Gedöns
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Bierprobe #3: Wuppertaler Brauhaus Rotes

Im Jahr 2014 trank jede_r Deut­sche durch­schnitt­lich 107 Liter Bier. Nur Erfri­schungs­ge­trän­ke (125,5 Liter), Was­ser (145 Liter) und Boh­nen­kaf­fee (165 Liter) wur­den in noch grö­ße­ren Men­gen ver­nich­tet. Zum Ver­gleich: Milch kam auf gera­de ein­mal 84 Liter und Wein auf gera­de ein­mal knapp 25 Liter.
Wäh­rend aber zu jedem Gericht ein pas­sen­der Wein emp­foh­len wird, heißt es bei Bier viel zu oft nur „Haupt­sa­che, es haut rein“ und bis auf weni­ge Aus­nah­men gibt es ent­we­der Pils oder Wei­zen und das völ­lig unab­hän­gig von dem dazu ser­vier­ten Gericht. Dabei gibt es so viel mehr! War­um also soll­te man die­se Viel­falt links lie­gen las­sen und nicht auch Bier einer Ver­kos­tung unter­zie­hen? Eben!

Auch wenn inzwi­schen eini­ge Tage ins Land gegan­gen sind, heißt das nicht, dass es in der Zwi­schen­zeit kein Bier getrun­ken hät­te. Im Gegen­teil: Ich war sogar so geist­reich, einen drit­ten Win­ter­bock zu pro­bie­ren und mei­ne Noti­zen zu vertu­beln, wes­we­gen ich über den nicht schrei­ben wer­den. Der nun­mehr abge­lau­fe­ne Dezem­ber bot mir aber die Chan­ce, mal nach Hei­del­berg zu fah­ren, was ich am drit­ten Advent auch tat, wodurch ich die Gele­gen­heit bekam, mal drei fass­fri­sche iri­sche Bie­re aus­gie­bigst zu ver­kos­ten. Aber für eine Bier­pro­be war das zu wenig. Also ging ich mal wie­der in den real mei­nes Ver­trau­ens und brach­te mal wie­der eine Fla­sche hei­mi­schen Erzeug­nis­ses mit, will sagen: ein Bier vom Wup­per­ta­ler Brau­haus.

Die Flasche

Das Rote aus dem Wup­per­ta­ler Brau­haus kam in der alt­be­währ­ten dunk­len Halb­li­ter-Bügel­fla­sche zu mir. Die Vignet­te ist recht­eckig und beige mit der bekann­ten Holz­op­tik. Als Erken­nungs­far­be dient hier ein Kup­fer­ton, auf dem der ocker­far­be­ne Kas­ten ruht, in wel­chem sich der scriptar­ti­ge Schrift­zug „Rotes“ befin­det. Abge­se­hen davon gilt die glei­che Kri­tik, die schon für den Win­ter­bock galt: Der Rest wirkt antik imi­tiert, auf der Rück­sei­te steht nur Braue­rei-Bin­go. Scha­de. Immer­hin kann man die Sor­ten gut unter­schei­den.

Die Optik

Das Rote ist laut Vignet­te nach Mär­zen-Brau­art gebraut und so sieht es auch aus. Farb­lich ist es irgend­wo zwi­schen Kup­fer und Bern­stein ange­sie­delt, aber klar; sei­ne Kro­ne ist soli­de und sta­bil, fast schon fein, und kommt in einem dezen­ten Beige daher.

Der Geruch

Gin­ge ich allein nach dem Geruch, wäre das Rote aus Wup­per­tal vor allem unauf­fäl­lig. Viel­leicht ist da ein Hauch von Zitrus­aro­men, aber wenn da eine Note her­vor­tritt, dann ist es eine blu­mi­ge, hin­ter der sich der Anflug von Kara­mell ver­birgt – aber eben auch nicht mehr als der Anflug. Außer­dem ist da noch eine leich­te Erin­ne­rung an noch nicht ganz gereif­te Bana­nen. Was soll einem das nun sagen?

Der Geschmack

Zunächst ein­mal hilft einem die­se Erin­ne­rung an Bana­ne über­haupt nicht wei­ter, denn der ers­te Schluck geht in eine ganz ande­re Rich­tung – oder hat­tet ihr schon ein­mal ein Bier, das nach Kau­gum­mi schmeckt? Dabei rede ich jetzt nicht von irgend­wel­chen Spear­mint-Kau­gum­mis, son­dern vom guten alten Wrigley’s Jui­cy Fruit. Sehr irri­tie­rend. Sehen wir es posi­tiv: Das Rote ist wun­der­bar weich und breit und süf­fig, genau genom­men sogar schon süß­lich. Es ist fruch­tig und auch blu­mig, stär­ker noch als es der Geruch ver­mu­ten ließ, und ein wenig mal­zig ist es im Abgang auch. Im Abgang taucht dann übri­gens auch wie­der die unrei­fe Bana­ne auf – aber die­se Kau­gum­mi­no­te will ein­fach nicht wei­chen.

Mein Fazit

Als Bier nach Mär­zen-Brau­art wäre es eigent­lich ein Fall für den Aus­schank im Herbst, weil es eben im März hät­te gebraut wer­den sol­len. Fak­tisch habe ich es aber im Janu­ar gekauft und das Min­dest­halt­bar­keits­da­tum notiert den 23. Mai 2016, wes­we­gen es auch kein Mär­zen, son­dern ledig­lich ein Bier nach Mär­zen-Brau­art ist. Es ist nicht zu leicht, aber auch nicht zu voll, und dabei aus­ge­spro­chen fruch­tig. Lei­der ist da die­se unan­ge­nehm pene­tran­te Kau­gum­mi-Note, die ein­fach nicht wei­chen will, die mir abso­lut nicht zusagt.
Wen das nicht stört, der hat mit dem Roten ein süf­fi­ges und lieb­li­ches Bier, das einen nicht all­zu hef­ti­gen, aber doch merk­ba­ren Kon­trast sucht. Etwas Leich­tes aber Herz­haf­tes passt recht gut, bei rus­ti­ka­le­ren Spei­sen gin­ge das Bier wohl unter. But­ter­bre­zen sind wohl eine gute Wahl, zur Not auch mit Schnitt­lauch. Käse­brot ist nie ver­kehrt – wenn­gleich ich dort eher zu einem mil­den Camem­bert als zu Esrom rate.

Eckdaten

  • Braue­rei: Wup­per­ta­ler Brau­haus
  • Fla­sche: 0,5 l
  • Stamm­wür­ze: unbe­kannt
  • Alko­hol­ge­halt: 5,6 %
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