dogma pillenknick

einzig Dogma – mein literarischeres Ich

5. Januar 2012
von Dogma Pillenknick
1 Kommentar

01 | Käsekuchen

blog­gy­boulga – flickr.com – CC-BY


„Wen immer du fragst, man wird dir stets sagen, es gäbe nur das eine, wahre, rich­tige Käse­ku­chen­re­zept – und wenn du dann fragst, ob der Kuchen mit oder ohne Boden sei, dann begin­nen sie zu stot­tern und zu stam­meln.
Dabei ist es mit Käse­ku­chen genau so wie mit dem Leben. Es ist eigent­lich ganz ein­fach. Jeder hat schon ein­mal davon gehört, jeder kann dazu etwas sagen und jeder meint natür­lich eine Mei­nung dazu haben zu müs­sen und jeder, aber auch wirk­lich jeder wird dir sagen, es wäre doch eigent­lich ganz ein­fach. Aber hast du schon ein­mal ver­sucht einen Käse­ku­chen zu backen?
Natür­lich kannst du einen Käse­ku­chen mit Boden backen, ob er aus Keks­krü­meln, Streu­seln oder Mür­be­teig ist, ist dabei fast neben­säch­lich. Irgend­wann ent­schei­dest du dich und machst alles wie im Rezept, und dann geht es doch schief und der Käse­ku­chen wird oben braun und unten stein­hart.
Bäckst du den Käse­ku­chen aber ohne Boden, kann eigent­lich nichts mehr pas­sie­ren – oder alles. Ent­we­der wird alles wun­der­bar, oder du fällst und fällst und fällst und schlägst doch nicht auf, weil da da kein Boden unter dei­nen Füßen ist, auf dem du auf­schla­gen könn­test. Du kannst dich nicht im Dreck suh­len, nie­mand kann dich dort mit­lei­dig anschauen.
Man sagt, Käse­ku­chen ohne Boden sei viel ein­fa­cher … aber mal ganz ehr­lich: Hast du mal ver­sucht ohne Boden zu leben? Letzt­lich ist dein Leben doch auch nur ein Fass ohne Boden, eine boden­lose Frech­heit.“
„Aber es schmeckt mir doch!“

26. August 2011
von Dogma Pillenknick
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[26] 2330 — Bahnhofsuhr

Nun sit­zen wir auf gepack­ten Kis­ten und Taschen und Kof­fern, bli­cken, was in so ein kur­zes Leben passte, und war­ten auf das Mor­gen. Alles ist getan, was getan wer­den konnte aus unse­rer Kraft — die paar Jacken und Decken kann mor­gen auch noch jemand packen — alles ist ver­packt wie wir es für sin­nig erach­ten, keine Kiste einem Zim­mer zuge­ord­net, kein Kar­ton nur vol­ler Sachen für nur einen Raum, was soll uns das noch brin­gen.
Nun sit­zen wir auf gepack­ten Kis­ten und Taschen, bli­cken nicht, was von dir bleibt, dann alles fuhr in Holz hinab. Alles, was von dir bleibt, so wis­sen wir, bleibt auch bei uns, da kön­nen wir ver­ge­ben, was es ist. Ob Tisch, ob Stuhl, ob Klei­der­schrank, daran hängst du und dann nicht mehr.
Nun sit­zen wir auf gepack­ten Kis­ten, bli­cken uns, was von dir bleibt.
Nun sit­zen wir und war­ten auf den nächs­ten Schritt.

26. August 2011
von Dogma Pillenknick
Keine Kommentare

[25] 0826 — Wach. Koma

Pin­guine,
auf dem Weg zur Arbeit
tra­gen sie ihr
von Mut­tern
geschmier­tes Pau­sen­brot
wie eine umge­drehte Schild­kröte
vor sich her.
Tref­fen sie
auf die grob­schläch­ti­gen Neon­fla­min­gos,
schaut kei­ner den ande­ren, grüßt
kei­ner den ande­ren, tut jeder seine Tat.

Die Welt ist nichts als ein gro­ßer Zoo voll Theater.