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Craftbier-Expedition durch Weinland-Pfalz – Über tausend Berge an den Rhein

Der Juni 2015 war ein durch­wach­se­ner Monat, aber ein paar Tage Son­ne hat­te er doch zu bie­ten. Welch Glück, dass ich genau die Tage erwisch­te für einen Kurz­ur­laub in der Pfalz. So spon­tan ich die­se Rei­se geplant hat­te, so chao­tisch wur­de sie auch, zumin­dest auf den ers­ten Blick. Woll­te ich ursprüng­lich durch die Wein­ber­ge radeln und damit einen Teil der Pfalz erkun­den, in dem ich noch nicht so oft war, war mein nächs­ter Plan, eine Mit­tel­rhein-Höhen­tour zu machen und mal von oben auf den Rhein zu schau­en. Letzt­lich ent­schied ich mich kurz vor der Abfahrt noch ein­mal um und ten­dier­te zur einer „Craft­bier-Expe­di­ti­on durch Wein­land-Pfalz“. Das alles soll­te – natür­lich – auf zwei Rädern statt­fin­den und die Näch­te woll­te ich im Zelt ver­brin­gen; es soll­te also ein typi­scher Hen­dryk-Urlaub wer­den – und das wur­de er auch, wenn auch anders als geplant.

Der zwei­te Tag soll­te mich vom Laa­cher See bis nach Rüdes­heim brin­gen. Ich hät­te zwar auf vie­len Wegen zum Ziel kom­men kön­nen, aber ich wer­de den Ein­druck nicht los, dass ich mich prompt für den schwie­rigs­ten von allen ent­schied. Ganz neben­bei mach­te ich noch einen klei­nen Abste­cher zur Bur­gen­blog­ge­rin auf Burg Soon­eck, doch schließ­lich kam ich doch dort an, wo ich ankom­men woll­te.

Die Tour

Nix los am Laacher See

Nix los am Laa­cher See

Der zwei­te Tag fing früh an und vor allem mit der Gewiss­heit, dass ich nicht vor Ort früh­stü­cken wür­de. Wie bei jeder Tour woll­te sich das Zelt auch die­ses Mal am ers­ten Mor­gen danach nicht ohne Wider­spruch klein machen las­sen, aber das kann­te ich ja schon und war somit kei­ne Über­ra­schung. Mit gepack­ten Sachen ging es zunächst mal am See ent­lang zur Abtei Maria Laach; die woll­te ich schon immer mal aus der Nähe gese­hen haben. Der dor­ti­ge Hof­la­den hat­te noch geschlos­sen. Das Früh­stück war also ver­tagt auf den nächs­ten geplan­ten Halt: Men­dig, Sitz der Vul­kan Braue­rei. Was ich aber nicht bedacht hat­te, war der Umstand, dass der dor­ti­ge Laden erst um 12 Uhr öff­net und die Braue­rei rela­tiv weit oben im Ort liegt, jeg­li­che Arten von Bäcke­rei aber deut­lich wei­ter unten.

Das Kloster Maria Laach

Das Klos­ter Maria Laach

Auch wenn ich beim zwei­ten Bäcker ein mehr als nur reich­hal­ti­ges Früh­stück fand, woll­te ich kei­ne zwei Stun­den war­ten, um dann den gan­zen Weg wie­der hin­auf zu fah­ren, bloß um nach zehn Minu­ten Shop­ping wie­der hin­ab zu rol­len – zumal mein heu­ti­ges Ziel Rüdes­heim sein soll­te, was nicht ganz um die Ecke lag.
Bis zur Mosel war es ja noch ganz nett, an der Mosel selbst auch. Mal ging es ein wenig hoch, dann wie­der run­ter. Inzwi­schen war auch die Son­ne zwi­schen den Wol­ken her­aus gekom­men. Das Mosel­tal zeig­te sich zwi­schen Dieb­lich und Bro­den­bach von sei­ner schöns­ten Sei­te.

Ein kleiner Ort an der Mosel, es könnte theoretisch jeder sein (außer vielleicht Traben-Trarbach).

Ein klei­ner Ort an der Mosel, es könn­te theo­re­tisch jeder sein (außer viel­leicht Tra­ben-Trar­bach).

Ja, ich fuhr mosel­auf­wärts. Ich woll­te nicht den Umweg über Koblenz neh­men, bloß um den gan­zen Tag an Flüs­sen ent­lang zu radeln, gera­de weil ich wuss­te, wie schön Rhein und Mosel sind. Ich woll­te etwas Neu­es ent­de­cken und kämpf­te mich des­halb auf den Huns­rück, was eine sel­ten däm­li­che Idee war, denn es war steil und die Stei­gung hör­te nicht auf. Gut, natür­lich hör­te sie irgend­wann auf, aber das Gefühl war ein ande­res. Die Aus­sicht über die Huns­rück­hö­hen aber, die war beein­dru­ckend.

Auch das ist der Hunsrück: weite Felder.

Auch das ist der Huns­rück: wei­te Fel­der.

In Emmels­hau­sen brauch­te ich dann mal eine Pau­se. Ich brauch­te drin­gend etwas zu trin­ken, und über die Koh­len­hy­dra­te, die mir die dor­ti­ge Eis­die­le lie­fer­te, war ich sehr dank­bar. Dass ich dort sit­zend einen Regen­schau­er vor­über­zie­hen las­sen konn­te, nahm ich dank­bar an, bevor ich mich dem Schin­der­han­nes-Rad­weg zuwand­te, der mir die nächs­ten Kilo­me­ter ein wenig ange­neh­mer mach­te und mich auf eine älte­re seh­be­hin­der­te Frau mit Hund tref­fen ließ. Ihr Sohn hat­te sie auf den Huns­rück gelockt, sie hat­te ihr Haus in Bad Dürk­heim ver­kauft, und kaum war sie da, zog er der Lie­be wegen fort. Nun hing sie „hier unten“, wie sie es sämt­lich geo­gra­fi­schen Indi­zi­en igno­rie­rend nann­te, fest, in die­sem rie­si­gen Haus mit nichts als ihm alten, kran­ken Hund, und woll­te am liebs­ten wie­der „nuff“ an die Wein­stra­ße. Irgend­wann fand ihr Hund mein Rad dann nicht mehr so span­nend und ich fuhr wei­ter.
Bei Pfalz­feld ver­ließ ich den Schin­der­han­nes-Rad­weg und über­quer­te die Auto­bahn, um kurz dahin­ter auf einem nicht schlecht geschot­ter­ten Weg den höchs­ten Punkt der gesam­ten Tour zu pas­sie­ren. Ziem­lich rasant ging es von dort quer durch den Wald nach Dam­scheid, wo der Asphalt wie­der begann und mir auf der sehr kur­zen und stei­len Pas­sa­gen run­ter ins das male­risch son­ni­ge Ober­we­sel noch höhe­re Geschwin­dig­kei­ten ermög­lich­te. Mit ein wenig mehr Ver­trau­en in mein voll­be­la­de­nes Rad wäre da deut­lich mehr Tem­po mög­lich gewe­sen, aber ich woll­te an einem Stück ankom­men und jen­seits der 50 km/h fühl­te sich mein Rad doch ein wenig mat­schig an.
Von Ober­we­sel aus blieb der Rhein mein treu­er Beglei­ter und ver­ließ mich auch nicht, als ich auf­grund der Stei­gung und schon zu vie­ler Stre­cken­ki­lo- und Höhen­me­ter nur noch schie­bend die Burg Soon­eck erklomm, wo ich qua­si pünkt­lich zum Fei­er­abend des offi­zi­el­len Tou­ris­mus­be­triebs ein­traf und der Bur­gen­blog­ge­rin einen klei­nen Über­ra­schungs­be­such abstat­te­te. Ehe wir uns ver­sa­hen, hat­ten wir uns mit dem Herrn, der ihr eine Anlei­tung für ihre damals neu­en Mit­be­woh­ner gab, ver­quatscht. Von Tal­be­woh­ner zu Tal­be­woh­ne­rin über­gab ich ihr ein ech­tes Solin­ger Brot­mes­ser und dis­ku­tier­te mit ihr über die Men­ta­li­tät von Tal­be­woh­nern, ehe ich mich nach ein paar Fotos mit Burg­blick wie­der auf den Sat­tel schwang und nach Bin­gen heiz­te, weil ich kei­ne Ahnung (und kein Netz) hat­te, bis wann ich auf dem Zelt­platz will­kom­men gehei­ßen wür­de.

So schön es auch aussah, aus diesen Wolken kam ein heftiges Unwetter.

So schön es auch aus­sah, aus die­sen Wol­ken kam ein hef­ti­ges Unwet­ter.

In Bin­gen nahm ich die erst­bes­te Fäh­re über den Rhein und roll­te dann noch bis zum Cam­ping­platz, der lus­ti­ger­wei­se exakt dem Platz auf der ande­ren Rhein­sei­te gegen­über lag, auf dem ich im Vor­jahr zu Gast war. Dort folg­te das prin­zi­pi­ell alt­be­währ­te Spiel: Zelt­auf­bau, Dusche, Abend­essen, wobei ich führ das Abend­essen doch ein wenig lau­fen muss­te und so Rüdes­heim erkun­den konn­te. Dass da an einem Sonn­tag­abend nichts los ist, konn­te ja auch kei­ner ahnen. In der Dros­sel­gas­se war ich aber nicht.

Die Route

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