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Ich mach’s dual #2: Ersti-Woche oder I-Dötzchen hat man auch an die Hand genommen

Einschreiben ist nicht schwer, studier’n dagegen sehr. Wenn ich mir jedoch durchlese, wie Anke Gröner an ihr Studium kam, dann kann ihr Studium nur die Ausnahme von der Regel sein. Bei mir war jedenfalls alles problemlos möglich.

Was die Uni von anderen staatlichen Bildungseinrichtungen unterscheidet, ist die Art und Weise, wie sie mit ihren I-Dötzchen umgeht. Hier heißen die I-Dötzchen „Erstis“ und ebenso wie in anderen staatlichen Bildungseinrichtungen kann man sie sehr gut erkennen. Sie sind jünger als alle anderen, sie kennen sich nicht aus und sie treten bevorzugt in ganz großen Gruppen auf. Das ist erst einmal so, aber es hat nunmal auch Nachteile, denn diese Gruppen stehen vor allem anderen erst einmal mitten im Weg. Damit dieser Zustand schnell Geschichte ist, gibt es an vielen Uni eine Einführungswoche (die anderswo auch mal O-Woche, also Orientierungswoche, heißen kann). Ihr Ziel ist es, die I-Dötzchen so an die Hand zu nehmen, dass sie nach dieser Woche einigermaßen selbständig studieren können. Ob sie ihr Ziel erreicht, steht auf einem ganz anderen Blatt.

Dieser Anfang kann auch dein Ende sein

Ich gestehe: Ohne Notizen von dammals™ weiß ich nicht mehr so viel aus der Einführungswoche wie ich wissen könnte, hätte ich mir Notizen gemacht. Nur so viel: Aufgrund der ganzen tagesfüllenden Aktivitäten durfte ich während der Einführungswoche der Arbeit fernbleiben und den Unibesuch genießen – für jemanden, der schon einmal studiert hat und bereits in den Genuss einer O-Woche gekommen war, ein zweifelhaftes Vergnügen, denn letztlich war es sehr ähnlich.
Es begann am Montag mit einer Begrüßungsveranstaltung, zu der alle Erstis geladen waren, die hiesige Uni-Halle zu be- und überbevölkern. Ich möchte nicht wissen, wie es im nächsten Jahr sein wird, wenn hier in NRW zwei Jahrgänge ihr Abitur in den Taschen haben und an die Unis strömen werden.

Die Uni-Halle, die eigentlich primär eine Sporthalle mit Tribünen ist, war bis auf den letzten Platz besetzt, und dennoch mussten viele neue Studierende stehen. Unten, auf den Spielfeld, war ein Podium aufgebaut, davor gab es die ersten Sitzplätze, rund um die Sitzgelegenheiten hatten die verschiedenen universitären Institutionen (Hochschulgemeinden, Uni-Kindergarten, Sprachlehrinstitut etc.) ihre Stände aufgebaut. Die Veranstaltung selbst war das, was man erwarten konnte: mehr oder minder trockene Begrüßungsworte, Vorstellungen der Fachbereiche und dazwischen, damit es nicht ganz so fad wirken würde, ein bisschen Chor. Nu.

Wenn man da sitzt, und den ganzen Spaß im Prinzip schon kennt, kann man sich vom Inhalt lösen, und ein bisschen mehr auf den Stil achten – und da merkt man dann schon, wer die Geisteswissenschaften vertritt und wer die Wirtschaftswissenschaften. Es klingt platt und ausgelutscht, aber es ist wohl wirklich so stereotyp. Wenn man von diesen Stereotypen aber mal absah, war ich mir noch immer sicher, dass ich in Wuppertal Studieren wollen würde.

In Zweierreihen auf der Suche nach Räumen und Kommiliton_innen

Der spannendere Teil war der, der nach der Begrüßungsveranstaltung begann. Die Fachbereiche schnappten sich ihre Erstis (oder simulierten wenigstens, dass sie das womöglich wollen würden könnten), teilten sie in handlichen Gruppen auf, und führten sie – gleich einer (in meinem Fall miserablen) Stadtführung – über den Campus, um ihnen zu zeigen, wo was zu finden sei, und wie man etwas finden könnte, wenn man nicht schon wüsste, wo es ist.
Darüber hinaus gab es auch noch eine sozusagen virtuelle Campusführung, in der wir erfuhren, worauf wir in unserem Studium alles zu achten hätten und was wir beachten sollten. In aller Kürze ließ es sich aber auf zweieinhalb Dinge reduzieren. Erstens: Wendet euch an eure Mentoren (dazu in einem späteren Beitrag mehr). Zweitens: Wendet euch an eure Fachschaft (auch dazu später mehr). Und drittens: Stick to your Prüfungsordnung.

Die Prüfungsordnung

Fragt nicht eure Profs, was ihr tun müsst, um die für euch nötigen Punkte zu bekommen. Wenn zehn verschiedene Studiengangsbiografien in einer Veranstaltung sitzen, können die Dozent_innen nicht wissen, was genau ihr braucht. Das weiß eure Prüfungsordnung, die in der Regel vom Beginn eures Studiums bis zum Ende ihre Gültigkeit behält, und die ihr euch deshalb un-be-dingt herunterladen und oder abheften solltet. Dort könnt ihr nachlesen, wieviele Punkte ihr in welchem Modul braucht. Was genau man dafür tun muss, findet sich mit Glück (will heißen: sofern vorhanden) in einem Studienverlaufsplan oder sogar einem Stundenplan. Auch wenn es keinen Spaß macht, dieses Machwerk zu lesen, ist es wirklich das Dokument, das ihr von allen am ehesten auswendig können solltet. Okay, das ist übertrieben. Aber bevor ihr euch bei Facebook oder sonstwo öffentlich darüber beklagt, dass Prof X seine Prüfungsergebnisse immer noch nicht bekanntgegeben hat, werft doch mal lieber einen Blick in die Prüfungsordnung. Da steht nämlich drin, wie lange Prof X dafür brauchen darf, und was ihr danach tun könnt außer lautstark Tränen zu vergießen.

Studentenleben?

Abgesehen von diesem offensichtlichen Nutzwert hatten diesen ersten Tage (und auch der Rest dieser Woche) aber einen mindestens ebenso wichtigen Nutzen: Ich lernte Leute kennen.

Ich weiß, ihr kennt meine Haltung zu Menschen – Iih, bäh! – nur ein bisschen, aber trotz- oder gerade deswegen kann ich euch nur einen Rat geben: Lernt Leute kennen, bildet Banden! Bildet meinetwegen auch nur Gruppen, aber sprecht miteinander. Wenn fünf Leute keinen Plan haben, wo sie wie hingehen müssen, können sie sich wenigstens was Tolles ausdenken oder aus Versehen doch den Weg finden. Außerdem fühlen sie sich nicht ganz so hilflos dem unübersichtlichen Unigewusel ausgeliefert.

Das ist es, was diese Einführungswoche ausmacht: Neben einem rudimentären Überblick über die Abläufe an einer Uni – zu genau, um völlig ahnungslos zu bleiben, aber zu ungenau, um danach keine Fragen mehr zu haben – lernt ihr Menschen kennen, findet Gruppen, mit denen ihr zusammen studieren (und auch feiern) könnt. Ohnehin: feiern scheint sehr wichtig zu sein. Stadtführungen sind in der Einführungswoche ebenso üblich wie gemeinsame Kneipentouren (muss man ja alles mal kennengelernt haben) und Campusfeiern. Dass man davon als Ersti, der potenziell nach 22 Uhr nicht mehr nach Hause kommt, und im Zweifel am nächsten Tag arbeiten muss, nicht ganz so viel hat, steht auf einem anderen Blatt und ist das Schicksal der dualen Studierenden, die auch noch mit der Bahn pendeln müssen. Aber wer tut das schon?

Wie das eigentliche Studieren dann anfing, das erzähle ich euch ein anderes Mal.

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