Gedöns
11 Kommentare

Hallo Espresso!

Wer einen Rechner einrichten will, muss ihm einen Namen geben. Die meisten von uns vergessen diese Namen dann ganz schnell – immerhin gibt es ja auch keinen Grund ihn sich zu merken. Mir ging es nicht anders. Als ich mir aber Anfang 2009 – damals, als Netbooks noch neu und toll und so waren – mein Samsung NC10 gönnte, war ich noch immer von „Naked Lunch“ so beeindruckt, dass ich diesem kleinen, weißen Netbook einen Namen gab. Clark Nova.

Mein neues Notebook | Foto: dogma_85p – flickr.com – CC-BY 2.0

Bei einer der unzähligen Neuinstallation meines 2007 erstandenen 17-Zoll-Notebooks bekam das „Acerchen“, wie es damals hieß, und wie ich es heute immer noch nenne, dann den Namen „Martinelli“.

Warum ich das erkläre?

Weil ich es noch immer so mache, und mein geschätztes Acerchen nun auf’s Altenteil kommt, beziehungsweise in die treuen Hände des Halbbluthobbits (womit es nun offiziell kundgetan wurde).

Ein kleiner Rückblick

Wenn ich so zurückblicke, sind doch schon eine Notebooks durch meine Hände geronnen. 2003 fing ich mit einem IBM ThinkPad an, das damals schon gebraucht war … es hatte, wenn ich mich recht entsinne, einen Prozessor mit stolzen 400 MHz, 128 MB SDRAM (!) und 6 GB Festplatte und war – bis auf einen manchmal wie besoffen eiernden, aber sonst unglaublich tollen Trackball – unkaputtbar. Selbst eine gescheiterte Installation von SuSE von einer ComputerBILD-CD konnte dieses tolle Teil nicht umbringen. Bis es einmal zu oft und mit zu viel Schwung von der Schreibtischkante flog. Man nannte es „aufräumen“.

Nachfolger dieses treuen Gesellen musste ein auf die Schnelle organisierter Toshiba Satellite L20 sein (mehr gab mein Budget nicht her, und ich hatte nur eine Woche zum Entscheiden). „Toshi“ (da war der erste Name geboren) überlebte so manche Abenteuer mit mir wie einen der ersten Workshops unter Palmen und meinen Zivildienst in der Eifel inklusiver kalter Nächte an einem regendurchtropfenden Bushaltestellenhaus. Dort fand Toshi 2007 dann auch sein vorläufiges Ende. Ich glaubte schon nicht mehr an eine Reanimation, aber dank kundiger Hände in der Bewatt wurde Toshi, nachdem ich ihn schon – mal wieder in einer Hauruck-Aktion, denn es eilte – durch das Acerchen ersetzt hatte, am Bildschirm operiert und erfreut sich seitdem – die Programme und das Internet werden auch nicht ressourcenschoneneder – zunehmend asthmatisch schnaufend beim Halbbluthobbit ohne WLAN.

Nun also wird das Acerchen in neue Hände gehen. Es war nicht unbedingt Liebe auf den ersten Blick. Das Acer Aspire 7520, wie es sich offiziell schimpft, war natürlich um Welten schneller; es konnte Hyperthreading, hatte immerhin 1,8 GHz Prozessorleistung, eine NVidia GeForce-Grafikkarte, 160 GB Festplatte und bei 17 Zoll Bildschirmdiagonale sogar ausreichend Platz für einen separaten Ziffernblock. Nur der Arbeitsspeicher war mit einem Gigabyte und Windows Vista mehr als nur knapp, aber wofür gab es Feinmechanikerschraubendreher und Elektroramschketten? Dieses Schmuckstück von Acerchen ließ mich die :>krass gestalten, es wurde mit Windows 7 und mehr Arbeitsspeicher aufgerüstet, es durfte von Anfang an Ubuntu-Luft schnuppern und läuft noch heute mit der Kraft der zwei Herzen, es hat eigentlich alles mitgemacht, was ein Notebook als Arbeitstier mitmachen konnte, und verlor mit dem Alter nur ein wenig an Ausdauer, aber ich habe es ja auch nicht geschont. Und nun?
Ich werde es noch einmal kräftig durchpusten, zurechtmachen, auffrischen, es vererben und ziemlich vermissen.

Zurück in die Zukunft

Seinen Nachfolger verdanke ich dem Notebook-Pool des Fachbereichs E der Universität Wuppertal, es ist ein Notebook. Es ist ein Fujitsu Lifebook E751. Es hat all das nicht, was das Acerchen hatte, hat dafür aber alles, was das Acerchen nicht hatte. Oder so. Der Karton hatte nicht einmal einen Henkel.
Welcher Scherzkeks hat #Fujitsu eigentlich davon abgehalten, deren Notebookkartons ohne Griff o.ä. zum Tragen auszurüsten?

Es hat kein 17-Zoll-Display, sondern nur 15,6 Zoll, die dafür aber matt sind. Es hat (wie sollte es anders sein?) einen stärkeren Prozessor und viel mehr Arbeitsspeicher. Es hat von vornherein Windows 7, meckert aber seit gestern (also seit ich es habe), dass die Version nicht aktiviert ist und umgehend aktiviert werden müsse. Die Anmeldung an MSDN-AA zur Aktivierung der Lizenz (was man nicht gut finden muss, Open Source und so) kann aber noch eine halbe Ewigkeit dauern. Es wiegt gefühlt zehn Kilo weniger und es ist um Welten schneller, aber die Tastatur hat keinen Druck- sondern einen Matschpunkt und obendrein keinen Ziffernblock, und es ist aufgeklappt so hässlich – und es hat kein optisches Laufwerk. Vor Monaten, als die Lieferung der Lifebooks an die Uni erfolgte, hieß es, man hätte einen Fehler gemacht, und die DVD-Laufwerke würden binnen zwei Wochen geliefert. Nun sind selbst zwei Monate um und man weiß noch immer von nichts. Wie soll ich denn so arbeiten?

Nu, genug gejammert. Ich werde mich an das Elend gewöhnen. Begrüßt also mit mir mein neues Arbeitstier, mein Lifebook mit dem Namen „Espresso“. Irgendwann werde ich auch ihn vermissen; zumindest fürchte ich das. Nur eines wird mir nie fehlen: die dummdreist nicht ganz oben rechts platzierte „Entf“-Taste. Da ist nämlich Pause.

Korrektur

Madame Halbbluthobbit wies mich in den Kommentaren zurecht darauf hin, dass Toshi kein Toshiba L30 sondern ein L20 ist. Ich habe das im Text korrigiert. Thomas erinnerte daran, dass das ThinkPad sogar nue 400 MHz hatte. Auch das ist geändert. Es wäre jedenfalls noch immer von InDesign und Co. überfordert.

Teilt meinen Text
Tweet about this on TwitterShare on FacebookShare on Google+Share on TumblrEmail this to someone

11 Kommentare

  1. Willkommen in der familglia, „Espresso“.
    Wirst schon sehen, hier bleibt alles untereinander und jeder hatte jedes Notebook schon mal unter den vom Tippen verhornten Fingerspitzen.

    Mal was anderes: YEAH ACERCHEN! ♥
    Es ist so schön und groß und sieht, wenn ich davor sitze, total professionell aus, fast so, als hätte ich wirklich Ahnung! ♥

    (Getippt von einem gefühlt 80° C heißen Toshi, der, seit mein Windows mitgeschnitten hat, dass es nicht echt ist, noch mehr einstecken muss als sonst. Mein armer, alter Herr…)

    • Dogma Pillenknick sagt

      Bis das Acerchen in deinen Armen liegen wird (bzw. deine Arme durchhängen wird), kann es noch ein paar Tage dauern … ein DVD-Laufwerk brauche ich dann doch.

      • Wahrscheinlich genauso lang, wie ich brauche, um mich ausreichend für die Adoptionsgebühr zu prostituieren*.

        (*zu hungern)

  2. Pingback: Von lebenserhaltenden Maschinen im Hause Hobbit. | Ninette Halbbluthobbit

  3. Thomas sagt

    Thinki hatte nur 400 MHz und war später am Deckel gelb lackiert. Das Netzteil hat auch fleißig gelitten.

    • Dogma Pillenknick sagt

      Tcha. So täuscht die Erinnerung. Aber es war ein sehr solides Kistchen für sein Alter – und hatte noch keinen Eigennamen.

      • Thomas sagt

        Ich hab den Nachnachnachnachnachnachnachnachnachnachnachnachnachnachfolger (das Thinkpad T420s). Schönes schnelles Kistchen und schön leicht, wiegt etwa 1kg weniger als mein privates HP Probook.

        Leider ist der Name durch eine Namenskonvention im Unternehmen vorgegeben.

        Hauptsache läuft.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *