Gedöns
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Bier auf Wein? Scheiß drauf!

Wenn man es genau nimmt, habe ich sehr lan­ge kein Bier getrun­ken. Eigent­lich habe ich gar kei­nen Alko­hol kon­su­miert. Aber als ich schon mal damit anfing, dann rich­tig: Kurz vor mei­nem acht­zehn­ten Geburts­tag war ich auf einem ande­ren acht­zehn­ten Geburts­tag ein­ge­la­den und hab mir direk­te­mang gepflegt die Kan­te gege­ben. Okay, so wild war es dann doch nicht – aber ich kann mich nicht mehr dar­an erin­nern, den Papst imi­tiert und als sol­cher getanzt zu haben! (Das ist viel­leicht auch bes­ser so.) Zu mei­nem Acht­zehn­ten bekam ich dann Absinth geschenkt, den guten schwar­zen, acht­zig­pro­zen­ti­gen. Eine gute Ent­schei­dung, wie ich fin­de.
Dass ich so lan­ge ohne Alko­hol gelebt habe, hat mit einer Legen­de zu tun, die wie fast jede Legen­de nicht ein­mal im Kern ein Fünk­chen Wahr­heit beinhal­tet. In frü­he­ren Jah­ren haben wir oft Urlaub in Hol­land gemacht (okay, nicht Hol­land, Lim­burg und Flevo­land, um genau zu sein) und Malz­bier moch­te ich schon immer gern. Die Legen­de jeden­falls besagt, dass mein Vater man­gels Nie­der­län­disch-Kennt­nis­sen der­einst ein hel­les Bier mit­brach­te und es mir (nach eige­nem Vor­kos­ten und Wun­dern) zum Pro­bie­ren gab. Natür­lich schmeck­te es mir nicht, denn es war Pils – und ich viel­leicht sie­ben Jah­re alt. Mit der Legen­de im Hin­ter­kopf hat­te ich daher für vie­le Jah­re kein Inter­es­se an Bier. Mit Wein hin­ge­gen war das anders.

Man soll­te viel­leicht dazu­sa­gen, dass mein Vater seit vie­len Jahr­zehn­ten einen bestimm­ten Win­zer gut kennt. Mein Vater kommt näm­lich vom Land, aus der Pfalz, um genau zu sein. Gut, er kommt nicht unbe­dingt aus einer Wein­bau­re­gi­on, son­dern mehr aus der Ecke, in der Milch­vieh und Getrei­de den Haupt­er­werb dar­stell­ten, wovon man schon als er auf die Welt kam, nur mehr schlecht als recht leben konn­te. Das Dorf, aus dem er kommt, hat dank reich­li­chem Zuzug mitt­ler­wei­le gut 900 Ein­woh­ner, aber der Nabel der Welt ist es trotz­dem nicht. Wie genau es dazu kam, weiß ich nicht, aber irgend­wie lern­te er vor vie­len Jah­ren einen Win­zer ken­nen und hielt sei­nen Pro­duk­ten bis heu­te die Treue. Auch als es ihn schließ­lich der Lie­be wegen in den Ruhr­pott ver­schlug, änder­te es letzt­lich nichts dar­an, dass der Wein im Hau­se Schä­fer vom Wein­gut Zieg­ler aus Flörs­heim-Dals­heim kam. Im Gegen­teil: Wo er hier schon mal Anschluss fand, ver­schaff­te er sei­nem Win­zer direkt neue Kun­den, indem er in Her­ne ein­mal im Jahr eine Wein­pro­be in den Räu­men mei­nes alten Kin­der­gar­tens orga­ni­sier­te – und damit wir, mei­ne Schwes­ter und ich, auch beschäf­tigt waren, durf­ten wir beim Deko­rie­ren der Tische hel­fen. Spä­ter schnit­ten wir dann auch Brot und Käse, aber bevor es mit der Wein­pro­be los­ging, muss­ten wir zurück nach Hau­se. Es gab auch mal eine denk­wür­di­ge Epi­so­de, in der mei­ne Eltern und ihre Freun­de mit uns und deren Kin­dern eine Wein­pro­be auf dem Wein­gut mach­ten. Nur so viel: Ab einem gewis­sen Pegel brau­chen Erwach­se­ne kei­ne Ach­ter­bahn mehr, wenn sie auf Las­ten­kar­ren im Kreis gedreht wer­den.

Ich hat­te also nie ein Pro­blem mit Wein. Auch nicht ohne. Wir Kin­der beka­men Trau­ben­saft, dann Wein­schor­le und schließ­lich durf­ten wir auch Wein pro­bie­ren. Dass unser Win­zer auch Wein­ge­lee im Ange­bot hat, wer könn­te es ihm ver­übeln? Ist ja auch lecker, das Zeug. Bier hin­ge­gen blieb ein Fall für sich, aber vor allem kein Fall für mich … bis zu jenem ver­häng­nis­vol­len Geburts­tag, an den ich mich nicht mehr voll­stän­dig erin­ne­re.
Danach hin­ge­gen mach­te ich mei­ne Ruf als Chor- und Orches­ter­mu­si­ker alle Ehre. Von da an war es auch nicht mehr weit in die Welt der Bie­re, zumal der Ruhr­pott ja auch nicht wenig Aus­wahl hat, sofern das Ergeb­nis nur ein Pils sein soll. Ob jetzt Köpi, Vel­tins, Fie­ge, DAB, Brinkhoff’s, Rit­ter oder Stau­der – Aus­wahl gab es genug, und da es vom Ruhr­pott an den Rhein nicht weit war, komen so noch das eine oder ande­re Kölsch oder Alt dazu, und der Zivil­dienst in der Eifel mit zwei Mit-Zivis, die von dort kamen, tat sein Übri­ges. Als Bonus gab es schließ­lich noch Bisch­off, das Haus­bier mei­ner Groß­el­tern. Ich konn­te mich über die Aus­wahl nicht bekla­gen.
Die­se Art der Erzie­hung sorg­te jeden­falls trotz lang­jäh­ri­ger Bier­pho­bie dafür, dass ich ger­ne das Bier trank, was aus der Regi­on kam, in der ich gera­de war. War ich im Saar­land, trank ich UrPils, ver­weil­te ich an der Ost­see, gab es Stör­te­be­ker, und in Ham­burg nahm ich natür­lich Astra. Gefühlt spe­zi­el­ler wur­de es erst in mei­nem ers­ten Fahr­rad- und Zel­tur­laub ever, der mich bis nach Texel füh­ren soll­te. Auch dort gab es Bier. Texels. Gutes Zeug. Nach Texel folg­te Ams­ter­dam und dass man im Bra­bant­se Aap eine gro­ße Aus­wahl fass­fri­scher Bie­re hat, lässt sich nicht bestrei­ten. Wirk­lich gepackt hat mich die Suche nach klei­ne­ren Braue­rei­en und aus­ge­fal­le­nen Bie­ren aber wohl erst letz­tes Jahr, als ich mal wie­der mit dem Rad unter­wegs zu mei­ner Ver­wandt­schaft in Pfalz und Saar­land war.
Weil es nach einer güns­ti­gen Über­nach­tungs­mög­lich­keit klang und ich ohne­hin bis­wei­len zu Aben­teu­ern nei­ge, ent­schied ich mich, mit­tels Couch­sur­fing in Trier eine Unter­kunft zu befin­den, bezie­hungs­wei­se mit des­sen Rad­rei­se-Pen­dant Warm Show­ers. Was soll ich groß sagen? Ich kam in einer leicht her­un­ter­ge­kom­me­nen Stadt­vil­la in der Nähe der Kai­ser­ther­men in einer Stu­den­ten-WG unter, in der noch flei­ßig geraucht und getrun­ken wur­de, und statt eines ruhi­gen Abends gab es zunächst (es war Mai) den Mai­bock von Zils zum Ankom­men und danach eine aus­gie­bi­ge Run­de durch die Trie­rer Knei­pen­sze­ne. Okay, eigent­lich ver­sack­ten wir nur im Zapo­tex, weil es dort mehr Zils Mai­bock gab, aber hey!, ich bekam spä­ter einen Schlüs­sel, weil es mir doch etwas spät wur­de und die ande­ren noch blei­ben woll­ten, und fand ohne Hil­fe den Weg zurück zur WG. Das war so eine die­ser Erfah­run­gen, von denen man wohl sein gan­zes Leben zeh­ren kann. Zils Mai­bock hat­te ich seit­dem kei­nen mehr, aber Craft­bier (und das war es wohl letzt­lich ja doch) hat­te sich damit ganz unauf­fäl­lig in mei­nem Hin­ter­kopf ein­ge­nis­tet.

In die­sem Jahr nutz­te ich, wenn auch sehr spon­tan, eine mei­ner Rei­sen gen Ver­wandt­schaft im Süden jeden­falls, um mich von Craft­bier zu Craft­bier zu trin­ken. Well, das war der Plan, aber wie das mit Plä­nen so ist, fand das jemand so lus­tig, dass ich kei­ne Braue­rei zu ihren Öff­nungs­zei­ten antraf und mich dafür in einem Geträn­ke­markt bei Lud­wigs­ha­fen reich­lich ein­deck­te. Dar­über geb­loggt habe ich aller­dings noch nicht, und für eine ver­blogg­te Bier­ver­kos­tung ist es auch zu spät. Nur so viel: Es war kein Bier dabei, was ich nicht wie­der kau­fen wür­de, und mit BABO blue habe ich wohl etwas ganz Beson­de­res ent­deckt, noch bevor es im Fern­se­hen die Run­de mach­te.
Der dies­jäh­ri­ge Hol­land­ur­laub sorg­te dafür, dass ich mich mal quer durch die Viel­zahl der Bie­re von Albert Hei­jn und Jum­bo trank und letzt­lich sogar zwei Fla­schen impor­tier­te. Die dor­ti­ge Aus­wahl ist – zumin­dest was die Viel­falt betrifft – doch ein biss­chen bes­ser als hier, was aber wohl auch dar­an liegt, dass es nicht zwin­gend das Deut­sche Rein­heits­ge­bot von 1516 braucht, um ein Pro­dukt her­zu­stel­len, was sich als Bier ver­kau­fen lässt.

Die Ursa­che, war­um ich euch die­sen Text aber jetzt zuge­mu­tet habe, ist ein ande­rer. In Bochum hat vor ein paar Tagen „Bier­mu­da“ eröff­net, der ers­te Craft­bier-Shop in Bochum, und da Pott­blog-Jens dar­über geb­loggt hat­te, muss­te ich dort hin, was ich ges­tern dann auch war. Es war ein ange­neh­mes Gespräch, das ich mit Max Zell­mer, dem Inha­ber, und sei­ner Kol­le­gin (oder wer auch immer sie ist, sor­ry für mein Unwis­sen) führ­te. Es sorg­te dafür, dass ich ein Kür­bis-Bier kauf­te (ich bin gespannt, wie gut es wirk­lich zu Kür­bis­sup­pe passt), und über Umwe­ge auch dafür, dass ich beim gest­ri­gen Groß­ein­kauf noch ein biss­chen mehr Bier mit­nahm als geplant und jetzt wohl dar­über blog­gen wer­de.

Dankt also nicht mir, dankt Max – und der Viel­zahl auf­re­gen­der Bier, die es in Deutsch­land jen­seits von Pils und Wei­zen gibt.

Wie kamt ihr eigent­lich zum Bier?

Foto: 96dpiCC-BY-NC – flickr.com

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