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Freefont des Monats: Fira Sans [Update]

Fira Sans – Für Mozilla und die ganze Welt

Erik Spie­ker­mann ist kein unbe­schrie­be­nes Blatt in der Design-Sze­ne. Umso grö­ßer war folg­lich das Auf­mer­ken, als bekannt wur­de, dass aus­ge­rech­net er die Haus­schrift für Fire­fox OS, das mobi­le Betriebs­sys­tem von Mozil­la, ent­wi­ckelt habe. Was dann am Ende des Pro­zes­ses her­aus­kam, war für man­che des­halb ziem­lich ent­täu­schend.

Einordnung/Charakteristik

Mit der Fira Sans kann ich die Rei­he der seri­fen­lo­sen Schrif­ten mal wie­der nicht unter­bre­chen. Da tut sich gera­de lei­der recht wenig. Immer­hin haben wir aber mit der Fira Sans eine Seri­fen­lo­se, die mal etwas anders ist als das, was ich euch zuletzt vor­stel­len konn­te, denn sie ist bei wei­tem nicht so neu­tral (um nicht zu sagen: lang­wei­lig) wie die Source Sans.

Die Besonderheiten der Fira Sans

Was die Fira Sans aus­macht, ist der Ver­such, zwei unter­schied­li­che Ansät­ze in sich zu ver­ei­nen. Einer­seits hat sie ihre Wur­zeln in den Anti­qua­schrif­ten der frü­hen Neu­zeit und zumin­dest in den kur­si­ven Schnit­ten lässt sich hin und wie­der ein gewis­ser hand­schrift­li­cher Ursprung erken­nen, ande­rer­seits möch­te sie sehr gut zu lesen sein und greift daher als beson­ders les­bar erkann­te Merk­ma­le wie eine gro­ße x-Höhe und offe­ne For­men auf. Dass die­se bei­den Ansät­ze sich zunächst ein­mal im Weg ste­hen, stört sie aber nicht. Der Fira Sans gelingt es näm­lich, bei­de Ansät­ze schlüs­sig zusam­men­zu­füh­ren; exem­pla­risch dafür ist zum Bei­spiel das „a“, aber auch das „l“ zeigt klar, wie eine les­ba­re (also unter­scheid­ba­re) Form aus­se­hen kann.
Dar­über hin­aus merkt man der Fira Sans aber auch ihre Ver­wandt­schaft zur Meta an, gera­de wenn man zum „g“, zum „k“ oder zum „y“ schaut. Auch in den kur­si­ven Schnit­ten las­sen sich deut­li­che Par­al­le­len aus­ma­chen. Der größ­te Unter­schied ist mit­hin noch eine ande­re Form für das „k“, ansons­ten sind es vor allem die nicht an- oder abge­schwun­ge­nen Abstri­che, die am ehes­ten als Unter­schied zwi­schen Meta und Fira Sans fest­stell­bar sind.

So gese­hen ist die Fira Sans also alles ande­re als mal was ande­res. Gleich­wohl ist sie in ihren Details trotz allem deut­lich exzen­tri­scher als die ande­ren frei ver­füg­ba­ren Open Sans, Source Sans Pro und Robo­to Sans, wenn­gleich sie nicht exzen­trisch ist. Gera­de in der Viel­zahl der Schrift­schnit­te ist sie ihre Kon­kur­ren­ten aber eini­ges vor­aus, was sie aber auch braucht, da die nor­mal­fet­ten Schnit­te doch prin­zi­pi­ell recht sper­rig wir­ken. Gera­de im Zusam­men­spiel dün­ner und fet­ter Schnit­te zeigt die Fira Sans aber ein viel­sei­ti­ges Bild.

Umfang/Ausbau

Sechzehn Fetten zu je zwei Schnitten. Wem da noch etwas fehlt, dem ist auch nicht mehr zu helfen.

Was die Anzahl der Schrift­schnit­te betrifft, soll­te sich eigent­lich nie­mand bekla­gen kön­nen, es sei denn, jemand fin­det, sie sei zu groß. Fakt ist: Es gibt der­zeit 16 (in Wor­ten: sech­zehn!) Schnit­te zuzüg­lich ent­spre­chen­der Kur­si­ven. Dar­un­ter fin­den sich dann auch gleich meh­re­re Hair­line-Schnit­te und bis hin zum fet­tes­ten aller denk­ba­ren fet­ten Schnit­te ist alles fein säu­ber­lich und stim­mig abge­stuft. Da kann nicht in der Viel­falt nicht ein­mal die Ale­greya Sans mit­hal­ten.

Im Zeichenvorrat der Fira Sans findet sich durchaus das eine oder andere Schätzchen.

Dass es dar­über hin­aus noch 2101 auf­rech­te respek­ti­ve 2095 kur­si­ve Gly­phen gibt, ist bei­spiel­los, gleich­wohl damit, wie es sich für eine ordent­li­che Sys­tem­schrift gehört, natür­lich meh­re­re Sprach­räu­me und Schrift­sys­te­me abge­deckt wer­den. Dane­ben ist aber immer noch Platz für eine Viel­zahl von Son­der­zei­chen, von sepa­ra­ten Brü­chen über Pfei­le bis hin zu diver­sen Wäh­rungs­sym­bo­len.

Zahlen, bitte.

Ledig­lich die Liga­tu­ren sind eher spar­sam ver­tre­ten und auch ein Ver­sa­les­zett fehlt, doch mit dem, was es gibt, lässt sich auch recht gut arbei­ten.

Praxistest

Die Fira Sans ist schon spe­zi­ell. Einer­seits ist sie ein robus­tes Arbeits­tier, die für alles zu gebrau­chen ist, was eini­ger­ma­ßen neu­tral, aber dabei nicht zu lang­wei­lig und tech­nisch wir­ken soll, ande­rer­seits ist sie mir per­sön­lich gera­de in den mitt­le­ren Schnit­ten zu robust und breit, um sie eini­ger­ma­ßen platz­spa­rend für viel Text zu ver­wen­den. Die logi­sche Kon­se­quenz für mich ist also ledig­lich der Ein­satz der ganz dün­nen und der ganz dicken Schrift­schnit­te, womit sich das Ein­satz­ge­biet schon sehr ein­schränkt, da die­se eine gewis­se Grö­ße benö­ti­gen, um über­haupt funk­tio­nie­ren zu kön­nen. Ande­rer­seits spricht den­noch nichts dage­gen, die Fira Sans auch für viel Fließ­text zu ver­wen­den.

Rechtliches

Die Fira Sans steht unter der SIL Open Font Licen­se. Sie gilt somit als ech­te Open-Source-Schrift, deren Daten­be­stand auch modi­fi­ziert, dann aber nicht mehr unter ihrem ursprüng­li­chen Namen ver­trie­ben wer­den darf. Ein Recht zum Ver­kauf der Schrift­da­ten ergibt sich nicht.

Fazit

Mit der Fira Sans gibt es hier ein soli­des, hand­werk­lich gutes Arbeits­tier zur frei­en Ver­wen­dung. Dabei ist die Fira Sans so umfang­reich aus­ge­baut, dass man sie in vie­len Situa­tio­nen benut­zen kann. Gleich­zei­tig ist sie in ihren For­men schon wie­der so spe­zi­ell, dass sie nicht zu jeder Auf­ga­be eine gute Lösung bie­tet. Wo es aber dar­auf ankommt, neu­tral, aber gleich­zei­tig robust und mensch­lich zu wir­ken, ist sie auf jeden Fall am rich­ti­gen Platz. Auch wer eine halb­wegs neu­tra­le, aber freund­li­che Schrift fürs Edi­to­ri­al Design sucht, kann mit ihr glück­lich wer­den.

Update

Seit Kur­zem gibt es die Fira Sans auch noch in 32 wei­te­ren Con­den­sed-Schnit­ten. Zudem wur­den die bereits bestehen­den Schnit­te noch ein wenig ergänzt. Ich habe den Down­load­link kor­ri­giert und den zu den neu­en Schnit­ten ergänzt.

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