Gesellschaft
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#election12: Eindrücke und Ausblicke

Mitternacht

Was tut man nicht alles, bloß weil US-Wahl ist. Manchmal guckt man sogar Markus Lanz. Lanz ist nun Geschichte, zum Glück. Hätte er nicht einen hundertprozentigen Romney-Anhänger in seiner Runde gehabt, hätte man es sich noch mehr schenken können, als man es eh hätte tun sollen. Lanz halt.
Jetzt aber steht Bettina Schausten vor einer riesigen Leinwand voller Korrespondenten und jeder sagt mal was und dann zeigt ein Mensch ein paar statische Diagramme und verliert ein paar Sätze dazu und es ist nicht einmal schön.
Nicht einmal das originale Claus-Kleber-erklärt-die-US-Wahl-Video wurde so gut belassen, wie es war.

0.55 Uhr

So groß auch der Rummel ist, den das ZDF mit dem #zdfcamp macht, so peinlich ist die Wahlsendung bisweilen auch. Bettina Schausten eiert von einer Station zur nächsten, in der einen Ecke steht die Twitter-Frau mit Gästen aus der Berliner Blase am Diner, in der anderen Ecke hampelt eine US-Musik machende Band herum und dazwischen versucht Sonja Schünemann, die Miss Ich-kann-Internet, eine solide Leistung abzuliefern. Aua.

2.40 Uhr

Ich brauche Mate – und ein wenig Klarheit. Irgendwie hat jede Seite andere Zahlen. CNN vermengt Ergebnisse mit Hochrechungen, Prognosen und Exit Polls, Newsseiten wie New York Times, Huffington Post oder Guardian heben „Ergebnisse“ heraus, aber wenn man mit der Maus auf die jeweiligen Staaten geht, dann steht da, dass dort noch nichts ausgezählt ist. Von den deutschen Sender ARD und ZDF wollen wir gar nicht reden, die haben einfach Zahlen, woher auch immer sie kommen.
Was noch auffällt: CNN kloppt eine Zahl nach der anderen heraus, Präsidentenwahl, Senat und Repräsentantenhaus, das ZDF kennt nur den Präsidenten und hat sich dafür ein hässliches Laufband gegönnt.
Was das On-Air-Design angeht, verpackt CNN einfach mehr Informationen in ein Bild, und schön sind heute weder ZDF noch CNN. Und damit zurück in die angeschlossenen Funkhäuser.

4.40 Uhr

Jetzt hilft auch keine Mate mehr, ich will nur noch ins Bett. Im ZDF sitzen die hiesigen Parteifunktionäre und spannend wird es nur, wenn mal die Korrespondenten wen aufgabeln oder Sonja Schünemann das Netz in die Welt zurückträgt. CNN ist hektisch wie eh und je und konkrete Zahlen werden irrelevanter, je später es wird, solange die Aussage stimmt. Solange es nur bald einen Gewinner gibt, ist alles gleich, mir jedenfalls. Die Euphorie, die vor vier Jahren noch vorherrschte, ist auf jeden Fall verflogen. Aber wen wundert es? Einerseits ist es um Welten knapper als 2008, andererseits ist es nicht so knapp, dass wir jetzt noch alle gebannt warten müssten, nur Florida tut so, als müsste es noch ein bisschen spannend bleiben.

5.18 Uhr

CNN verkündet die prognostizierten Wiederwahl von US-Präsident Obama, jetzt kann ich schlafen. Noch ne Stunde länger, und ich wäre raus aus meinem Tief. Eines muss man ja festhalten: Von den großen US-amerikanischen Networks war CNN das letzte, welches die Neuigkeit verkündete, und dennoch waren sie allesamt schneller als das ZDF. Der Atlantik ist halt nicht klein.

PS: Wir erinnern uns an einen Herrn Stoiber und einen Herrn Kerry. Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen.

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