Gedöns
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Das war das Jahr, das war: 2015

Schon wie­der ist ein Jahr um. Da es sich so ein­ge­bür­gert hat, dass „alle Welt“ dies zum Anlass nimmt, um kurz so zu tun als hiel­te man inne und blick­te zurück, um danach genau­so wei­ter­zu­ma­chen wie zuvor, will ich mich die­sem Rei­gen anschlie­ßen. Inso­fern muss ich mich selbst zitie­ren: Jah­res­rück­bli­cke sind eigent­lich per defi­ni­tio­nem doof.

Um aus dem Irr­sinn aber etwas Sinn zu geben, habe ich beschlos­sen, nicht ein­fach zurück­zu­bli­cken, son­dern auch Kon­se­quen­zen zu zie­hen – zumin­dest ist das mein Plan. Wie 2016 wird, kann ich also nicht sagen. Wie der Jah­res­rück­blick wird, weiß ich aber recht gut … (… sag­te er, bevor er tat­säch­lich schrieb, was Ihr nun lesen könnt). Ich habe also den Rück­blick von 2014 (sie­he auch: 2013, 2012) wie­der aus der Gara­ge geholt, ihn gerei­nigt und gefet­tet und die alten Ant­wor­ten durch neue ersetzt. In die­sem Sin­ne: Abfahrt!

Mehr Koh­le oder weni­ger? Weni­ger. Ich bin ein­fach zu alt für Ren­te.

Mehr aus­ge­ge­ben oder weni­ger? Was an Umzug und Dis­ney­land die­ses Jahr nicht statt­fand, ging unter ande­rem in ein neu­es Fahr­rad samt Gedöns. Unent­schie­den, wür­de ich sagen.

Mehr bewegt oder weni­ger? Da wird sich wohl nicht viel getan haben. Mein Fahr­rad­ta­cho sagt was von knapp 3.000 Kilo­me­tern.

Der schöns­te Moment? Pau­se auf Burg Soon­eck. Ein knap­pes Stünd­chen mit der damals noch Bur­gen­blog­ge­rin und einem gran­dio­sen Aus­blick über das Mit­tel­rhein­tal mach­te die gan­zen bis dahin erlit­te­nen Qua­len mei­ner dies­jäh­ri­gen Früh­som­mer­rad­tour völ­lig ver­ges­sen.

Das ein­drück­lichs­te beruf­li­che Erleb­nis? Rede­sign und Neu­struk­tu­rie­rung einer Zeit­schrift im lau­fen­den Gestal­tungs­pro­zess. Muss nicht noch ein­mal sein, wird es aber auch nicht, weil die Arbeit ja jetzt getan ist. War aber nötig.

Der hirn­ris­sigs­te Plan? Mei­ne Craft­bier-Expe­di­ti­on durch Wein­land-Pfalz. Wie kann man nur so unor­ga­ni­siert ver­rei­sen? (Well. Ich wür­de es jeder­zeit wie­der tun, auch in ande­ren Regio­nen.)

Die gefähr­lichs­te Unter­neh­mung? Wenn ich so zurück­bli­cke, war 2015 eigent­lich erschre­ckend unge­fähr­lich. Eigent­lich.

Der bes­te Sex? Jou.

Die teu­ers­te Anschaf­fung? Ein neu­es Fahr­rad mit ange­neh­me­rer Geo­me­trie, Schei­ben­brem­sen, mehr Gän­gen, weni­ger Gewicht und einer schö­ne­ren Optik samt rei­se­taug­li­cher Grund­aus­stat­tung.

Das leckers­te Essen? Pfäl­zi­sche Küche in der Gerüm­pel­stu­be. Jeder­zeit wie­der.

Das beein­dru­ckends­te Buch? Jens Fran­ke: 100 Tage Hei­mat, denn es inspi­riert mich zu so vie­len Din­gen: zu mehr Rei­sen, län­ge­ren Rei­sen, weni­ger Pla­nung, mehr Fotos und so wei­ter und so fort.

Der ergrei­fends­te Film? Gese­hen habe ich so eini­ge Fil­me, aber ergrei­fend waren die wenigs­ten. „Frau Mül­ler muss weg“ war hei­ter, „Spy“ eben­so wie „Mini­ons“, und „Spect­re“ war zumin­dest noch unter­halt­sam, doch ergrei­fend war nur „Woman in Gold“, wenn­gleich auf sehr kon­ser­va­tiv-hol­ly­woo­des­ke Art und Wei­se – aber Helen Mir­ren kann auch alles spie­len. Bonus­punk­te bekommt der Film aber auch für Nina Kun­zen­dorf, Ryan Reynolds und Lud­ger Pis­tor.

Die bes­te Musik? „Im Schne­cken­haus“ von Jor­is. Ein­gän­gig, ein­fühl­sam, ein tref­fen­der Text und eine sing­ba­re Melo­die; die­se Song hat mich auf so vie­len Ebe­nen erreicht, dass es kei­ne ande­re Wahl gibt.

Das schöns­te Kon­zert? Genau genom­men war es nur eine Wie­der­ho­lung, von der ich die ori­gi­na­le Auf­füh­rung gese­hen hat­te, aber das ist mir so egal, denn bei der dies­jäh­ri­gen Aus­wahl steht „Xer­xes“ der Deut­schen Oper am Rhein in Düs­sel­dorf unan­ge­foch­ten auf Platz 1. Hän­dels Oper mal zwei­spra­chig, deutsch-ita­lie­nisch und bis­wei­len auch ber­li­nernd, dazu vol­ler Coun­ter­te­nö­re und das gan­ze mit einer Last-Minu­te-Kar­te – was für ein gran­dio­ser Schnap­per!

Die inter­es­san­tes­te Aus­stel­lung? Alles, was ich in die­sem Jahr an Aus­stel­lun­gen sah, sah ich an einem Tag, näm­lich im Foto­mu­se­um Ant­wer­pen. Von den drei Aus­stel­lun­gen ist eine folg­lich für mich die inter­es­san­te Aus­stel­lung des Jah­res. „The Pre­ci­si­on of Silence“ ist eine Werk­schau der Bil­der von Jef­frey Sil­verthor­ne und zeigt, wie nah er an alles Mensch­li­che her­an tritt. Dass dabei Sex, Tod und das Altern in den Mit­tel­punkt rücken, ist wenig ver­wun­der­lich; die Art und Wei­se, wie er dem näher kam, hat mich sehr beein­druckt.

Der span­nends­te Thea­ter­be­such? … Sie sahen: nichts. Shame on me. Dafür habe ich für Janu­ar schon zwei Dates mit den Wup­per­ta­ler Büh­nen. Das ändert aber nichts an der beschei­de­nen Aus­beu­te des abge­lau­fe­nen Jah­res.

Der schöns­te Ort? Wachen­heim, Wachen­burg, allein wegen des Aus­blicks.

Das nötigs­te Gad­get? Um mal nicht immer die Bril­le zu erwäh­nen, will ich die­ses Mal mei­ne jüngs­te Power­bank loben, denn sie hat viel Saft, Solar­zel­len auf dem Dach, einen Kara­bi­ner, zwei USB-Anschlüs­se und eine wei­ße LED. Für län­ge­re Rad­tou­ren ist sie nicht die aller­schlech­tes­te Wahl. Wenn sie jetzt noch was­ser­fest wäre.

Die wich­tigs­te Erkennt­nis? Bes­ser ein Ende mit Schre­cken als Schre­cken ohne Ende.

Die unwich­tigs­te, aber wit­zi­ge Erkennt­nis? Was wenig bringt: die exter­ne Fest­plat­te ins Licht zu legen, wenn man den solar befüll­ba­ren Akku auf­la­den will.

Das bedeut­sams­te Spiel? Rum­mi­kub. Wenn etwas mei­ne Fami­lie zusam­men­bringt, dann das.

Die meis­te Zeit ver­bracht mit …? … mei­nem Bett.

Die schöns­te Zeit ver­bracht mit …? … mei­nem neu­en Fahr­rad.

Vor­herr­schen­des Gefühl 2015? Sprach­lo­sig­keit.

2015 zum ers­ten Mal getan? Jeman­den auf einer Burg besucht.

2015 nach lan­ger Zeit wie­der getan? In einem Chor gesun­gen.

Drei Din­ge, auf die ich gut hät­te ver­zich­ten kön­nen? Kein. Kom­men. Tar.

Die wich­tigs­te Sache, von der ich jeman­den über­zeu­gen woll­te? Dass jeg­li­ches Aus­rei­ßen aus dem Grund­li­ni­en­ras­ter into­le­ra­bel ist.

Das schöns­te Geschenk, das ich jeman­dem gemacht habe? Gemes­sen an den Reak­tio­nen: ein Ther­mo­be­cher mit einem Eis­bär.

Das schöns­te Geschenk, das mir jemand gemacht hat? Dass jemand wei­ter zu mir steht.

Der schöns­te Satz, den jemand zu mir gesagt hat? „Aber Hen­dryk, du bist doch mit­ten in einer depres­si­ven Epi­so­de.“

Der schöns­te Satz, den ich zu jeman­dem gesagt habe? „Epi­so­de? So ein Blöd­sinn! Das ist ne gan­ze Staf­fel!“

2015 war mit einem Wort? Tur­bu­lent.

Gute Vor­sät­ze für 2016? Weni­ger in den Bart grum­meln, mehr laut aus­spre­chen.

Foto: Oli­ver Kra­merCC-BY-NC-ND – flickr.com

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