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Craftbier-Expedition durch Weinland-Pfalz – Auf der Deutschen Weinstraße

05-Ein-Schloss

Der Juni 2015 war ein durchwachsener Monat, aber ein paar Tage Sonne hatte er doch zu bieten. Welch Glück, dass ich genau die Tage erwischte für einen Kurzurlaub in der Pfalz. So spontan ich diese Reise geplant hatte, so chaotisch wurde sie auch, zumindest auf den ersten Blick. Wollte ich ursprünglich durch die Weinberge radeln und damit einen Teil der Pfalz erkunden, in dem ich noch nicht so oft war, war mein nächster Plan, eine Mittelrhein-Höhentour zu machen und mal von oben auf den Rhein zu schauen. Letztlich entschied ich mich kurz vor der Abfahrt noch einmal um und tendierte zur einer „Craftbier-Expedition durch Weinland-Pfalz“. Das alles sollte – natürlich – auf zwei Rädern stattfinden und die Nächte wollte ich im Zelt verbringen; es sollte also ein typischer Hendryk-Urlaub werden – und das wurde er auch, wenn auch anders als geplant.

Nach fünf Tagen traf ich ziemlich überraschend, aber eigentlich auch nicht, zum ersten Mal auf bekannte Gesichter. Ich aß eine Kirsche, sah das Hambacher Schloss und überlebte sogar Landau, doch im Großen und Ganzen hatte ich kein Netz.

Die Tour

Der Mittwoch brachte – völlig unerwartet für einen späten Juni – den Sommer mit. Ich war mal wieder zeitig aufgebrochen und hatte mich noch in Wachenheim mit Proviant für eine Tour entlang des Pfälzerwaldes eingedeckt. Nach zwei ziemlich ebenen Etappen sollte es also mal wieder ein wenig hügeliger werden und das wurde es auch. Als hätte jemand ein Drehbuch geschrieben, traf ich nach ein paar Kilometern und Foto- und Frühstückspausen an einer etwas stärkeren Steigung die beiden Radler wieder, die ebenfalls in Wachenheim campiert hatten. Während sein Begleiter sich noch hinauf quälte. unterhielt ich mich kurz mit dem Liegeradfahrer der beiden, die nach Bayern wollten, um dort die Biergärten abzuklappern. Ein paar Meterchen fuhren wir gemeinsam, bevor sich unsere Wege wieder trennten. Da wussten wir noch nicht, dass wir uns abends wieder begegnen sollten.

Guter Hund

Guter Hund

Fehlten bisweilen auch die Wegweiser, fand ich nach teils unanständigen Steigungen vor Neustadt an der Weinstraße doch das Hambacher Schloss, um mich mit einem Blick aus der Ferne zu begnügen und durch die Weinberge von Ortschaft zu Ortschaft zu radeln, bevor ich dem Anwesen meines Lieblingskunden aus der Hölle einen kleinen Besuch abstattete. Hinter Hainfeld fuhr ich anders weiter als die Karte es mir vorschlug, wofür ich mich mit einer frisch gepflückten Kirsche von Wegesrand belohnte, ehe ich in Landau einlief.
Landau selbst ist zwar schön (so man das von Hindurchradeln beurteilen kann), aber für Radfahrer eher eine Zumutung. Einerseits gibt es auf der Straße Radspuren, andererseits markieren sie genau genommen nur die Dooring-Zone neben den geparkten Fahrzeugen, und sind durch kopfsteingepflasterte Vertiefungen von der eigentlichen Fahrbahn getrennt, sodass sie eigentlich eher eine Todesfalle als einen guten Radweg darstellen. Einerseits ist das Radfahren in der Fußgängerzone erlaubt, andererseits befindet sich dort vorwiegend Kopfsteinpflaster, und Abstellmöglichkeiten für Fahrräder gibt es ungefähr keine.
„Annas Landpartie“, wo ich die letzte noch fehlende Flasche Bier erstehen wollte, fand ich dafür auf Anhieb. Ich bekam mein Bier und sogar noch ein wenig Salz für den Antrittsbesuch in der neuen Wohnung meiner Schwester. Ebenfalls in Landau fand ich ein sonniges Plätzchen und ein leckeres Eis, ehe ich mich wieder auf den Weg nach Süden machte. Wie so oft führte der Radweg separat neben der Landstraße her, schnitt aber die Täler tiefer ein, bloß um sich noch höher über die Hügelkuppen zu erheben. So gesehen war es also kein Wunder, dass ich fast keinen anderen Radreisenden begegnete. Nichtsdestotrotz fand ich meinen Weg nach Billigheim-Ingenheim im Klingbachtal, wo ich den an ein Freibad angeschlossenen Campingplatz erreichte. Dort konnte ich meine Wäsche waschen und sie in einer abenteuerlichen Konstruktion auf meinen Spanngurten zwischen Rad, Zelt und Baum zur Trocknung aufhängen. Wie stets lag der Campingplatz ein klitzekleines bisschen jottweedee und auch Internetempfang gab es mal wieder keinen, aber ich war ja auch nicht zum Surfen da – und ein kleines Abendessen fand ich auch so.

Abendstimmung im Klingbachtal

Abendstimmung im Klingbachtal

Als ich von meinem Gourmet-Döner-Imbiss zurückkehrte, sah ich bekannte Gesichter. Meine beiden Radler vom Vortag waren wieder da. Sie schlugen ihre Einmann-Geodäten neben meinem Anderthalb-Personen-Zelt auf und hatten sich schon gewundert, wer da noch mit dem Rad unterwegs gewesen sein musste. Sie waren nicht so weit gekommen wie sie gewollt hatten, denn es hatten sich ihnen zu viele Weinberge und Straußwirtschaften in den Weg gestellt, aber dennoch waren sie – wenig verwunderlich bei dem, was sie mir so erzählten – recht guter Laune. Bei frischem Weißwein und Williams-Christ-Likör in der Fahrradflasche hatten wir einen heiteren, sternenreichend Abend, bevor es in aller Kälte und so spät wie schon lange nicht mehr für uns alle in die Koje ging.

Die Route

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