden. Ich hatte das ganze Wochenende für dich vor mir. Ob ich wollte oder nicht.

Weitere Beiträge findet ihr bei Dominik.

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