Gedöns
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Mein musikalisches 2015

3874128759_67c21d082d_o - Steve Snodgrass - CC-BY - flickr

Schuld ist nur der Bossanova, auch wenn er in diesem Fall Oliver Kramer heißt, denn der hatte vor unzähligen Jahren mal darüber gebloggt, dass er seinen Liebsten ein Mixtape zu Weihnachten mit all seiner Fachkenntnis gebastelt und gestaltet hatte. Das fand ich einfach nur schön, wollte es aber nicht einfach nachmachen, selbst wenn in manchen Kultur Nachahmung die höchste Form der Verehrung sein mag.
Seit 2013 habe ich es mir aber dennoch zur Angewohnheit gemacht, über das Jahr ein paar Lieder zu sammeln, die auf gewisse Weise repräsentativ für Teile dieses Jahres sind. Länger als eine klassische CD sollte es aber nicht werden. Alles über 80 Minuten war also zu viel. Ergab sich im ersten Jahr noch ein wildes Potpourri aus allen musikalisch nur denkbaren Jahrhunderten, des allein deshalb sich in keine Dramaturgie einfügen wollte, entschied ich mich schon im Folgejahr schon für zwei separate Listen – eine mit aktuellem Zeugs und eine mit Alter Musik. Für 2015 habe ich diesen Plan noch mal ein kleines bisschen modifiziert. Anstatt strikt bei alter Musik (also gefühlt allem vor Mozart) zu bleiben, habe ich diese Playlist geöffnet für alles, was sich irgendwie unter „Klassik“ subsummieren lässt, wenn man all den Nischen, die es dort gibt, unrecht tun will. Meine so heiß geliebte Alte Musik ist also weiterhin im Rennen, aber Beethoven darf jetzt endlich auch dabei sein. Welche Folgen das für dieses Jahr haben sollte, konnte ich da aber noch nicht absehen.

Altes 2015

Auch wenn Spotify selbst sagt, dass ich gefühlt nicht mehr als nur drei Interpreten und fünf Stücke gehört habe, ist meine Erinnerung da anderer Meinung, auch wenn ich weiß, dass manche Stücke mich wirklich tagelang in Endlosschleife begleitet haben. Auf manche Stücke bin durch Rezensionen gestoßen, auf andere dank Wikipedia, bei noch anderen habe ich mich einfach bei Spotify von Cover zu Cover geklickt und auch persönliche Empfehlungen waren dabei. Was sie alle aber eint, ist ihre Bedeutung für mich: Sie sind mir allesamt wichtig.

Dabei sind dieses Jahr die großen Lichtgestalten des Barock ebenso wie mein über alles verehrter Ludwig van. Bei Bach zeigen Hörner ziemlich moderne Rhythmen, bei Händel sieht man die Kunst der Stimmführung, und was Vivaldi gemacht hat, war ohnehin seinerzeit ohnegleichen. Beethoven deutet mal eben ganz beiläufig auf die Zukunft und Lully und Rameau demonstrieren in ihren Gemeinsamkeiten und Unterschied die Musik von französischen Hof. Ob Caldara, Sances, Durante oder Steffani, man hört, dass Italien zeitweise prägend war für die Musik. Dass Purcell mit seiner Semi-Opera da völlig aus der Reihe tanzt, liegt wohl an der splendid isolation.
Manche Stücke seil Teil von Opern, andere stehen für sich, manche sind für ihre Zeit opulent besetzt, anderen reichen Laute und Gesang und wieder andere werden mit Mitteln des 21. Jahrhunderts interpretiert, selbst wenn ihnen eine uralte Basslinie zugrunde liegt. Manches gibt es nur mit Gesang – selbst wenn dabei die Männer hoch und die Frauen tief singen –, anderes ist für Solo-Cembalo (ein Instrument, welches ohnehin völlig unterschätzt wird) und urplötzlich tauchen Hanns Eisler, Philip Glass, Samuel Barber und Hector Berlioz auf. Mag sein, dass sie gänzlich anders klingen, aber stilistisch liegen sie in einer langen Tradition, zu der auch ein Herr Sweelinck beigetragen hat. Dass sie trotz ihrer Andersartigkeit hier also erklingen, ist völlig okay. Ich behaupte: Bis auf wenige Ausnahmen könnte man sie auch mit den Instrumenten der Zeit Vivaldis interpretieren – aber wozu? Der schönsten Sonnenaufgang der Musikgeschichte stammt trotzdem nicht von Herrn Grieg.

Songs of 2015

Die Songs of 2015 sind gänzlich anderer Natur. Zunächst mal sind sie was die Spieldauer betrifft, wesentlich homogener. Wat willze auch machen, wenn du ins Radio willst und nicht in den Tagesrandzonen versinken willst? Dabei dabei hat mich die musikalische Bandbreite doch ein wenig überrascht. Interpreten wie Darcy oder Eveline Hall gehen auf das Konto von Ina Müller, Kaliopi ist eine unmittelbare Folge des Eurovision Song Contests 2014 und wo Balbina herkommt, kann ich mir auch nicht erklären. Herman van Veen jedenfalls ist familiäres Kulturgut und Oh Land verdankt meine Aufmerksamkeit der dänischen Serie „Rita“. Joris hörte ich zum ersten Mal kurz bevor er im Radio hochgejubelt wurde, Frank London und Di Grine Kuzine waren ähnliche Zufallsfunde, erschienen aber ziemlich zeitgleich in meinem Blickfeld (kein Wunder, da sie doch eine gewisse Verwandtschaft nicht verleugnen können). Amatorski kommt zwar gefühlt aus einer ganz anderen Zeit, kann aber auch nichts dagegen ausrichten, dass mit Jonas Alaska und Ezra Vine stimmig und textlich sehr nahe gehen. Wenn mir jetzt noch jemand kollektiv22 erklären könnte!

Foto: Steve Snodgrass – CC-BY – flickr.com

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