Gedöns
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Mein musikalisches 2015

Schuld ist nur der Boss­a­no­va, auch wenn er in die­sem Fall Oli­ver Kra­mer heißt, denn der hat­te vor unzäh­li­gen Jah­ren mal dar­über geb­loggt, dass er sei­nen Liebs­ten ein Mix­tape zu Weih­nach­ten mit all sei­ner Fach­kennt­nis gebas­telt und gestal­tet hat­te. Das fand ich ein­fach nur schön, woll­te es aber nicht ein­fach nach­ma­chen, selbst wenn in man­chen Kul­tur Nach­ah­mung die höchs­te Form der Ver­eh­rung sein mag.
Seit 2013 habe ich es mir aber den­noch zur Ange­wohn­heit gemacht, über das Jahr ein paar Lie­der zu sam­meln, die auf gewis­se Wei­se reprä­sen­ta­tiv für Tei­le die­ses Jah­res sind. Län­ger als eine klas­si­sche CD soll­te es aber nicht wer­den. Alles über 80 Minu­ten war also zu viel. Ergab sich im ers­ten Jahr noch ein wil­des Pot­pour­ri aus allen musi­ka­lisch nur denk­ba­ren Jahr­hun­der­ten, des allein des­halb sich in kei­ne Dra­ma­tur­gie ein­fü­gen woll­te, ent­schied ich mich schon im Fol­ge­jahr schon für zwei sepa­ra­te Lis­ten – eine mit aktu­el­lem Zeugs und eine mit Alter Musik. Für 2015 habe ich die­sen Plan noch mal ein klei­nes biss­chen modi­fi­ziert. Anstatt strikt bei alter Musik (also gefühlt allem vor Mozart) zu blei­ben, habe ich die­se Play­list geöff­net für alles, was sich irgend­wie unter „Klas­sik“ sub­sum­mie­ren lässt, wenn man all den Nischen, die es dort gibt, unrecht tun will. Mei­ne so heiß gelieb­te Alte Musik ist also wei­ter­hin im Ren­nen, aber Beet­ho­ven darf jetzt end­lich auch dabei sein. Wel­che Fol­gen das für die­ses Jahr haben soll­te, konn­te ich da aber noch nicht abse­hen.

Altes 2015

Auch wenn Spo­ti­fy selbst sagt, dass ich gefühlt nicht mehr als nur drei Inter­pre­ten und fünf Stü­cke gehört habe, ist mei­ne Erin­ne­rung da ande­rer Mei­nung, auch wenn ich weiß, dass man­che Stü­cke mich wirk­lich tage­lang in End­los­schlei­fe beglei­tet haben. Auf man­che Stü­cke bin durch Rezen­sio­nen gesto­ßen, auf ande­re dank Wiki­pe­dia, bei noch ande­ren habe ich mich ein­fach bei Spo­ti­fy von Cover zu Cover geklickt und auch per­sön­li­che Emp­feh­lun­gen waren dabei. Was sie alle aber eint, ist ihre Bedeu­tung für mich: Sie sind mir alle­samt wich­tig.

Dabei sind die­ses Jahr die gro­ßen Licht­ge­stal­ten des Barock eben­so wie mein über alles ver­ehr­ter Lud­wig van. Bei Bach zei­gen Hör­ner ziem­lich moder­ne Rhyth­men, bei Hän­del sieht man die Kunst der Stimm­füh­rung, und was Vival­di gemacht hat, war ohne­hin sei­ner­zeit ohne­glei­chen. Beet­ho­ven deu­tet mal eben ganz bei­läu­fig auf die Zukunft und Lul­ly und Rame­au demons­trie­ren in ihren Gemein­sam­kei­ten und Unter­schied die Musik von fran­zö­si­schen Hof. Ob Cal­da­ra, San­ces, Duran­te oder Stef­fa­ni, man hört, dass Ita­li­en zeit­wei­se prä­gend war für die Musik. Dass Pur­cell mit sei­ner Semi-Ope­ra da völ­lig aus der Rei­he tanzt, liegt wohl an der splendid iso­la­ti­on.
Man­che Stü­cke seil Teil von Opern, ande­re ste­hen für sich, man­che sind für ihre Zeit opu­lent besetzt, ande­ren rei­chen Lau­te und Gesang und wie­der ande­re wer­den mit Mit­teln des 21. Jahr­hun­derts inter­pre­tiert, selbst wenn ihnen eine uralte Bass­li­nie zugrun­de liegt. Man­ches gibt es nur mit Gesang – selbst wenn dabei die Män­ner hoch und die Frau­en tief sin­gen –, ande­res ist für Solo-Cem­ba­lo (ein Instru­ment, wel­ches ohne­hin völ­lig unter­schätzt wird) und urplötz­lich tau­chen Hanns Eis­ler, Phi­lip Glass, Samu­el Bar­ber und Hec­tor Ber­li­oz auf. Mag sein, dass sie gänz­lich anders klin­gen, aber sti­lis­tisch lie­gen sie in einer lan­gen Tra­di­ti­on, zu der auch ein Herr Sweelinck bei­ge­tra­gen hat. Dass sie trotz ihrer Anders­ar­tig­keit hier also erklin­gen, ist völ­lig okay. Ich behaup­te: Bis auf weni­ge Aus­nah­men könn­te man sie auch mit den Instru­men­ten der Zeit Vival­dis inter­pre­tie­ren – aber wozu? Der schöns­ten Son­nen­auf­gang der Musik­ge­schich­te stammt trotz­dem nicht von Herrn Grieg.

Songs of 2015

Die Songs of 2015 sind gänz­lich ande­rer Natur. Zunächst mal sind sie was die Spiel­dau­er betrifft, wesent­lich homo­ge­ner. Wat will­ze auch machen, wenn du ins Radio willst und nicht in den Tages­rand­zo­nen ver­sin­ken willst? Dabei dabei hat mich die musi­ka­li­sche Band­brei­te doch ein wenig über­rascht. Inter­pre­ten wie Dar­cy oder Eve­li­ne Hall gehen auf das Kon­to von Ina Mül­ler, Kalio­pi ist eine unmit­tel­ba­re Fol­ge des Euro­vi­si­on Song Con­tests 2014 und wo Bal­bi­na her­kommt, kann ich mir auch nicht erklä­ren. Her­man van Veen jeden­falls ist fami­liä­res Kul­tur­gut und Oh Land ver­dankt mei­ne Auf­merk­sam­keit der däni­schen Serie „Rita“. Jor­is hör­te ich zum ers­ten Mal kurz bevor er im Radio hoch­ge­ju­belt wur­de, Frank Lon­don und Di Gri­ne Kuzi­ne waren ähn­li­che Zufalls­fun­de, erschie­nen aber ziem­lich zeit­gleich in mei­nem Blick­feld (kein Wun­der, da sie doch eine gewis­se Ver­wandt­schaft nicht ver­leug­nen kön­nen). Ama­tor­ski kommt zwar gefühlt aus einer ganz ande­ren Zeit, kann aber auch nichts dage­gen aus­rich­ten, dass mit Jonas Alas­ka und Ezra Vine stim­mig und text­lich sehr nahe gehen. Wenn mir jetzt noch jemand kollektiv22 erklä­ren könn­te!

Foto: Ste­ve Snod­grassCC-BY – flickr.com

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