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Freefont des Monats: Alegreya Sans

Alegreya Sans – Besser wird’s nicht mehr.

Dass ich direkt beim ers­ten Mal mit einem Stern der Free­font-Sze­ne wür­de auf­war­ten kön­nen, damit habe ich nun wirk­lich nicht gerech­net. Denn ein Stern – das muss ich direkt vor­weg­neh­men – ist die Ale­greya Sans alle­mal.

Ent­wor­fen wur­de sie von Juan Pablo del Peral, einem der Grün­der der erst 2009 in Argen­ti­ni­en eröff­ne­ten Schrif­ten­schmie­de Huer­ta Tipo­grá­fi­ca. Dabei spricht das Grün­dungs­jahr kei­nes­wegs gegen die Qua­li­tät der Schrift, denn Huer­ta Tipo­grá­fi­ca ist ein Zusam­men­schluss von ehe­ma­li­gen Mas­ter­stu­die­ren­den im Fach Typede­sign an der Uni­ver­si­tät von Bue­nos Aires. So ist es wenig ver­wun­der­lich, dass die Schrif­ten von Huer­ta Tipo­grá­fi­ca bei inter­na­tio­na­len Wett­be­wer­ben wie Letter.2 von der Asso­cia­ti­on Typo­gra­phi­que Inter­na­tio­na­le Prei­se gewan­nen.

Einordnung/Charakteristik

Die Ale­greya Sans ist die seri­fen­lo­se Schwes­ter der preis­ge­krön­ten Ale­greya. Als die­se ist sie eine dyna­mi­sche Gro­tesk­schrift, die ein paar Eigen­hei­ten der Ale­greya behielt, wäh­rend sie die Seri­fen abge­ben muss­te.
Wäh­rend sämt­li­che auf­rech­ten Schnit­te eine ziem­li­che Eigen­stän­dig­keit im Ver­gleich zu ande­ren Schrift­ar­ten zei­gen, die auch schon der Ale­greya eigen ist, erin­nern die kur­si­ven Schnit­te doch stark an seri­fen­lo­se Schrif­ten der nie­der­län­di­schen Schu­le (Sca­la Sans, Callu­na Sans), die deut­lich an hand­ge­schrie­be­ne Tex­te erin­nern. Nichts­des­to­trotz zeigt auch hier die Ale­greya Sans ihre Eigen­ar­ten.

Besonderheiten der Alegreya Sans

Neh­men wir nur das J, des­sen Schweif unter die Grund­li­nie reicht oder die unter die nach­fol­gen­den Buch­sta­ben rei­chen­de Cau­da des Q – bei­des sieht man nicht all­zu oft. Eben­so sel­ten sieht man das W in die­ser Form, in der mitt­le­ren Abstri­che nicht in einem Schei­tel zusam­men­lau­fen. In den Gemei­nen ist es vor allem das d und das u, dem man die Ver­wandt­schaft zur Ale­greya ansieht, denn die­ser End­strich ist mar­kant. Klas­sisch ist das drei­stö­cki­ge g, das – betrach­tet man es allein – sehr kopf­las­tig wirkt, im Men­gen­satz sich aber sehr gut hält. Rela­tiv modern hin­ge­gen ist der Ver­zicht auf eine Ver­bin­dung der Ele­men­te beim K und beim k.
In der Kur­si­ven sind es vor allem das g und das k, wel­che mir gefal­len, denn bei­den sieht man den hand­schrift­li­chen Duk­tus sofort an; vor allem das kom­plett geschlos­se­ne g ist zwar einer­seits modisch aber gleich­zei­tig doch sehr klas­sisch.

Trotz reich­lich Eigen­sinn gelingt es die­ser bewusst nicht auf Makel­lo­sig­keit und Gerad­li­nig­keit getrimm­ten Schrift, im Men­gen­satz aus­rei­chend ruhig zu wir­ken. Die Kur­si­ve schafft dabei einen span­nen­den Kon­trast zur Auf­rech­ten, weil sie noch um eini­ges wär­mer daher kommt. Nichts­des­to­trotz ist auch sie robust genug um prin­zi­pi­ell auch in mit­tel­lan­gen Tex­ten ein­ge­setzt zu wer­den.
Beson­ders bemer­kens­wert: Juan Pablo del Peral gelang es eine Schrift zu zeich­nen, die in den mitt­le­ren Fet­ten eben­so gut im Men­gen­satz funk­tio­niert wie sich ihren extrem dün­nen und fet­ten Schnit­te als Dis­play-Schrif­ten eig­nen.

Umfang/Ausbau

Für den Aus­bau der Ale­greya Sans gibt es von mir eine 1+ mit Stern­chen. Von einem hauch­dün­nen bis zu einem extrem fet­ten Schnitt ist alles dabei, und das auch noch in kur­siv und das alles wie­der­um auch noch für ech­te Kapi­täl­chen! Das sind ins­ge­samt 28 (in Wor­ten: acht­und­zwan­zig) gut auf­ein­an­der ange­pass­te Schrift­schnit­te, mit denen die Ale­greya Sans auf­war­tet. Wow! Wer will da noch kla­gen, dass es kei­ne schma­ler lau­fen­den Schnit­te gibt?

Sieben Fetten in je zwei Schnitte und das sowohl für gemischten Satz als auch echte Kapitälchen.

Auch der Zei­chen­um­fang ist her­aus­ra­gend. Mit 675 (Regu­lar) bzw. 672 (Ita­lic) Gly­phen ist so ziem­lich alles abge­deckt, was ich jemals im Text­satz brau­chen könn­te, und auch die Kapi­täl­chen-Schnit­te ste­hen dem mit 664 bzw. 659 Gly­phen kaum nach.
Dank die­ser gro­ßen Gly­phen­an­zahl hat die Ale­greya Sans neben dem klas­si­schen latei­ni­schen Alpha­bet und den in Deutsch­land übli­chen Umlau­ten noch vie­le Schman­kerl, an denen manch kom­mer­zi­el­le Schrift schon schei­tert. Es gibt mit Eth und Thorn die wich­tigs­ten Zei­chen für das islän­di­sche Alpha­bet, es gibt die für’s Fran­zö­si­sche nöti­gen Akzen­te, es gibt sogar die das nie­der­län­di­sche IJ in Groß- und Klein­buch­sta­ben. Nicht ein­mal ein Ver­sa­les­zett fehlt. Dazu kom­men dann noch Son­der­zei­chen für vie­le ost­eu­ro­päi­sche Spra­che und selbst die spa­ni­schen Inter­punk­ti­ons­zei­chen ¿ und ¡ sind vor­han­den. Als wäre das noch nicht genug, fin­den sich im Zei­chen­satz der Ale­greya Sans noch so schö­ne Din­ge wie Mediä­val­zif­fern für den Tabel­len­satz, die gän­gigs­ten Liga­tu­ren (fi und Kon­sor­ten), ein Satz an Zif­fern und Buch­sta­ben (aller­dings nur a bis z) für mathe­ma­ti­sche Brü­che und nicht zuletzt sogar römi­sche Zif­fern.
Was soll da noch kom­men, wenn es mal eine kos­ten­pflich­ti­ge Ale­greya Sans Pro geben wird?

Die Zeichenvielfalt der Alegreya Sans ist schier unerschöpflich.

Wäre es nicht schon begeis­ternd genug, dass die Ale­greya Sans so vie­le Zei­chen hat, so muss ich fest­stel­len, dass die­se auch noch gut gezeich­net sind. Selbst an den deut­schen Anfüh­rungs­zei­chen „ und “ habe ich nichts aus­zu­set­zen, sind doch sie es oft, die in unzäh­li­gen Schrif­ten (selbst in Klas­si­kern wie der Fru­ti­ger) nicht wirk­lich schön sind.

Praxistest

War­me Seri­fen­lo­se tau­chen nach mei­nem Emp­fin­den noch nicht so son­der­lich oft auf. Dabei ist ihr Ein­satz­ge­biet durch­aus nicht klein. Ich wür­de sie zwar nicht für tech­ni­sche Hand­bü­cher ver­wen­den, aber gera­de in den Bereich des Do It Yours­elf oder zur Lebens­mit­tel­in­dus­trie passt sie doch sehr gut. Ich zum Bei­spiel nut­ze sie für mei­ne Rezept­blät­ter.
Gera­de eine per­sön­li­che Note lässt sich mit der Ale­greya Sans sicher­lich gut ver­mit­teln. Es bleibt nur zu hof­fen, dass dann nicht alle Welt sich damit eine per­sön­li­che Note ver­pas­sen will.

Rechtliches

Die Ale­greya Sans steht unter der Open Font Licen­se. Sie gilt somit als ech­te Open-Source-Schrift, deren Daten­be­stand auch modi­fi­ziert wer­den darf. Ein Recht zum Ver­kauf der Schrift­da­ten ergibt sich dar­aus aber nicht.

Downloads

Update

Am 17. Janu­ar wies mich Schrift­ent­wer­fer Juan Pablo del Peral via Twit­ter auf ein Update der Ale­greya Sans hin. Neben einer geän­der­ten Form (Dcroat, D mit Quer­strich) gibt es jetzt einen ech­ten Apo­stroph in den Open­Type-Schnit­ten und mehr Ker­ning­paa­re. Infol­ge­des­sen habe ich das letz­te Bild mit dem geän­der­ten Zei­chen aus­ge­tauscht.
Betrach­tet man das Gesamt­er­geb­nis, sind auf den ers­ten Blick zwar kaum Unter­schie­de aus­zu­ma­chen, aber letzt­lich tut der Fein­schliff die­sem Juwel nur gut.

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5 Kommentare

  1. Kristof Koch sagt

    Ich habe zwar sonst nicht viel mit Schrif­ten und der­glei­chen zu tun. Aber die gefällt mir. Die nehm ich für mei­ne Mas­ter­ar­beit :) Dan­ke

    • Hej Kris­tof,

      dan­ke für dei­nen Kom­men­tar. Wenn man dir erlaubt, eine seri­fen­lo­se Schrift zu neh­men, dann ist das durch­aus eine gute Idee. Fast alles ist bes­ser als Times New Roman oder Ari­al. Wenn du eine Schrift mit Seri­fen neh­men musst, dann böte sich die Ale­greya an. Die kos­ten­freie Ver­si­on gibt es bei Fonts­quir­rel.

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