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… und dann war ich plötzlich im Radio.

Als Otto Nor­mal­ver­brau­cher wird man nicht oft inter­viewt. Wozu auch? Wie ich die letz­ten Diä­ten­er­hö­hung fin­de? Was ich zu den hohen Sprit­prei­sen sage? Ob ich als jun­ger Mensch über­haupt weiß, was der Ely­sée-Ver­trag ist? Mehr als ein kur­zer O-Ton in einem Stim­mungs­bild ist zumeist nicht drin. Man muss wohl schon etwas aus­ge­fres­sen haben, um mehr als zwan­zig Sekun­den im Radio zu hören zu sein oder gar ein paar mehr Zei­len in der Zei­tung zu bekom­men – und das habe ich wohl.

In mei­nem Fall reich­te es aus, zwei Wochen lang eine Tages­zei­tung zu lesen, um ins Radio zu kom­men. Gut, ich hat­te die Erfah­rung ziem­lich aus­führ­lich ver­bloggt, das half viel­leicht ein biss­chen. Wer wis­sen möch­te, was ich zur Zei­tungs­kri­se zu sagen hat­te bzw. ob ich (ja, ICH) eine Zei­tung abon­nie­ren wür­de und wenn ja, unter wel­chen Umstän­den, kann sich das hier anhö­ren. Kei­ne Sor­ge, ich bin ziem­lich am Anfang dran.

[audio:http://medien.wdr.de/m/1357391340/radio/ttb/wdr5_toene_texte_bilder_20130105_1205.mp3]

Das Tran­skript dazu gibt es bei WDR, eben­so wie die gan­ze Sen­dung.

Ein kleiner Blick hinter die Kulissen

Es ist schon ein paar Tage her, dass ich zuletzt im Radio war. Mei­ne Erin­ne­rung sagt mir, dass ich Teil einer Bür­ger­funk­sen­dung war, als der „Glo­bal March“ 1998 durch Her­ne zog, und da war ich noch auf der ande­ren Sei­te des Mikro­fons. Ich war also schon ein wenig ner­vös.
Ich hat­te mich oben­drein auch noch auf das Inter­view mit Dani­el Fie­ne am 2. Janu­ar, aus wel­chem die O-Töne stam­men, vor­be­rei­tet und mir extra noch tages­ak­tu­el­le Zei­tun­gen gegönnt und sie in ähn­li­cher Manier wie damals wäh­rend des Expe­ri­ments gele­sen. Was für ein Feh­ler! Für das Inter­view wäre es nicht nötig und für mei­ne Ner­ven bes­ser gewe­sen, ich hät­te es gelas­sen. Am zu hören­den Ergeb­nis änder­te das aber nichts.

Das Lesen der Zei­tun­gen am Tag des Inter­views brach­te mir letzt­lich doch etwas, ein paar mehr oder min­der erschüt­tern­de Erkennt­nis­se.

  1. Es ste­hen schon ziem­lich vie­le Agen­tur­mel­dun­gen in so einer Zei­tung, gefühlt ein Vier­tel im über­re­gio­na­len und im Sport­teil waren es schon. Ledig­lich lokal gab es kei­ne Agen­tur­mel­dun­gen – aber wel­che Agen­tur berich­tet auch schon nur über Her­ne oder Dort­mund?
  2. Allen Beteue­run­gen zum Trotz, dass mit der Schaf­fung eines News­desks für den Man­tel­teil die jour­na­lis­ti­sche Viel­falt in der WAZ-Medi­en­grup­pe nicht gerin­ger wür­de, waren mehr als zwei Drit­tel aller Tex­te im Man­tel­teil von WAZ und West­fä­li­sche Rund­schau bis auf die For­mu­lie­rung und die Schrift­art der Über­schrif­ten iden­tisch. Was für ein Armuts­zeug­nis!
  3. Die Ruhr­nach­rich­ten sind zwar nicht schön, aber wenn man nur die Ruhr­nach­rich­ten und die West­fä­li­sche Rund­schau in Dort­mund hat, kann man nicht wäh­le­risch sein. Der Man­tel (also das Über­re­gio­na­le und Regio­na­le) der WAZ schien mir eigen­stän­di­ger und bes­ser, im Lokal­teil sah ich die Ruhr­nach­rich­ten vor­ne – aber viel tun sie sich bei­de nicht.
  4. Alle drei Zei­tun­gen, die ich zur Vor­be­rei­tung las (WAZ, WR, RN) gewin­nen gegen die Rhei­ni­schen Post aus Düs­sel­dorf kei­nen Stich. Die RP wirkt auf­ge­räum­ter, sie wirkt groß­zü­gi­ger, was die Aus­nut­zung des For­mats angeht und sie bie­tet die län­ge­ren Geschich­ten. Zudem schien sie deut­lich weni­ger Agen­tur­mel­dun­gen zu haben als die ande­ren Zei­tun­gen, aber dafür waren über­durch­schnitt­lich vie­le Mel­dun­gen mit „(RP)“ gekenn­zeich­net – ein Eti­ket­ten­schwin­del?

Ins­ge­samt war es also schon inter­es­sant zu sehen, was pas­sie­ren kann, wenn man Zei­tung liest. Viel­leicht soll­te ich es wie­der tun, wenn ich umge­zo­gen bin. Gra­tis-Abos bit­te vor!

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4 Kommentare

  1. In Wup­per­tal sieht die Viel­falt an Zei­tun­gen noch dün­ner aus: Regio­nal gibt es nur die West­deut­sche Zei­tung (WZ) mit dem Gene­ral Anzei­ger als Lokal­teil. Es gibt zwar eini­ge Stadt- und Stadt­teil-Zei­tun­gen, die auch alle gra­tis sind, die gehö­ren aber auch alle zur WZ.
    Ich bin ja ein Freund der taz und hat­te sie auch im Pro­be-Abo, aller­dings wird sie in Wup­per­tal mit der Post und nicht vom Zei­tungs­aus­trä­ger gebracht, sodass sie erst gegen Mit­tag oder manch­mal erst am fol­gen­den Tag im Brief­kas­ten lag – das ist für eine Tages­zei­tung lei­der ein unhalt­ba­rer Zustand, zumal ich mor­gens in Bus und Schwe­be­bahn am ehes­ten zum Zei­tungs­le­sen kom­me. Da kau­fe ich mir lie­ber die taz für etwas mehr am Kiosk und nur dann, wenn ich wirk­lich dazu kom­me, sie zu lesen, als sie im Abo etwas güns­ti­ger und zu spät zu bekom­men, sodass sie sich lei­der unge­le­sen bei mir sta­peln.

    • In Her­ne gibt es ja auch nur die WAZ mit einem Lokal­teil, und die Anzei­gen­blät­ter sind da auch ver­gleich­bar. Die taz hat­te ja mal einen NRW-Teil. Wenn sie per Post zu spät kommt, wäre da ein E-Paper nicht eine Alter­na­ti­ve für dich?

      • E-Paper kam mir bei der taz bis­her nicht in den Sinn, da alle Arti­kel der taz auch inner­halb eines Tages online erschei­nen (wenn auch eini­ge nur über das Archiv/die Suche zu fin­den sind). Die Arti­kel auf der Sei­te kann ich dann direkt auch noch flat­tern und über Twit­ter oder Quote.fm tei­len. Wie das mit einem E-Paper oder der App aus­sieht, weiß ich nicht, sehe aber für mich noch kei­nen Vor­teil dar­in – falls E-Paper und App auch die glei­chen Mög­lich­kei­ten wie die Web­sei­te bie­ten, fin­de ich das gut, befürch­te aber, dass die bis­her weder Flattr- noch Quote.fm-Anbindung bie­ten.

  2. Pingback: Netzrückblick • 09.01.2013 | Henning Bulka | Journalist

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