Alle Artikel in: Gesellschaft

Was wären wir ohne die Gesellschaft? Im luftleeren Raum könnten wir nicht atmen, darum findet sich hier alles, was im weitesten Sinne die Gesellschaft betrifft, also Menschen und ihr Miteinander.

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#RefugeesWelcome

Bürgerkrieg in Syrien, Ausgrenzung auf dem Balkan, Verfolgung in Afghanistan … bislang schien mir (und wohl vielen) das so verdammt weit weg. Ja, ich sah die Bilder von fliehenden Menschen, von zerstörten Städten, von überfüllten Flüchtlingslagern im Libanon, in Griechenland, Italien, von gekenterten Booten vor Lampedusa. Ja, ich habe dem bayrischen CSU-Innenminister Joachim Herrmann widersprochen, als er die Flüchtlinge für eine Zumutung hielt. Ja, ich war auf Twitter und Facebook und auch sonst nicht ganz still, wenn es um Flüchtlinge und das Asylrecht ging, aber trotz aller humanistischen und argumentativen Richtigkeit berührte die Problematik mich zwar, aber sie ging mir nicht nah. Nicht nah genug. Bis vorhin.

Foto: Daniel Müller – Photojournalism (CC-BY-NC-SA) - flickr.com

Eine Zumutung – für uns alle

So, so. Eine „Zumutung für die deutschen Steuerzahler“ soll es also sein, dass Flüchtlinge, die in Italien und Griechenland ankommen, in die anderen EU-Länder weitergeleitet werden, sagt Herr Herrmann von der CSU. So, so. Ja, in der ganzen Debatte um Migration und Flucht und Asyl gibt es Zumutungen, weit mehr als man sieht, aber wenn man sich die Asylgesetzgebung in der EU anschaut, dann ist das ja wohl die kleinste Zumutung. Wo kommen denn die ganzen Flüchtlinge zuerst an? Doch wohl sicher nicht in Deutschland. Und wo nur können sie gesetzmäßig Asyl beantragen, Dublin-II-Abkommen sei Dank? In dem EU-Staat, in dem sie zuerst angekommen sind. Und das ist sicher nicht Deutschland (es sei denn, sie sind von Syrien durch Mittelmeer, Atlantik und Nordsee in Cuxhaven gestrandet). Die wahre Zumutung ist doch wohl eher die, dass Länder wie Deutschland sich im Herzen der EU verbarrikadieren und Aufgaben und Kosten den Ländern (und somit auch den dortigen Steuerzahlern) überlassen können, die die EU-Außengrenze bilden. Foto: Daniel Müller – Photojournalism – CC-BY-NC-SA – flickr.com

#IceBucketChallenge

Ich hatte in den letzten Tagen so ein ungutes Gefühl. Die Ice Bucket Challenge war schon längst in aller Munde. Ich hatte gesehen, wie Amanda Palmer sich mit eiskaltem Wasser übergoss. Ich hatte Gates McFaddens Video gesehen, und wie sie Sir Patrick Stewart nominierte, weil sie seine Haare nass sehen wollte. Ich sah ihn ausgesprochen feinsinnig – um nicht zu sagen „britisch“ – darauf reagieren. Ich las bei Facebook, dass diese und jene Person nominiert worden war – aber erst als die FAS sich in gleich zwei Artikeln dem Phänomen widmete, war mir klar, dass es nicht lange würde dauern können, bis ein dahergelaufener Wald- und Wiesenschrat auch mich nominieren würde. Dass die Herausforderung dann aus einer ganz anderen Ecke kommen sollte, verstört mich auch jetzt noch, am Tag danach. Aber worum geht es eigentlich?