Gedöns
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Bierprobe #1: Flensburger Winterbock

Im Jahr 2014 trank jede_r Deut­sche durch­schnitt­lich 107 Liter Bier. Nur Erfri­schungs­ge­trän­ke (125,5 Liter), Was­ser (145 Liter) und Boh­nen­kaf­fee (165 Liter) wur­den in noch grö­ße­ren Men­gen ver­nich­tet. Zum Ver­gleich: Milch kam auf gera­de ein­mal 84 Liter und Wein auf gera­de ein­mal knapp 25 Liter.
Wäh­rend aber zu jedem Gericht ein pas­sen­der Wein emp­foh­len wird, heißt es bei Bier viel zu oft nur „Haupt­sa­che, es haut rein“ und bis auf weni­ge Aus­nah­men gibt es ent­we­der Pils oder Wei­zen und das völ­lig unab­hän­gig von dem dazu ser­vier­ten Gericht. Dabei gibt es so viel mehr! War­um also soll­te man die­se Viel­falt links lie­gen las­sen und nicht auch Bier einer Ver­kos­tung unter­zie­hen? Eben!

Für den Beginn mei­ner Bier­pro­be woll­te ich mit etwas Ein­fa­chem anfan­gen. Es soll­te süf­fig sein und recht kräf­tig, mehr woll­te ich nicht. Auch aus Grün­den der Sen­ti­men­ta­li­tät ent­schied ich mich für den Flens­bur­ger Win­ter­bock. Dass ich aus Grün­den der Hei­mat­ver­bun­den­heit dazu noch einen Win­ter­bock vom Wup­per­ta­ler Brau­haus kauf­te, ist eine ande­re Geschich­te.

Die Flasche

Der Flens­bur­ger Win­ter­bock kommt in der für Flens so typi­schen brau­nen 0,33-Liter-Bügelflasche. Die Vignet­te ist oval und unter­schei­det sich von den ande­ren Sor­ten nur durch ihren Farb­ver­lauf von Blau nach Rot. Im Gro­ßen und Gan­zen fin­de ich sie aber ziem­lich fad. Abge­se­hen von den Zuta­ten steht nicht mehr als Bier­brau-Bull­shit-Bin­go auf der Rück­sei­te. Scha­de!
Mehr Anga­ben über die Her­stel­lung und auch ein paar Spei­se­emp­feh­lun­gen gibt es ein wenig ver­steckt auf der Web­site der Flens­bur­ger Braue­rei.

Die Optik

Wer denkt, dass Bock­bier dun­kel sein muss, wird beim Flens­bur­ger Win­ter­bock eine klei­ne Über­ra­schung erle­ben, denn er ist gold­gelb bis bern­stein­far­ben und klar. Die Kro­ne ist weiß­beige und mit­tel­po­rig, fällt aber schnell in sich zusam­men. Das Bier selbst sieht aus als hät­te es eher wenig Koh­len­säu­re.

Der Geruch

Ein ers­tes Rie­chen offen­bart wenig, denn der Win­ter­bock ist sehr dezent. Gut, hier und da klingt ein Hauch von zitrus­ar­ti­gen Noten durch, aber wenn etwas bleibt, dann ist es eine mehr süß­li­che als kara­mel­li­ge Note; mit guten Wil­len kann man da noch früh­rei­fe Bana­ne erah­nen, aber mehr auch nicht.

Der Geschmack

Man könn­te sagen, dass der Geschmack unge­fähr dem ent­spricht, was der Geruch erwar­ten lässt: ein süf­fi­ges, mini­mal mal­zi­ges, für einen Win­ter­bock aus­ge­spro­chen mil­des und cre­mi­ges Bier mit einem vol­len, aber leich­ten Kör­per. Das klingt jetzt erst ein­mal wider­sprüch­lich, aber ihm fehlt ein­fach die Schwe­re, die zum Bei­spiel oft mit einem dunk­len Wei­zen ein­her geht. Im Abgang trau­en sich ein paar etwas her­be­re Aro­men dazu, aber letzt­lich über­wie­gen die nicht.

Mein Fazit

Dass ich den Win­ter­bock aus Grün­den der Sen­ti­men­ta­li­tät kauf­te, war völ­lig ange­mes­sen, denn genau so ist der Win­ter­bock auch: Er erin­nert an etwas, ist mal ganz ange­nehm, aber eigent­lich – trotz eines Alko­hol­ge­halt von 7 Pro­zent – völ­lig harm­los und geht vor­bei. Für einen Win­ter­bock ist er mal etwas ande­res, aber schlimm ist das nicht.
Ich kann mir gut vor­stel­len, ihn zu einem an sich eher def­ti­gen, aber nicht zu lau­ten Gericht der Deut­schen Küche zu trin­ken. Zu Rhei­ni­schem Sauer­bra­ten mit Klö­ßen und Rot­kohl scheint er mir eine ange­mes­se­ne Beglei­tung, wohin­ge­gen ich in einem Gulasch fast schon einen über­mäch­ti­gen Geg­ner für den Flens Win­ter­bock sehe. Ein schön mit Käse über­ba­cke­ner Tor­tel­lo­ni-Rosen­kohl-Auf­lauf hin­ge­gen wäre sicher­lich auch nicht unpas­send.

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