Gedöns
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Vincent hätte meer gewollt

Ich kann zwar keine Filmkritiken, und ich will auch keine Punkte vergeben, aber ich muss da gerade trotzdem mal ein wenig holzen, nachdem ich gestern „vincent will meer“ gesehen habe.

Die Handlung

Vincent (Florian David Fitz) hat Tourette und seine alkoholkranke Mutter ist tot. Sein Vater (Heino Ferch) kommt nicht mit ihm und seinen Tourette-Tics klar und schiebt ihn in eine Klinik ab. Da es ihm nicht, ihm seine Mitbewohnerin Marie (Karoline Herfurth) aber sehr gefällt, reißt er mit ihr im Wagen seiner Therapeutin (Katharina Müller-Elmau) aus und nimmt gezwungenermaßen, da er sonst alles auffliegen lassen würde, seinen zwangsneurotischen Bach liebenden Zimmernachbarn Alex (Johannes Allmeyer) mit. Da es der einzige Weg zu sein scheint, bricht die Therapeutin mit dem Vater in seinem Wagen auf und jagt ihnen hinterher, muss sich aber aufgrund ihrer Gegensätze zu sehr mit ihm streiten, weswegen sie unfähig sind, die drei Ausreißer einzufangen und letztlich im als gestohlenen Wagen der Therapeutin von der Polizei aufgegabelt werden, um spätestens auf einem italienischen Polizeirevier ihre Fehler zu erkennen und sich zu bessern. Dass Vincent, Marie und Alex auf ihrem Weg nach Triest (wo Vincent ein Bild seiner Mutter ans Meer bringen will, weil das ihr letzter Wille war, oder so) einen Tankstellenüberfall begehen, ruckzuck auf einen Berg und wieder herab steigen, Vincent und Marie sich näher kommen als Alex sehen will, Alex Vincent vor Maries Anorexie und Lebensunfähigkeit warnt, sie an ihre psychischen Grenzen kommen, sei nur der Form halber erwähnt, schließlich ist es ein Roadmovie. Am Ende treffen sich schließlich alle am Meer. Vincent und sein Vater versöhnen sich, Alex ist eigentlich auch ganz cool, Marie hat anorexiebedingtes Herzversagen und muss in die Klinik und die Therapeutin kann sich endlich ihre therapeutisches Versagen bei Marie eingestehen.

Das Holz

Halten wir fest: Es war allerhöchste Zeit, endlich mal einen Film zu machen, in dem der Protagonist ein Touretter ist. Was es nicht gebraucht hätte, waren die allzu stereotypen Nebenrollen, denen kaum Tiefgang zugestanden wird, und eine Handlung, die kein Gefühl für Timing und Realismus hatte. Da war halt plötzlich ein hoher Berg, den man mal eben an einem Tag zu Fuß erklimmen und wieder verlassen konnte und alles fühlte sich nach Filmende an, doch dann musste es ja unbedingt noch weiter ans Meer gehen, damit die anorektische Marie endlich zusammenklappen konnte, wenn sie das schon bei dem Gewaltmarsch zum Gipfel und zurück nicht durfte.
Sieht man davon ab, sind weder der Soundtrack noch die Kamera oder der Schnitt eine weitere Erwähnung wert. Klar waren die Bilder ein wenig klarer als man sie im Fernsehen erwartet, aber das war es auch schon und an den Soundtrack kann ich mich nicht mehr erinnern (obwohl: Hatte der Bach-Fan Alex nicht eine Beethoven-Ouvertüre dirigiert?).

Dem Trailer war es leider erfolgreich gelungen, Erwartungen zu wecken, die er nicht erfüllen konnte.
Rechnete ich mit einer schönen, guten Komödie mit Tiefgang, bekam ich einen Film, der eher vor sich hin dümpelte und ein paar Slapstickeinlagen zu bieten hatte. Mehr konnten wohl auch die durchweg guten schauspielerischen Leistungen nicht aus dem Stoff herausholen.
Am ehesten (und kürzesten) trifft es wohl mein Tweet, denn auch nach einer Nacht Rückblick kann ich es nicht wohlwollender sagen.
„Vincent will Meer“ – ein pädagogisches Feel-good-Movie mit leichten humoristischen und dramatischen Ausschlägen.

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