Gedöns
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Zehn Bücher, die mich prägten

Es gibt Stöck­chen und Stöck­chen. Man­che fin­de ich doof, man­che ganz nett. Mit man­chen wer­de ich bewor­fen, von ande­ren groß­zü­gig igno­riert. Manch­mal sind sie mir völ­lig egal, und manch­mal muss ich sie mir ein­fach mop­sen, wie zum Bei­spiel die­ses net­te Stöck­chen, wel­ches ich bei Herrn Hallau (wenn auch via Face­book) fand, wo es um zehn Bücher ging. Im Wort­laut hieß es:

Lis­te 10 Bücher in dei­ner Chro­nik auf, die dir im Kopf haf­ten geblie­ben sind.
Benö­ti­ge nicht mehr als ein paar Minu­ten und denk nicht so lan­ge dar­über nach. Sie müs­sen kei­ne per­fek­ten Bücher sein und kei­ne Wer­ke der Welt­li­te­ra­tur, sie sol­len dich nur inner­lich berührt haben. Sobald du dies getan hast, nomi­nie­re 10 wei­te­re Freun­de aus dei­ner Lis­te, damit sie dei­ne Lis­te sehen kön­nen und es dir gleich tun kön­nen.

Und woher soll ich jetzt die zehn Freun­de neh­men?

Meine Bücher und ich

Was Bücher betrifft, bin ich alt­mo­disch: Ich lese auf Papier. Ich habe nichts gegen E-Books und ihre Leser – jeden­falls nichts Wirk­sa­mes. Scherz bei­sei­te: Wenn ein E-Book jeman­den zum Lesen bringt und beim Lesen hält, dann ist das toll. Punkt.
Als gelern­ter Medi­en­ge­stal­ter mit einem Fai­ble für Typo­gra­fie sind mir E-Books aber ein Graus. Mise­ra­bel spa­tio­niert, mit rie­si­gen Löchern im Block­satz und unter­ir­disch auf­ge­lös­ten Schrif­ten, vol­ler Huren­kin­der und Schus­ter­jun­gen … dar­auf ver­zich­te ich lie­bend gern frei­wil­lig. Außer­dem suchen auch Män­gel­ex­em­pla­re ein Zuhau­se und ich neh­me sie ger­ne auf.
Habe ich aber erst ein­mal ein Buch gefun­den, dann las­se ich es nicht los und lese sie so gut es geht an einem Stück. Okay, es gibt zwei Aus­nah­men, aber die sind sehr spe­zi­ell. Ich lie­be Bücher und ich lie­be es zu lesen, und könn­te man sich an Wör­tern über­fres­sen, dann wäre mir das bestimmt schon mehr als nur ein­mal pas­siert.

Was aber sind die zehn Bücher, derer ich mich erin­ne­re, weil sie mich auf irgend­ei­ne Wei­se präg­ten?

1. Andreas Steinhöfel: Die Mitte der Welt

Ein wun­der­schö­ner, poe­ti­scher, wort­ge­wal­ti­ger Com­ing-of-Age-Roman, der sich mun­ter an der grie­chi­schen Mytho­lo­gie bedient – ich lese ihn immer wie­der ger­ne

2. Anna Politkowskaja: Russisches Tagebuch

Eine muti­ge Jour­na­lis­tin schil­dert, wie ihr Hei­mat­land immer weni­ger Demo­kra­tie wird und schreibt über ihre all­täg­li­chen Erfah­run­gen, die wenig Mut machen. Es hat mich damals sehr ent­setzt, und das tut es noch immer, dass Anna Polit­kow­sa­ja an Putins Geburts­tag ermor­dert wur­de.

3. Dimitri Verhulst: Mevrouw Verona daalt de heuvel af

Ich gebe es ja zu: Eigent­lich mei­ne ich die deut­sche Über­set­zung „Madame Vero­na steigt den Hügel hin­ab“, denn so gut ist mein Nie­der­län­disch bei wei­tem nicht, aber ihr Titel macht den Rhyth­mus kaputt. „Mev­rouw Vero­na“ hat ein­fach alles, was es braucht: eine span­nen­de Aus­gangs­si­tua­ti­on mit kon­se­quent fort­lau­fen­der Hand­lung, vie­le skur­ri­le Retro­spek­ti­ven und einen wun­der­bar tro­cke­nen Humor. Dabei ist „Mev­rouw Vero­na“ so kurz, dass es jam­mer­scha­de ist, wenn die Geschich­te ihr Ende fin­det.

4. J.R.R. Tolkien: Der Herr der Ringe

Muss ich nichts zu sagen, oder? Ich mag ein­fach die­sen epi­schen, sper­ri­gen Schin­ken, der Teil einer eige­nen Welt ist, die ich nicht weni­ger mag.

5. Juli Zeh: Spieltrieb

Habe ich schon erwähnt, dass ich sprachmäch­ti­ge Schin­ken mag? Juli Zeh kann zwar auch anders, aber den­noch hat sie ein Fai­ble dafür. Ob jetzt „Schilf“ oder „Adler und Engel“, ich mag es, wie sie schreibt. „Spiel­trieb“ habe ich des­halb aus­ge­wählt, weil es mein Erst­ling war, und weil es die für mich span­nends­te Grund­kon­stel­la­ti­on hat: Was wäre, wenn alles nur ein Spiel wäre, bei dem es nur ums Gewin­nen geht? Kann das Recht damit ange­mes­sen umge­hen?

6. Mark Dunn: Nollops Vermächtnis

Die­ses Buch ist eines der weni­gen, des­sen ori­gi­na­le, in die­sem Fall eng­li­sche, Fas­sung ich besit­ze. Ist schon die Über­set­zung ein Meis­ter­werk an Sprach­be­herr­schung, weiß ich sie noch mehr zu schät­zen, seit ich das eng­li­sche Ori­gi­nal ken­ne. Ein Buch, das dar­auf basiert, dass nach und nach Buch­sta­ben aus der Spra­che schwin­den und alles mit den ver­blei­ben­den Zei­chen aus­ge­drückt wer­den muss, ist eben doch nicht unüber­setz­bar – aber fast.

7. Mitch Albom: The Five People You Meet In Heaven

Ein biss­chen ist es wie „Mev­rouw Vero­na“, nur ein wenig tra­gi­scher. Ande­rer­seits ist es so ele­gisch und poe­tisch, und der Gedan­ke, dass dein Leben aus völ­lig frem­den Blick­win­kel noch ein­mal mit dir betrach­tet wird, damit du dei­nen Frie­den fin­den kannst, ist auch ein schö­ner.

8. Jean-Marie Muller: Gewaltlos. Ein Appell.

Im Ori­gi­nal heißt es ja „L’evangile de la non-vio­lence“, was tref­fen­der ist. Anders als vie­le, die dem „gerech­ten Krieg“ das Wort reden, legt Mul­ler dar, wie sich gewalt­lo­ser Pazi­fis­mus aus der Bibel ablei­ten lässt. Dabei lässt sich sicher­lich für jede_n ein schlau­er Gedan­ke fin­den. Nur zur Umset­zung schreibt Mul­ler lei­der recht wenig.

9. Karl-Heinz Göttert: Deutsch. Biografie einer Sprache.

Hier ist ein unter­halt­sa­mes und gut les­ba­res Buch, wel­ches sich mit der Ent­ste­hung und Ent­wick­lung der deut­schen Spra­che befasst. Dass es neben­bei kei­ne Panik schiebt und nicht vor Angli­zis­men und Deng­lisch warnt, rech­ne ich dem Autor dabei hoch an.

10. Cees Nooteboom: Allerseelen

Unter all den Büchern, die ich mein nen­ne, gibt es nur zwei, die ich mehr­fach ver­sucht habe zu lesen, und an denen ich doch jedes Mal aufs Neue schei­te­re: James Joy­ces „Ulys­ses“ – und eben Cees Noote­booms „Aller­see­len“. Den­noch lie­be ich „Aller­see­len“ heiß und innig, denn in sei­ner Stim­mung und sei­ner Emp­fin­dungs­hal­tung berührt es mich zutiefst

Und nu?

Eigent­lich müss­te ich jetzt, wie schon erwähnt, zehn Leu­te nomi­nie­ren. Fal­len mir über­haupt so vie­le ein? Schau­en wir doch mal.
Da hät­ten wir also … Jani­na, Vera, Nico­las, Juli­an, Mar­cel, Frie­de­ri­ke, Eli­sa­beth, Han­nah … und wer noch nicht hat, darf sich ger­ne bedie­nen.

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