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#reiseknick, Tag 3: Lahnstein–Trechtingshausen

Urlaub tut Not. Anders als bis­her, da ich immer eine halb­wegs gut aus­ge­ar­bei­te­te Rou­te hat­te, habe ich dies­mal nur zwei­ein­halb Zwi­schen­zie­le und den Plan, mal rechts­rhei­nisch unter­wegs zu sein (zumin­dest bis Bin­gen). Ob das biss­chen Plan rei­chen wird … wir wer­den es sehen.

Der heu­ti­ge Tag hat­te alles zu bie­ten: Feu­er, Wind, Erde und Was­ser. WIrk­lich tra­gisch war aber nichts davon. Schlim­mer war ein ande­res Pro­blem. Lasst es mich mit einer Zei­tungs­an­non­ce sagen: „Tau­sche Mit­tel­rhein­idyl­le gegen WLAN oder funk­tio­nie­ren­des 3G“.

Die Marksburg – ich spar mir mal die Euro-Witze.

Die Marks­burg – ich spar mir mal die Euro-Wit­ze.

Ent­we­der hat es schlicht­weg nicht gereg­net, oder es war, als hätt’ der Him­mel die Erde still geküsst (Schnau­ze, Eichen­dorff!). Fakt war jeden­falls ein tro­cke­nes Zelt am Mor­gen und reich­lich war­mes Son­nen­licht. Eben­so reich­lich waren Mar­tins­hör­ner zu hören, aber das schie­be ich mal auf den klang­ver­stär­ken­den Fak­tor des Tals. Man hört ein­fach alles. Nach einem lek­ker kop­je kof­fie kam ich wäh­rend mei­ner Abbau­vor­be­rei­tun­gen mit mei­nen Zelt­nach­barn ins Gespräch. Dass sie Nie­der­län­der waren, wuss­te ich schon dank ihres Autos und eini­ger auf­ge­schnapp­ter Wort­fet­zen. Dass sie Nie­der­län­disch-Dozen­tin an der Uni Delft war, erzähl­te sie mir erst am Ende ihres Gesprächs. Ob ich noch Nie­der­län­disch mit ihr gespro­chen hät­te, wenn ich es eher erfah­ren hät­te?

Man sieht nicht viel, aber: das ist die Loreley.

Man sieht nicht viel, aber: das ist die Lore­ley.

Nichts­des­to­trotz brach ich als­bald auch auf, nicht ohne mich – so dach­te ich – reich­lich mit Son­nen­creme ein­ge­schmiert zu haben. (Dass mei­ne Kopf­haut da ande­rer Auf­fas­sung ist, teilt sie mir der­zeit nach­hal­tig mit. Haar­aus­fall hat offen­bar doch nicht nur Vor­tei­le.) Nach ein paar ver­ein­zel­ten Meter­chen auf­wärts düs­te ich dann rasant wie­der ins Rhein­tal hin­ab. Was für eine Ver­geu­dung: Nach oben brauch­te ich ewig, hin­ab ging es viel zu schnell. Machs­te nix. Immer­hin fand ich recht schnell einen Bäcker, der sich sogar damit rühm­te, in irgend­ei­ner ZDF-Back­sen­dung mal was gewon­nen zu haben. Lecker war mein Stan­dard­früh­stück (beleg­tes Bröt­chen mit Käse und Zeugs) trotz­dem.

Sonst fuhr ich durch diese nette Ortschaft nur durch. Jetzt konnte ich sie auch mal fotografieren.

Sonst fuhr ich durch die­se net­te Ort­schaft nur durch. Jetzt konn­te ich sie auch mal foto­gra­fie­ren.

Danach ging es locker-flo­ckig wei­ter. War ges­tern noch ein Tag des Hü und Hott (links der Bahn, rechts der Bahn, über die Schie­nen, unter den Schie­nen, dies­seits der Bun­des­stra­ße, jen­seits der Bun­des­stra­ße), blieb es heu­te fast schon ange­nehm kon­stant. Größ­ten­teils ver­lief der Rad­weg par­al­lel zur Bun­des­stra­ße, dass es fast schon mono­ton gewor­den wäre, hät­te nicht hin und wie­der der Wind sein Mög­lichs­tes gege­ben, um mich am Fort­kom­men zu hin­dern. Ich nahm es nicht per­sön­lich und hielt mich an mein Rei­se­man­tra: „Mit der Natur, nicht gegen die Natur.“ Das dau­ert zwar län­ger, ist aber deut­lich ent­spann­ter als ein Kampf gegen Wind­rä­der. Immer­hin gab es mehr als genug Bur­gen zu foto­gra­fie­ren – und von der Lore­ley habe ich auch ein Foto, so mehr oder weni­ger. Ich war halt – typisch rechts­rhei­nisch – auf der fal­schen Rhein­sei­te. Das ändert aber alles nichts dar­an, dass ich den rechts­rhei­ni­schen Rad­weg abwechs­lungs­rei­cher fin­de als den links­rhei­ni­schen, der aber doch bes­ser zu fah­ren ist.

Der Bruinen sah auch schon mal anmutiger aus.

Der Brui­nen sah auch schon mal anmu­ti­ger aus.

In Lorch schließ­lich beschloss ich die Sei­ten zu wech­seln und ans ande­re Ufer über­zu­tre­ten. Eine Fäh­re erwies mir dabei gute Diens­te. Vom Schwim­men im Rhein wird einem ja all­seits abge­ra­ten – und ein See­pferd­chen hat mein Rad auch nicht.
Die letz­ten Kilo­me­ter soll­ten dann noch ein wenig Aben­teu­er bie­ten. Ich wuss­te ja – Bur­gen­blog­ger sei Dank –, dass Ober­heim­bach von einem ziem­lich üblen Unwet­ter heim­ge­sucht wor­den war. Ein wenig über­ra­schend kamen die Aus­wir­kun­gen auf den Rad­weg, der direkt am Rhein ver­läuft und von eini­gen Bächen gequert wird, dann den­noch. Dass man dort durch eini­ge Rinn­sa­le fährt, ist kei­ne Sel­ten­heit, aber an einer Stel­le ging es mal gar nicht wei­ter. Die emp­foh­le­ne Umlei­tung der dort abpum­pen­den Man­nen lau­te­te: paar Meter zurück, dann über die Wie­se und dann zu Fuß durch die Flu­ten. Einem zeit­gleich dort pas­sie­ren­den Rad­ler tat ich es gleich; ich erach­te­te mei­nen tro­cke­nen Füße für wich­ti­ger als eine schnel­le Pas­sa­ge und wate­te bar­fuß durch das Gewäs­ser. So war auch die­ses Hin­der­nis schließ­lich über­wun­den und nur weni­ge Minu­ten spä­ter kam ich am Cam­ping­platz an. Posi­tiv: Er liegt sehr schön idyl­lisch direkt am Rhein. Nicht so posi­tiv: Es gibt nicht ein­mal GPRS und die cam­pin­gei­ge­ne Gas­tro­no­mie hat mitt­wochs Ruhe­tag. Ich muss­te also nach Bin­gen für ein Abend­essen und sit­ze daher nun schrei­bend in mei­nem Lieb­lings-Eis­ca­fé Napo­li­ta­no. So gese­hen hat also auch der emp­fang­freie Cam­ping­platz sein Gutes – als wäre er abge­se­hen davon schlecht.

Die Tour

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