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#reiseknick, Tag 4: Trechtingshausen–Lohnsfeld

Urlaub tut Not. Anders als bis­her, da ich immer eine halb­wegs gut aus­ge­ar­bei­te­te Rou­te hat­te, habe ich dies­mal nur zwei­ein­halb Zwi­schen­zie­le und den Plan, mal rechts­rhei­nisch unter­wegs zu sein (zumin­dest bis Bin­gen). Ob das biss­chen Plan rei­chen wird … wir wer­den es sehen.

Mit einem Schlie­ßen einer rou­ten­tech­ni­schen Lücke auf dem Weg zu mei­ner Ver­wandt­schaft und einem inter­es­san­ten Gespräch bot die­ser so ereig­nis­ar­me Tag, der mich vom Mit­tel­rhein­tal an Nahe und Alsenz ent­lang ins Nord­pfäl­zer Berg­land und durch die alt Welt füh­ren soll­te, doch mehr als es zunächst den Anschein haben mag. Dabei fing er so beschei­den an.

Für solche Anblicke bin ich ja immer zu haben.

Für sol­che Anbli­cke bin ich ja immer zu haben.

Eines muss ich vor­ab direkt revi­die­ren und kor­ri­gie­ren: Der Cam­ping­platz hat­te sehr wohl ordent­li­ches mobi­les Inter­net. Es lag ledig­lich an mei­nem Smart­pho­ne, das dem Inter­net ver­wei­gert, wenn es trotz Rest­ak­ku­an­zei­ge von rund 20 Pro­zent fak­tisch nur noch knapp 10 Pro­zent Akku hat. Hät­te ich mich auch mal dran erin­nern kön­nen. Shame on me.

Was der Cam­ping­platz aber wirk­lich nicht hat­te, war hei­ßes Was­ser, zumin­dest dass es mir heiß genug für einen Kaf­fee gewe­sen wäre. Ohne­hin fing der Tag doof an: Mein Rücken war der Auf­fas­sung, ich hät­te falsch gele­gen, ich wur­de erst­ma­lig schon vor sechs Uhr wach und als ich dann auf­ste­hen woll­te, reg­ne­te es. Im Ergeb­nis fuhr ich zwar wie die Tage zuvor so gegen zehn Uhr los, aber ich Kaf­fee und Früh­stück hat­te ich noch kei­nes. In Bin­gen fand ich dann zumin­dest eine die­ser am Ran­de von Dis­coun­tern ein­ge­nis­te­ten Auf­back­wa­ren­ket­ten, von der ich mir in die­sem Fall mehr erhofft hat­te, und bekam zumin­dest einen guten Lat­te Mac­chia­to, wenn schon kei­ne beleg­ten Bröt­chen. Um jeg­li­ches Risi­ko eines Ver­hun­gerns zu ver­mei­den, nahm ich einen Ame­ri­ka­ner und eine Mohn­schne­cke, die bei­de ihren Zweck erfüll­ten. Als ich dann aber wirk­lich auf­bre­chen konn­te, war es inzwi­schen kurz vor elf.

Die ers­ten Kilo­me­ter waren noch recht harm­los. Es ging ziem­lich eben mehr oder weni­ger an der Nahe ent­lang, zumin­dest bis Bad Kreuz­nach, wo eine gut aus­ge­schil­der­te Umlei­tung ihr Unwe­sen trieb, was mir die Gele­gen­heit bot, mich mal eben mit Son­nen­creme nach­zu­rüs­ten. Mei­ne Nase dankt es mir. Was hin­ge­gen weni­ger dank­bar war, war der Hin­ter­rei­fen mei­nes Rades. Hat­te er die gan­zen Tage über schon peu a peu ein wenig Luft ver­lo­ren, dach­te ich, ich wür­de mit dem Auf­pum­pen am Mor­gen zumin­dest für die­sen Tag über die Run­den kom­men. Pus­te­ku­chen! Ein Glück, dass ich dank zwei­er Schnee­ta­ge mit Win­ter­rei­fen im März in Übung war, was den Rei­fen­wech­sel betraf. Ein Glück, dass ich mir erst im Mai einen Plat­ten ein­ge­fan­gen hat­te. Ein Glück, dass ich alles nöti­ge Werk­zeug und die Nahe als Wasch­be­cken­er­satz dabei hat­te. Andern­falls wäre ich näm­lich nach nur einem Drit­tel der Stre­cke schon gestran­det.

Eines der noch genutzten Gradierwerke. Die Luft dort ist wunderbar salzhaltig.

Eines der noch genutz­ten Gra­dier­wer­ke. Die Luft dort ist wun­der­bar salz­hal­tig.

Als Ent­schä­di­gung für die ent­stan­de­ne Unbill belohn­te mich Bad Kreuz­nach nach dem Fli­cken des Hin­ter­rei­fens – war­um soll­te auch der ein­fa­cher zu wech­seln­de Vor­der­rei­fen einen Plat­ten haben? – mit einem Rad­weg quer durchs Sali­nen­tal vor­bei an diver­sen Gra­dier­wer­ken, in denen zum Teil noch heu­te Sole gewon­nen wird.

Auf Bad Kreuz­nach folg­te Bad Müns­ter am Stein und damit der nahen­de Ein­tritt ins Nord­pfäl­zer Berg­land. Hat­te mei­ne Kar­te noch kei­ne Kennt­nis von einem brauch­ba­ren Rad­weg, schloss sich zum Glück hier der Alsenz­tal-Rad­weg naht­los an den Naherad­weg an. Anders als letz­te­rer ver­lief der Alsenz­tal-Rad­weg dann noch ganz so eben. Er wech­sel­te öfter mal die Fluss­sei­te und über­quer­te an vie­len Bahn­über­gän­gen, deren Öff­nung zu einem nicht gerin­gen Teil noch an eigens dafür an den Bahn­über­gän­gen ste­hen­den Fern­spre­chern ange­for­dert wer­den muss­te, die Glei­se. So kam in kur­zer Zeit doch eini­ges an Höhen­me­tern zusam­men und wenn es auch kei­ne lan­gen Anstie­ge waren, waren sie dafür dann aber doch recht kna­ckig.

Kurz vor dem Orts­ein­gang zu Alsenz erblick­te ich eine Wer­be­ta­fel, die für ein Restau­rant mit Eis­ca­fé warb. Das kam mir gera­de recht. Auch wenn ich erfolg­reich an der erst­bes­ten Kreu­zung falsch abbog, fand ich es schließ­lich doch im Her­zen von Alsenz. Was soll ich groß sagen? Das Eis war gut, der Lat­te Mac­chia­to auch, und eh ich mich ver­sah, war ich mit Gui­sep­pe, Teil der Inha­ber­fa­mi­lie und „mein“ Kell­ner in einem Gespräch über Fahr­rä­der, Motor­rä­der, län­ge­re Tou­ren und Kame­ras ver­tieft. Die Paten­tan­te sei­ner Mut­ter lebt in Wup­per­tal, auf dem Markt­platz vor dem Restau­rant spiel­ten Kin­der, wenn sie nicht mal schnell auf eine Kugel Eis in den Laden husch­ten und so ein biss­chen war es wie frü­her, als es noch kein Welt­un­ter­gang war, wenn wir Kin­der ohne Beglei­tung eines erwach­se­nen auf der Stra­ße spiel­ten oder mal zwei, drei Stra­ßen wei­ter mit Freun­den spiel­ten.

Von außen sind sie auf den ersten Blick zum zu unterscheiden: die Orte im Alsenztal.

Von außen sind sie auf den ers­ten Blick zum zu unter­schei­den: die Orte im Alsenz­tal.

Doch auch die schöns­te Pau­se fand irgend­wann ihr Ende und ich nahm die letz­ten Kilo­me­ter in Angriff. Es blieb so hüge­lig wie zuvor. Mal ging es kurz und steil berg­auf und dann lan­ge mehr oder min­der flach berg­ab, mal zog sich die Stei­gung und die Tal­fahrt war umso schnel­ler vor­bei. Nur weni­ge Kilo­me­ter vor Ims­wei­ler hieß es dann aber: „Rad­weg gesperrt“ und kei­ne Kar­te konn­te mir Bes­se­res anbie­ten als eine Umkehr und einen dar­aus resul­tie­ren­den Umweg von min­des­tens vier Kilo­me­tern. Also igno­rier­te ich das Schild und fuhr ein­fach wei­ter, auch wenn ich mir die gan­ze Zeit dach­te „Don’t say, I didn’t tell you. I told you.“ Well, der Weg war stre­cken­wei­se ein klei­nes biss­chen schlam­mig, so mit­ten durch den Wald, aber ich hat­te mit deut­lich Schlim­me­rem gerech­net.
Danach war der rest­li­che Weg ein Klacks. Erst durch Ims­wei­ler, dann mit schö­nen Erin­ne­run­gen an den ers­ten Schluck Schnor­res an der Eisen­schmelz vor­bei, ein­mal quer durch Winn­wei­ler und schließ­lich auf nur all­zu ver­trau­ten Wegen nach Lohns­feld, das Dorf mei­ner Feri­en­kind­heit. Hier wer­de ich jetzt ein paar Tage blei­ben und ganz viel Fami­lie tref­fen. Wer weiß, wohin es mich dann ver­schlägt.

Die Tour

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