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Craftbier-Expedition durch Weinland-Pfalz – Der Jackpot haust in einem Dorf

Der Juni 2015 war ein durch­wach­se­ner Monat, aber ein paar Tage Son­ne hat­te er doch zu bie­ten. Welch Glück, dass ich genau die Tage erwisch­te für einen Kurz­ur­laub in der Pfalz. So spon­tan ich die­se Rei­se geplant hat­te, so chao­tisch wur­de sie auch, zumin­dest auf den ers­ten Blick. Woll­te ich ursprüng­lich durch die Wein­ber­ge radeln und damit einen Teil der Pfalz erkun­den, in dem ich noch nicht so oft war, war mein nächs­ter Plan, eine Mit­tel­rhein-Höhen­tour zu machen und mal von oben auf den Rhein zu schau­en. Letzt­lich ent­schied ich mich kurz vor der Abfahrt noch ein­mal um und ten­dier­te zur einer „Craft­bier-Expe­di­ti­on durch Wein­land-Pfalz“. Das alles soll­te – natür­lich – auf zwei Rädern statt­fin­den und die Näch­te woll­te ich im Zelt ver­brin­gen; es soll­te also ein typi­scher Hen­dryk-Urlaub wer­den – und das wur­de er auch, wenn auch anders als geplant.

Am vier­ten Tag soll­te die Jagd auf Bier end­lich Ergeb­nis­se zei­gen, aber auch der Wein kam nicht zu kurz. Erst war ich in Bal­ko­ni­en, danach in einer Gerüm­pel­stu­be, aber am Ende kam ich doch in einem Zelt zu lie­gen.

Die Tour

Der Diens­tag begann (wenn man vom son­nen­auf­gangs­be­ding­ten kurz­fris­ti­gen Auf­wa­chen um fünf Uhr mal absieht) mit einem wie üblich aus­la­den­den Jugend­her­bergs­früh­stücks­büf­fet und dem obli­ga­to­ri­schen Gespräch mit den ande­ren Ein­zel­rei­sen­den, als da waren ein tram­pen­der und wan­dern­der Reck­ling­häu­ser auf dem Weg nach Hei­del­berg und eine Frau, die vom Ober­rhein kom­mend stei­gungs­arm in Rich­tung Bad Godes­berg radeln woll­te. Und da soll einem die Welt nicht wie ein Dorf vor­kom­men!
Wha­te­ver. Gebun­den an die Aus­check­zei­ten brach ich gegen zehn Uhr bei schöns­tem Son­nen­schein und ange­neh­men Tem­pe­ra­tu­ren auf und hielt mich zunächst mal an den Rhein. Auf dem Weg nach Süden ist das nie ver­kehrt. Erst in Lud­wigs­ha­fen trenn­te ich mich von Väter­chen Rhein und schlän­gel­te mich an Edig­heim und Oppau am Stadt­zen­trum vor­bei nach Oggers­heim (die Kohl-Bio­gra­fen wer­den nun wis­send nicken), von wo es theo­re­tisch für die nächs­ten knapp zehn Kilo­me­ter nur noch gera­de­aus hät­te gehen sol­len. Fak­tisch muss­te ich mich vor Oggers­heim erst ein­mal um die Brem­sen mei­nes Rades küm­mern. Zehn Minu­ten Zwangs­pau­se – was tut man nicht alles für ein biss­chen Ver­kehrs­si­cher­heit? Erst danach ging es gera­de­wegs durch Oggers­heim.
Schon im nächs­ten Ort war aber erneut Pau­se. Max­dorf – ein klei­ner, male­ri­scher Ort, idyl­lisch gele­gen und von der viel befah­re­nen Mann­hei­mer Stra­ße zer­schnit­ten – war­te­te auf mich, genau­er gesagt: der dor­ti­ge Geträn­ke­markt, der mei­ne Back­up-Lösung für die Bier­ver­sor­gung gewe­sen war und auch wer­den soll­te. Bis auf eine Fla­sche bekam ich dort alles, was ich bekom­men woll­te, und sogar noch ein biss­chen mehr. Letzt­lich fuhr ich mit gut und ger­ne acht Kilo mehr Gepäck fort­an wei­ter, doch zunächst ging es nur zurück an die Mann­hei­mer Stra­ße, wo ich beim Bäcker Görtz mei­ne Mit­tags­pau­se ein­leg­te.
War es bis dahin son­nig gewe­sen, fing es nun mal wie­der an zu schau­ern – aber da ich damit gerech­net hat­te, war das kein Pro­blem. Ich sprang in die Regen­plün­nen und wei­ter ging es, wobei ich nicht weit kam, denn kurz hin­ter Bir­ken­hei­de hat­te sich das Schau­er­chen zu einem Platz­re­gen mit Was­ser aus allen Rich­tun­gen aus­ge­wei­tet, wes­we­gen ich mich kurz­zei­tig in einen Busch ver­schlug. Danach aber wur­de es wie­der son­nig; ich fuhr ein­mal quer durch Bad Dürk­heim und im Anschluss dar­an direkt durch Wachen­heim. Der dor­ti­ge Cam­ping­platz lag ein wenig außer­halb im Burg­tal, aber trotz­dem war ich zu früh da. Wer rech­net auch damit, dass auf dem Land noch die gute Tra­di­ti­on der Mit­tags­pau­se gepflegt wird, zumal in einem Arbeits­feld, das nicht Auf­merk­sam­keit rund um die Uhr erfor­dert? Ich. Inso­fern hat­te ich ein paar ruhi­ge Minu­ten, in denen ich den Kie­fern ein­fach mal beim Her­um­ste­hen zuschau­en konn­te, ehe einen Schlüs­sel für die Sani­tär­an­la­gen und ein Fleck­chen Erde zum Zel­ten zuge­wie­sen bekam, gleich­wohl die­se eine Par­zel­le gut und ger­ne noch ein Dut­zend wei­te­rer Zel­te pro­blem­los ver­kraf­tet hät­te.

Bäume, nix als Bäume

Bäu­me, nix als Bäu­me

Nach dem übli­chen Ankunfts­ri­tu­al beschloss ich ob der Frü­he der Stun­de die nähe­re Umge­bung ein wenig zu erkun­den. Bis­lang war mir die­ser Teil der Pfalz noch ziem­lich fremd und auf dem Hin­weg zum Cam­ping­platz hat­te ich einen Weg­wei­ser zur Wach­ten­burg gese­hen, wes­halb sie mein ers­tes Ziel war. Dass die Wach­ten­burg (von der bis auf einen Turm nur noch Rui­nen ste­hen) als „Bal­kon der Pfalz“ gilt, war mir, bis ich auf ihrem Turm stand, nicht bekannt, aber wer erst ein­mal die Stu­fen auf die Aus­sichts­platt­form hin­auf gestie­gen ist, wird sich fra­gen, war­um Urlaub in Bal­ko­ni­en so unbe­liebt ist, denn die Aus­sicht über Wachen­heim war atem­be­rau­bend.

Die Aussicht vom Balkon der Pfalz: Wachenheim

Die Aus­sicht vom Bal­kon der Pfalz: Wachen­heim

Von der Wach­ten­burg aus gibt es nur eine Rich­tung: abwärts. Da ich noch nicht zurück auf den Cam­ping­platz woll­te, lief ich berg­ab nach Wachen­heim, wo ich zu Abend spei­sen woll­te. Dem guten Inter­net­emp­fang auf der Wach­ten­burg sei Dank, dass ich sogar ein paar Restau­rants zur Aus­wahl hat­te, die nicht auf den ers­ten Blick zu sehen waren, und letzt­lich war einer die­ser Tipps sogar Gold wert, denn er ver­schlug mich in die Gerüm­pel­stu­be. Von außen sah sie wie ein uri­ges Wein­lo­kal aus, von innen auch. Es wirk­te ein wenig alt­mo­disch und ver­staubt, aber auf den zwei­ten Blick war es vor allem stil­voll – und was sich für Gerüm­pel hielt, war genau genom­men ziem­lich bewusst ange­ord­net. So gese­hen war das Per­so­nal auch nur auf den ers­ten Blick ein Kon­trast­pro­gramm; jung, freund­lich, humor­voll und im bes­ten Sin­ne auf Zack lasen sie mir und auch den ande­ren Gäs­ten gefühlt jeden Wunsch von den Lip­pen ab, noch bevor wir wuss­ten, dass wir die­sen Wunsch wür­den haben wer­den. Die Gerich­te waren regio­nal und sai­so­nal aus­ge­rich­tet, die Wein­kar­te umfang­reich; sel­ten, wenn nicht sogar noch nie, haben ich so gut für so klei­nes Geld gespeist. Da war mir die hal­be Stun­de Fuß­weg zurück zum Zelt schlicht­weg egal.
Nur ein Man­ko muss­te ich Wachen­heim zuwei­sen: Es gab kei­ne schö­nen Post­kar­ten. Aber dafür konn­te die Gerüm­pel­stu­be nun mal so gar nichts.

Die Route

Korrektur

Die Burg bei Wachen­heim heißt natür­lich Wach­ten­burg. Ich habe das im Text kor­ri­giert. Dan­ke für den Hin­weis, Mar­cus.

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2 Kommentare

  1. Marcus sagt

    Tol­ler Rei­se­be­richt, nur eine klei­ne Anmer­kung: Die Burg in Wachen­heim heißt Wach­ten­burg, nicht Wachen­burg - die­se ist bei Wein­heim :-)

    • Hej Mar­cus, dan­ke für das Kom­pli­ment und die Kor­rek­tur. Machst du bis­wei­len auch Tou­ren wie die­se?

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