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VRRspätete Ankunft, dennoch pünktliche Abfahrt?

Der Ver­kehrs­ver­bund Rhein-Ruhr (VRR) ist einer der größ­ten Ver­kehrs­ver­bün­de Deutsch­lands. Er reicht von der deutsch-nie­der­län­di­schen Gren­ze im Wes­ten bis nach Dort­mund im Osten, von Sythen im Nor­den bis nach Rom­mers­kir­chen im Süden. Mit dem Jah­res­wech­sel wur­de nun die Ver­kehrs­ge­mein­schaft Nie­der­rhein (VGN) in den VRR "ein­ge­mein­det" wer­den. Nun leben laut Selbst­dar­stel­lung rund 8,1 Mil­lio­nen Men­schen im Ein­zugs­ge­biet des VRR, die rund 1.200 Mil­lio­nen Fahr­gäs­te dar­stel­len.
Zufäl­lig gut pas­send, fak­tisch aber zufäl­lig zu die­ser Ein­ver­lei­bung – die Ver­kehrs­ver­bün­de waren von der vori­gen, schwarz-gel­ben Lan­des­re­gie­rung um eine Ver­ei­ni­gung gebe­ten wor­den – wur­de der VRR als über­le­ben­der Ver­bund kräf­tig auf­ge­hübscht. Er bekam 2010 zunächst ein neu­es Logo, wel­ches sich noch immer in der Umset­zung auf alle Mate­ria­li­en befin­det, und nun im Dezem­ber 2011 noch eine gene­ral­über­hol­te Web­sei­te.

Dass sich über den Relaunch nir­gends etwas zu lesen fin­det, nie­mand dar­über schreibt – nicht ein­mal der VRR – und auch die Suche nach Infor­ma­tio­nen sehr müh­sam war, soll­te an die­ser Stel­le Bän­de spre­chen. Fakt ist, dass eine VRR-inter­ne Pro­jekt­grup­pe am Rede­sign gear­bei­tet hat, wel­ches von der Pixel­park Agen­tur tech­nisch umge­setzt wur­de, wie es schon beim vori­gen Web­auf­tritt der Fall war. Einer kur­ze Anfra­ge per Mail beim Pres­se­stab des VRR um kurz vor Mit­ter­nacht folgt aber eine gute und aus­führ­li­che Ant­wort noch am Vor­mit­tag des nächs­ten Tages. Da macht wohl jemand nicht viel Auf­he­bens um so viel Arbeit!

Erster Eindruck

Ohne jetzt all­zu sehr in die Tie­fe des Web­de­signs ein­zu­stei­gen, lässt sich sagen, dass die neue Sei­te ein gro­ßer Gewinn zu sein scheint. Von ehe­mals 890 Pixeln Gesamt­brei­te wuchs die Sei­te auf nun­mehr knapp 1050 Pixeln – zu breit für fast jedes Net­book. Mit dem auf der Start­sei­te rie­si­gen Titel­bild sehe ich als Net­book­nut­zer aber eh nichts von der Sei­te außer dem Hin­weis, dass es dem­nächst aktu­el­le Mel­dun­gen geben soll, und dem Link zur Fahr­plan­aus­kunft. Die mitt­le­re der drei Spal­ten ist durch das Wachs­tum statt knapp 370 nun rund 480 Pixel breit ist – wenn es sie gibt.
Wäh­rend der alte Web­auf­tritt des VRR noch ein durch­ge­hen­des drei­spal­ti­ges Design besaß, kann sich der neue nicht ent­schei­den, ob er jetzt zwei­spal­tig, drei­spal­tig oder sogar vier­spal­tig sein will. Er weiß nicht ein­mal, ob alles zwi­schen Hea­der und Foo­ter nun gleich breit sein soll oder schma­ler; die Fahr­plan­aus­kunft ist hat näm­lich einen nur 820 Pixel brei­ten Con­tent-Bereich. Aber zur Fahr­plan­aus­kunft spä­ter mehr. Ein­zig mehr­heit­lich ein­heit­lich durch den mas­si­ven Ein­satz ist die Ver­wen­dung der grü­nen Far­be – und der Spit­ze, die aus fast allen Flä­chen her­aus­ragt und so zum Bei­spiel die Flä­che, auf der das Logo steht, über das Titel­bild lap­pen lässt.

"Der Kunde steht im Mittelpunkt" …

Was die gan­ze Sei­te unge­mein unüber­sicht­lich macht, ist ihre sprung­vol­le Spal­ten­ver­tei­lung. Was wirkt, als gäbe es sehr vie­le unter­schied­li­che Spal­ten­men­gen auf ver­schie­de­nen Sei­ten, ist haupt­säch­lich dem Umstand geschul­det, dass oft die rech­te der drei Spal­ten leer bleibt. In der lin­ken, ca. 200 Pixel brei­ten Spal­te fin­det sich – sofern sie vor­han­den ist – die Navi­ga­ti­on als Auf­lis­tung der Navi­ga­ti­ons­punk­te und dar­un­ter ein Kas­ten mit der Info-Hot­line. Zwi­schen die­ser Spal­te und den ver­blei­ben­den Spal­ten war­ten erstaun­li­che 48 Pixel Weiß­raum – Pixel, die dem Auf­tritt in den Spal­ten dane­ben schmerz­lich feh­len. Ohne­hin scheint den ver­blei­ben­den bei­den Spal­ten ein sehr enges Ras­ter zugrun­de zu lie­gen, was für eine sehr frag­men­tier­te Optik sorgt. Über­sicht­lich­keit geht anders, zumin­dest auf klei­nen Bild­schir­men. Auf gro­ßen Bild­schir­men wirkt das alles nicht ganz so dra­ma­tisch, auch wenn dort nega­tiv auf­fällt, dass die Sei­te mit ihrer schma­len obe­ren Leis­te mit­ten im Nichts auf­hört.

Kein Plan?

Über­sicht­lich­keit ist ohne­hin nicht die gro­ße Stär­ke der VRR-Sei­te. Sie ver­sucht eine Kom­ple­xi­täts­re­duk­ti­on durch das Ein­damp­fen der wich­ti­gen The­men auf weni­ge Menü­punk­te und ver­schiebt den Rest an den (rech­ten und unte­ren) Rand. Ein kom­plet­tes, all­um­fas­sen­des Menü fehlt. Die schma­le grü­ne Leis­te umfasst zwar gemäß dem Leit­mo­tiv "Der Kun­de steht im Mit­tel­punkt" wesent­li­che Menü­punk­te – allein eine Link zum Herz­stück der Sei­te, zur Fahr­plan­aus­kunft, fehlt dort. Dort­hin kommt man nur über die grü­ne Schalt­flä­che, die stets rechts unter dem wech­seln­den Hea­der­bild steht. Wer sich nicht über Tickets infor­mie­ren will, wer nicht wis­sen will, auf wel­che Wei­sen er zur einer Fahr­plan­aus­kunft kom­men kann oder was er in der VRR-Regi­on unter­neh­men kann, ist auf den Foo­ter ver­wie­sen, wo sich wei­te­re Menü­punk­te fin­den. Es ist ohne­hin ein Ver­lust, dass zumin­dest eine rudi­men­tä­re Fahr­plan­aus­kunft auf der Start­sei­te nicht mehr ver­füg­bar ist
Posi­tiv fest­zu­stel­len ist aber, dass jede Sei­te kon­se­quent per Bre­ad­crumb-Navi­ga­ti­on ver­ort­bar ist (man will sagen: immer­hin). Doch wenn man genau hin­schaut, stellt man fest, dass vie­le Infor­ma­tio­nen, die man gemein­hin eher sucht – also nicht unbe­dingt Hin­ter­grün­de über die Ver­bands­struk­tur – nun viel schnel­ler fin­det. Dass aus­ge­rech­net die Fahr­plan­aus­kunft nun wei­ter ent­fernt ist, muss man aber nicht ver­ste­hen.

Die Verfahrplanauskunft

So sieht EFA aus, wenn man nur 1024 Pixel in der Breite hat. Die Tarifauskunft funktioniert nicht.
Kern der alten VRR-Sei­te war die Fahr­plan­aus­kunft. Von der Start­sei­te konn­te man mit nur einem Klick zu einer brauch­ba­ren Ver­bin­dung kom­men, jetzt braucht es min­des­tens zwei und einen zusätz­li­chen Sei­ten­auf­ruf.
Ver­gleicht man nun die aus­führ­li­che, detail­liert ein­stell­ba­re Fahr­plan­aus­kunft, so wird schnell klar, dass die alte Sei­te auf den ers­ten Blick über­la­de­ner wirk­te, auf den zwei­ten aber nur alle ver­meint­lich kaum genutz­ten aus­blen­de­te, wäh­rend die neue Sei­te nach einem wei­te­ren Klick ein­fach alle mög­li­chen Ein­stel­lun­gen auf­lis­tet. Sobald ich erst ein­mal Start und Ziel ange­ge­ben habe, sehe ich neben einer Auf­lis­tung der mög­li­chen Ver­bin­dun­gen zusätz­lich noch eine Kar­te mit der aus­ge­wähl­ten Rou­te, eine Über­sicht der zum Dru­cken aus­ge­wähl­ten Ver­bin­dun­gen (das sind stan­dard­mä­ßig zunächst mal alle) und die Down­load­mög­lich­keit der Aus­hang­fahr­plä­ne von Start- und Ziel­ort. Das mag ja alles für sich ganz nett sein – mir per­sön­lich sagt aber die Lösung der Bahn mehr zu, die das gan­ze zunächst mal nicht zwei­spal­tig umsetzt, um allen Platz aus­zu­nut­zen, und dann auch alle wei­te­ren Optio­nen erst bei Bedarf per Klick öff­net.

So sieht EFA aus, wenn man 1440 Pixel in der Breite hat. Die Tarifauskunft funktioniert nicht.
Will man nun aber EFA (die Elek­tro­ni­sche Fahr­plan­aus­kunft) her­aus­for­dern, indem man Adres­sen statt Hal­te­stel­len als Start- und Ziel­punk­te und noch ein paar Kin­ker­litz­chen wie Umstie­ge und Umwe­ge angibt, lädt die neue Sei­te mit jeder Adress- bzw. Hal­te­stel­len­ein­ga­be neu, berech­net bereits die mög­li­chen Ver­bin­dun­gen und schließt die erwei­ter­ten Ein­stel­lun­gen – außer man ver­än­dert etwas an der Auf­ent­halts­zeit. Eine Garan­tie dafür, dass die Fahr­plan­aus­kunft auch Aus­künf­te aus­spuckt, die sie ken­nen soll­te (wie zum Bei­spiel in der oben ange­zeig­ten Ver­bin­dung), gibt es aller­dings nicht. Die­se Klick­or­gie, die bis­wei­len auch Dar­stel­lungs­feh­ler pro­du­ziert, ret­tet dann auch nicht, dass man nun (rudi­men­tä­re) Pend­ler­fahr­plä­ne erstel­len kann oder sich anmel­den kann, um sei­ne ange­frag­te Ver­bin­dun­gen zu spei­chern, denn mehr kann man mit sei­nen Zugangs­da­ten wirk­lich nicht machen – nicht ein­mal sie ändern oder löschen. Dass dann die Umlau­te nicht funk­tio­nie­ren und ich zu "Hen­dryk Schäfer" wer­de, ist eigent­lich nur ein Sym­ptom der neue Sei­te.

… und findet sich nicht wieder

Auch wenn es nicht mei­ne Absicht war, fin­de ich mehr stö­ren­de Aspek­te an der neu­en Sei­te als mir lieb sein kann. Ich hät­te sicher­lich noch län­ger suchen kön­nen. Ich hät­te mich begeis­ter­ter über die Pend­ler-Funk­ti­on zei­gen kön­nen. Ich hät­te auch die Idee hin­ter den ein­zel­nen Desi­gnele­men­ten tol­ler fin­den kön­nen. Allein das ändert nichts dar­an, dass mich die neue Fahr­plan­aus­kunft mit ihrer Funk­ti­ons­viel­falt erschlägt und ich einen Groß­teil des Ange­bots wahr­schein­lich kaum wahr­neh­men wer­de, weil ich nicht zuerst auf der VRR-Sei­te nach Aus­flugs­zie­len suchen wer­de. Und Bus­ver­bin­dun­gen suche ich wei­ter­hin bei der Bahn.

PS: War­um hat­te ich eigent­lich die lei­se Hoff­nung, der VRR wür­de bei einem Relaunch auf Web­fonts set­zen?
PPS: Eine für mobi­le Gerä­te opti­mier­te Sei­te wur­de ange­kün­digt, ist aber noch nicht online bzw. scheint, wenn es sie gibt, nicht zu funk­tio­nie­ren. Der aktu­el­le Mobil-Auf­tritt für alle, die nicht die VRR-App nut­zen wol­len oder kön­nen, ist jeden­falls anti­quiert!

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6 Kommentare

  1. Pingback: Links anne Ruhr (06.01.2012) » Pottblog

  2. Habe mich auch vor kur­zem über die neue Web­sei­te auf­ge­regt.
    Ich woll­te nur eine Ver­bin­dung suchen. Es war schlicht unmög­lich eine Fahr­plan­aus­kunft zu bekom­men.
    Wur­de die neue EFA eigent­lich jemals getes­tet? So etwas darf man doch nicht online stel­len.
    Gro­ßes Kino fin­de ich die Kar­te, mit Auto­bah­nen und so. Bin dann doch mit dem Auto gefah­ren.

  3. Jannis sagt

    Dan­ke für dei­nen Bei­trag.
    Ich sehe es auch so, dass der Relaunch eine Ver­schlech­te­rung dar­stellt.
    Ich wün­sche mir die alte, schlich­te VRR Sei­te zurück!

  4. Kai blub sagt

    Hal­lo,
    ich woll­te ledig­lich eine klei­ne Ergän­zung zum Mobi­len Web­auf­tritt der Vrr ein Wört­chen ver­lie­ren und zwar geht es um die besag­te VRR App. Eigent­lich genügt ein Blick auf die Bewer­tun­gen der App. im AppSto­re. Ein­fach mal die Kom­men­ta­re lesen…

    Ich kann nur aus eige­ner Nut­zungs­er­fah­rung sagen das es die schlech­tes­te App. Ist die ich je benutzt habe (4 Jah­re IPho­ne), stän­dig bleibt sie hän­gen oder stu­er­tzt ab. Es ist kaum zu Glau­ben das sowas oef­fen­flich ange­bo­ten wird, es wirkt wie eine Beta oder Alpha Ver­si­on.

  5. Dogma Pillenknick sagt

    @Kai Da scheint die Andro­id-App wohl ein biss­chen bes­ser zu sein, auch wenn sie – gera­de im Ver­gleich zur Bahn-App – sehr unüber­sicht­lich wirkt und rein optisch wenig mit der Web­sei­te zu tun hat. Immer­hin stürzt sie nicht ab.

  6. Für Andro­id kann ich die App Öffi emp­feh­len. Dar­an soll­te sich der VRR mal ein Bei­spiel neh­men.

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