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#reiseknick, Tag 11: Oberbruch–Kehl (und Wuppertal)

Urlaub tut Not. Anders als bis­her, da ich immer eine halb­wegs gut aus­ge­ar­bei­te­te Rou­te hat­te, habe ich dies­mal nur zwei­ein­halb Zwi­schen­zie­le und den Plan, mal rechts­rhei­nisch unter­wegs zu sein (zumin­dest bis Bin­gen). Ob das biss­chen Plan rei­chen wird … wir wer­den es sehen.

Mein anony­mer Zelt­nach­bar ist schuld. Ohne das kur­ze Gespräch am Mor­gen – auch er mit Rad und Zelt unter­wegs, wenn auch in Bay­reuth gestar­tet und zurück nach Ber­lin flie­gen wol­lend – hät­te ich wie­der den mehr oder min­der nicht exis­ten­ten Orten­au-Weg gesucht. Statt­des­sen ging ich mal wie­der über den Rhein.

Lavendel! Frischer Lavendel!

Laven­del! Fri­scher Laven­del!

Dies­mal gönn­te ich mir so rich­tig was. Ich kauf­te im an den Cam­ping­platz ange­schlos­se­nen Super­markt nicht nur ein, son­dern gleich zwei Bröt­chen, etwas Mar­me­la­de und noch ein paar Kin­der­rie­gel dazu. Bes­ser wäre nur ein Über­ra­schungs­ei gewe­sen, aber man muss es ja nicht über­trei­ben. Nach die­sem Hel­den­früh­stück mel­de­te ich mich erst ein­mal an der Rezep­ti­on an, die jetzt end­lich auch geöff­net hat­te, und freu­te mich über den Preis, der nied­ri­ger als erwar­tet war – auch wenn die 6,50 € aus Lin­gen­feld unschlag­bar waren. Als ich mich dann fer­tig gefreut hat­te, konn­te ich dann auch mei­ne Sachen packen und das Zelt zer­le­gen, ehe ich den Rad­weg an den Rhein such­te. Nur so viel: Ich fand ihn mühe­los.

Nur weni­ge Kilo­me­ter spä­ter war aber auch schon Ende im Gelän­de, denn schwim­men woll­te ich nicht. Welch Glück, dass die Fäh­re hin­über ins Elsass schon war­te­te. Welch Pech, dass mich Frank­reich direkt man mit einer Stra­ßen­sper­rung emp­fing. Welch Glück, dass die Umlei­tung wun­der­bar aus­ge­schil­dert war.
Anders als der hier rechts­rhei­nisch ver­lau­fen­de Rhein­rad­weg führt die Vélo­rou­te Rhin ein wenig durch die Ort­schaf­ten im Hin­ter­land. Genau genom­men bil­den sie aber nur zwei Sei­ten der Euro­ve­lo 15. Die links­rhei­ni­sche Vari­an­te erscheint mir aber doch ein wenig span­nen­der, auch weil sie süd­lich von Stras­bourg durch Col­mar und Neuf-Bri­sach führt, wohin­ge­gen die rechts­rhei­ni­sche Vari­an­te nahe­zu aus­schließ­lich am Rhein­ufer ent­lang führt.

Ohlala! Gehört sich so ein Empfang? Non.

Ohla­la! Gehört sich so ein Emp­fang? Non.

Doch genug des Exkur­ses. Schön war die Stre­cke alle­mal, nur ein wenig baum­arm, was bei die­sem wun­der­bar som­mer­li­chen Wet­ter – eine Anzei­ge ver­kün­de­te 38 Grad, was aber höchs­tens für direk­te Son­nen­ein­strah­lung zutraf. Rea­lis­ti­scher waren 28 Grad, aber ohne ein Wölk­chen am Him­mel und mit nur wenig Wind war es den­noch ein schweiß­trei­ben­des Unter­fan­gen. Umso ange­neh­mer wur­de es, als die Stre­cke hin­ter La Want­zen­au in den Wald abzweig­te und den Spu­ren der Pis­te des forts folg­te. Dass sie direkt ins Stadt­zen­trum von Stras­bourg füh­ren soll­te, nahm ich da bil­li­gend in Kauf. Hät­te ich bloß nicht den kur­zen Stopp an einer klei­nen Lich­tung gemacht, die an einem mit­tel­gro­ßen Bach lag. Ver­steht mich nicht falsch: Es war idyl­lisch, das Was­ser floss recht schön und vor allem kalt, es war trotz allem recht schat­tig und hat­te sogar zwei Tische. Ich hing auf ein biss­chen Trau­ben­zu­cker mei­ne Füße in das Was­ser, mach­te ein Foto, und ehe ich mich ver­sah, hat­te ich die Mar­ke von 50 Mücken­sti­chen am Kör­per (am Mor­gen war ich noch bei 44 gewe­sen) erreicht und über­schrit­ten. C’est la vie.

Nicht viel spä­ter erreich­te ich die ers­ten Stadt­tei­le Stras­bourgs und trotz (oder wegen) mei­ner nur rudi­men­tä­ren Sprach­kennt­nis­se mach­te ich ein Pola­ro­id-Foto von drei Freun­din­nen vor einer Kir­che, half einer deut­schen Schü­ler­grup­pe nicht bei ihrem Quiz über das Müns­ter und fand mich – hät­te ich nicht schon vor­her mal den Turm erspäht – fast unver­mit­telt vor dem Müns­ter wie­der. Nach dem unver­meid­li­chen obli­ga­to­ri­schen Müns­ter-Foto mach­te ich mich auch schon wie­der auf den Weg, in die­sem Fall nach Kehl, also wie­der zurück ins Rechts­rhei­ni­sche. Schon wegen der gesam­ten Ver­kehrs­si­tua­ti­on hät­te ich dar­auf ver­zich­ten sol­len – aber das wuss­te ich ja vor­her nicht.
So stieg ich dort in aller Ruhe in den Zug, ein Ticket hat­te ich ja schon (seit etwa 30 Minu­ten vor der Abfahrt; es lebe der tech­ni­sche Fort­schritt).

Nicht das Münster, aber auch sehr schön: St. Paul.

Nicht das Müns­ter, aber auch sehr schön: St. Paul.

Der Rest des Tages war dann aus­ge­spro­chen harm­los. Mit einem SNCF-Blau­wal kam ich nach Appen­wei­er, dort kam nur wenig spä­ter ein ver­kehrs­ro­ter DB-Dos­to, in Karls­ru­he war­te­te schon ein SÜWEX-Flirt mit Steck­do­sen am Platz, in Mainz reich­ten mir die vier Minu­ten zum Umstei­gen, Koblenz war schön wie eh und je, auch wenn der Dop­pel­stock-RE über Neu­wied nun nicht unbe­dingt tech­nisch ein Ver­gnü­gen war, war zumin­dest die Rei­se­be­glei­tung, bestehend aus meh­re­ren Rad­lern, die alle einen Bezug zu Rad­rei­sen und Wup­per­tal hat­ten, es doch. Für die letz­ten Kilo­me­ter ab Köln-Deutz gab es schließ­lich noch eine besteck­dos­te und kli­ma­ti­sier­te Hams­ter­ba­cke von Natio­nal Express. 400 Kilo­me­ter in rund sie­ben Stun­den? Läuft bei mir.

Die Tour

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