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… und dann war ich plötzlich im Radio.

Als Otto Normalverbraucher wird man nicht oft interviewt. Wozu auch? Wie ich die letzten Diätenerhöhung finde? Was ich zu den hohen Spritpreisen sage? Ob ich als junger Mensch überhaupt weiß, was der Elysée-Vertrag ist? Mehr als ein kurzer O-Ton in einem Stimmungsbild ist zumeist nicht drin. Man muss wohl schon etwas ausgefressen haben, um mehr als zwanzig Sekunden im Radio zu hören zu sein oder gar ein paar mehr Zeilen in der Zeitung zu bekommen – und das habe ich wohl.

In meinem Fall reichte es aus, zwei Wochen lang eine Tageszeitung zu lesen, um ins Radio zu kommen. Gut, ich hatte die Erfahrung ziemlich ausführlich verbloggt, das half vielleicht ein bisschen. Wer wissen möchte, was ich zur Zeitungskrise zu sagen hatte bzw. ob ich (ja, ICH) eine Zeitung abonnieren würde und wenn ja, unter welchen Umständen, kann sich das hier anhören. Keine Sorge, ich bin ziemlich am Anfang dran.

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Das Transkript dazu gibt es bei WDR, ebenso wie die ganze Sendung.

Ein kleiner Blick hinter die Kulissen

Es ist schon ein paar Tage her, dass ich zuletzt im Radio war. Meine Erinnerung sagt mir, dass ich Teil einer Bürgerfunksendung war, als der „Global March“ 1998 durch Herne zog, und da war ich noch auf der anderen Seite des Mikrofons. Ich war also schon ein wenig nervös.
Ich hatte mich obendrein auch noch auf das Interview mit Daniel Fiene am 2. Januar, aus welchem die O-Töne stammen, vorbereitet und mir extra noch tagesaktuelle Zeitungen gegönnt und sie in ähnlicher Manier wie damals während des Experiments gelesen. Was für ein Fehler! Für das Interview wäre es nicht nötig und für meine Nerven besser gewesen, ich hätte es gelassen. Am zu hörenden Ergebnis änderte das aber nichts.

Das Lesen der Zeitungen am Tag des Interviews brachte mir letztlich doch etwas, ein paar mehr oder minder erschütternde Erkenntnisse.

  1. Es stehen schon ziemlich viele Agenturmeldungen in so einer Zeitung, gefühlt ein Viertel im überregionalen und im Sportteil waren es schon. Lediglich lokal gab es keine Agenturmeldungen – aber welche Agentur berichtet auch schon nur über Herne oder Dortmund?
  2. Allen Beteuerungen zum Trotz, dass mit der Schaffung eines Newsdesks für den Mantelteil die journalistische Vielfalt in der WAZ-Mediengruppe nicht geringer würde, waren mehr als zwei Drittel aller Texte im Mantelteil von WAZ und Westfälische Rundschau bis auf die Formulierung und die Schriftart der Überschriften identisch. Was für ein Armutszeugnis!
  3. Die Ruhrnachrichten sind zwar nicht schön, aber wenn man nur die Ruhrnachrichten und die Westfälische Rundschau in Dortmund hat, kann man nicht wählerisch sein. Der Mantel (also das Überregionale und Regionale) der WAZ schien mir eigenständiger und besser, im Lokalteil sah ich die Ruhrnachrichten vorne – aber viel tun sie sich beide nicht.
  4. Alle drei Zeitungen, die ich zur Vorbereitung las (WAZ, WR, RN) gewinnen gegen die Rheinischen Post aus Düsseldorf keinen Stich. Die RP wirkt aufgeräumter, sie wirkt großzügiger, was die Ausnutzung des Formats angeht und sie bietet die längeren Geschichten. Zudem schien sie deutlich weniger Agenturmeldungen zu haben als die anderen Zeitungen, aber dafür waren überdurchschnittlich viele Meldungen mit „(RP)“ gekennzeichnet – ein Etikettenschwindel?

Insgesamt war es also schon interessant zu sehen, was passieren kann, wenn man Zeitung liest. Vielleicht sollte ich es wieder tun, wenn ich umgezogen bin. Gratis-Abos bitte vor!

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4 Kommentare

  1. In Wuppertal sieht die Vielfalt an Zeitungen noch dünner aus: Regional gibt es nur die Westdeutsche Zeitung (WZ) mit dem General Anzeiger als Lokalteil. Es gibt zwar einige Stadt- und Stadtteil-Zeitungen, die auch alle gratis sind, die gehören aber auch alle zur WZ.
    Ich bin ja ein Freund der taz und hatte sie auch im Probe-Abo, allerdings wird sie in Wuppertal mit der Post und nicht vom Zeitungsausträger gebracht, sodass sie erst gegen Mittag oder manchmal erst am folgenden Tag im Briefkasten lag – das ist für eine Tageszeitung leider ein unhaltbarer Zustand, zumal ich morgens in Bus und Schwebebahn am ehesten zum Zeitungslesen komme. Da kaufe ich mir lieber die taz für etwas mehr am Kiosk und nur dann, wenn ich wirklich dazu komme, sie zu lesen, als sie im Abo etwas günstiger und zu spät zu bekommen, sodass sie sich leider ungelesen bei mir stapeln.

    • In Herne gibt es ja auch nur die WAZ mit einem Lokalteil, und die Anzeigenblätter sind da auch vergleichbar. Die taz hatte ja mal einen NRW-Teil. Wenn sie per Post zu spät kommt, wäre da ein E-Paper nicht eine Alternative für dich?

      • E-Paper kam mir bei der taz bisher nicht in den Sinn, da alle Artikel der taz auch innerhalb eines Tages online erscheinen (wenn auch einige nur über das Archiv/die Suche zu finden sind). Die Artikel auf der Seite kann ich dann direkt auch noch flattern und über Twitter oder Quote.fm teilen. Wie das mit einem E-Paper oder der App aussieht, weiß ich nicht, sehe aber für mich noch keinen Vorteil darin – falls E-Paper und App auch die gleichen Möglichkeiten wie die Webseite bieten, finde ich das gut, befürchte aber, dass die bisher weder Flattr- noch Quote.fm-Anbindung bieten.

  2. Pingback: Netzrückblick • 09.01.2013 | Henning Bulka | Journalist

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