Gestaltung
5 Kommentare

Freefont des Monats: Alegreya Sans

Alegreya Sans – Besser wird’s nicht mehr.

Dass ich direkt beim ersten Mal mit einem Stern der Freefont-Szene würde aufwarten können, damit habe ich nun wirklich nicht gerechnet. Denn ein Stern – das muss ich direkt vorwegnehmen – ist die Alegreya Sans allemal.

Entworfen wurde sie von Juan Pablo del Peral, einem der Gründer der erst 2009 in Argentinien eröffneten Schriftenschmiede Huerta Tipográfica. Dabei spricht das Gründungsjahr keineswegs gegen die Qualität der Schrift, denn Huerta Tipográfica ist ein Zusammenschluss von ehemaligen Masterstudierenden im Fach Typedesign an der Universität von Buenos Aires. So ist es wenig verwunderlich, dass die Schriften von Huerta Tipográfica bei internationalen Wettbewerben wie Letter.2 von der Association Typographique Internationale Preise gewannen.

Einordnung/Charakteristik

Die Alegreya Sans ist die serifenlose Schwester der preisgekrönten Alegreya. Als diese ist sie eine dynamische Groteskschrift, die ein paar Eigenheiten der Alegreya behielt, während sie die Serifen abgeben musste.
Während sämtliche aufrechten Schnitte eine ziemliche Eigenständigkeit im Vergleich zu anderen Schriftarten zeigen, die auch schon der Alegreya eigen ist, erinnern die kursiven Schnitte doch stark an serifenlose Schriften der niederländischen Schule (Scala Sans, Calluna Sans), die deutlich an handgeschriebene Texte erinnern. Nichtsdestotrotz zeigt auch hier die Alegreya Sans ihre Eigenarten.

Besonderheiten der Alegreya Sans

Nehmen wir nur das J, dessen Schweif unter die Grundlinie reicht oder die unter die nachfolgenden Buchstaben reichende Cauda des Q – beides sieht man nicht allzu oft. Ebenso selten sieht man das W in dieser Form, in der mittleren Abstriche nicht in einem Scheitel zusammenlaufen. In den Gemeinen ist es vor allem das d und das u, dem man die Verwandtschaft zur Alegreya ansieht, denn dieser Endstrich ist markant. Klassisch ist das dreistöckige g, das – betrachtet man es allein – sehr kopflastig wirkt, im Mengensatz sich aber sehr gut hält. Relativ modern hingegen ist der Verzicht auf eine Verbindung der Elemente beim K und beim k.
In der Kursiven sind es vor allem das g und das k, welche mir gefallen, denn beiden sieht man den handschriftlichen Duktus sofort an; vor allem das komplett geschlossene g ist zwar einerseits modisch aber gleichzeitig doch sehr klassisch.

Trotz reichlich Eigensinn gelingt es dieser bewusst nicht auf Makellosigkeit und Geradlinigkeit getrimmten Schrift, im Mengensatz ausreichend ruhig zu wirken. Die Kursive schafft dabei einen spannenden Kontrast zur Aufrechten, weil sie noch um einiges wärmer daher kommt. Nichtsdestotrotz ist auch sie robust genug um prinzipiell auch in mittellangen Texten eingesetzt zu werden.
Besonders bemerkenswert: Juan Pablo del Peral gelang es eine Schrift zu zeichnen, die in den mittleren Fetten ebenso gut im Mengensatz funktioniert wie sich ihren extrem dünnen und fetten Schnitte als Display-Schriften eignen.

Umfang/Ausbau

Für den Ausbau der Alegreya Sans gibt es von mir eine 1+ mit Sternchen. Von einem hauchdünnen bis zu einem extrem fetten Schnitt ist alles dabei, und das auch noch in kursiv und das alles wiederum auch noch für echte Kapitälchen! Das sind insgesamt 28 (in Worten: achtundzwanzig) gut aufeinander angepasste Schriftschnitte, mit denen die Alegreya Sans aufwartet. Wow! Wer will da noch klagen, dass es keine schmaler laufenden Schnitte gibt?

Sieben Fetten in je zwei Schnitte und das sowohl für gemischten Satz als auch echte Kapitälchen.

Auch der Zeichenumfang ist herausragend. Mit 675 (Regular) bzw. 672 (Italic) Glyphen ist so ziemlich alles abgedeckt, was ich jemals im Textsatz brauchen könnte, und auch die Kapitälchen-Schnitte stehen dem mit 664 bzw. 659 Glyphen kaum nach.
Dank dieser großen Glyphenanzahl hat die Alegreya Sans neben dem klassischen lateinischen Alphabet und den in Deutschland üblichen Umlauten noch viele Schmankerl, an denen manch kommerzielle Schrift schon scheitert. Es gibt mit Eth und Thorn die wichtigsten Zeichen für das isländische Alphabet, es gibt die für’s Französische nötigen Akzente, es gibt sogar die das niederländische IJ in Groß- und Kleinbuchstaben. Nicht einmal ein Versaleszett fehlt. Dazu kommen dann noch Sonderzeichen für viele osteuropäische Sprache und selbst die spanischen Interpunktionszeichen ¿ und ¡ sind vorhanden. Als wäre das noch nicht genug, finden sich im Zeichensatz der Alegreya Sans noch so schöne Dinge wie Mediävalziffern für den Tabellensatz, die gängigsten Ligaturen (fi und Konsorten), ein Satz an Ziffern und Buchstaben (allerdings nur a bis z) für mathematische Brüche und nicht zuletzt sogar römische Ziffern.
Was soll da noch kommen, wenn es mal eine kostenpflichtige Alegreya Sans Pro geben wird?

Die Zeichenvielfalt der Alegreya Sans ist schier unerschöpflich.

Wäre es nicht schon begeisternd genug, dass die Alegreya Sans so viele Zeichen hat, so muss ich feststellen, dass diese auch noch gut gezeichnet sind. Selbst an den deutschen Anführungszeichen „ und “ habe ich nichts auszusetzen, sind doch sie es oft, die in unzähligen Schriften (selbst in Klassikern wie der Frutiger) nicht wirklich schön sind.

Praxistest

Warme Serifenlose tauchen nach meinem Empfinden noch nicht so sonderlich oft auf. Dabei ist ihr Einsatzgebiet durchaus nicht klein. Ich würde sie zwar nicht für technische Handbücher verwenden, aber gerade in den Bereich des Do It Yourself oder zur Lebensmittelindustrie passt sie doch sehr gut. Ich zum Beispiel nutze sie für meine Rezeptblätter.
Gerade eine persönliche Note lässt sich mit der Alegreya Sans sicherlich gut vermitteln. Es bleibt nur zu hoffen, dass dann nicht alle Welt sich damit eine persönliche Note verpassen will.

Rechtliches

Die Alegreya Sans steht unter der Open Font License. Sie gilt somit als echte Open-Source-Schrift, deren Datenbestand auch modifiziert werden darf. Ein Recht zum Verkauf der Schriftdaten ergibt sich daraus aber nicht.

Downloads

Update

Am 17. Januar wies mich Schriftentwerfer Juan Pablo del Peral via Twitter auf ein Update der Alegreya Sans hin. Neben einer geänderten Form (Dcroat, D mit Querstrich) gibt es jetzt einen echten Apostroph in den OpenType-Schnitten und mehr Kerningpaare. Infolgedessen habe ich das letzte Bild mit dem geänderten Zeichen ausgetauscht.
Betrachtet man das Gesamtergebnis, sind auf den ersten Blick zwar kaum Unterschiede auszumachen, aber letztlich tut der Feinschliff diesem Juwel nur gut.

Teilt meinen Text
Tweet about this on TwitterShare on FacebookShare on Google+Share on TumblrEmail this to someone

5 Kommentare

  1. Kristof Koch sagt

    Ich habe zwar sonst nicht viel mit Schriften und dergleichen zu tun. Aber die gefällt mir. Die nehm ich für meine Masterarbeit :) Danke

    • Hej Kristof,

      danke für deinen Kommentar. Wenn man dir erlaubt, eine serifenlose Schrift zu nehmen, dann ist das durchaus eine gute Idee. Fast alles ist besser als Times New Roman oder Arial. Wenn du eine Schrift mit Serifen nehmen musst, dann böte sich die Alegreya an. Die kostenfreie Version gibt es bei Fontsquirrel.

  2. Pingback: Links vom Rhein, 20. Januar 2014 | Hendryk Schäfer

  3. Pingback: Wir bauen unseren Liebsten einen Adventsbaum < Marcel Pohlig

  4. Pingback: Lasst uns einen Adventsbaum bauen < Marcel Pohlig

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *