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WAZ sollen wir lesen? das zeitungsabo-experiment (epilog in zwei teilen. zweitens)

WAZ sollen wir lesen

Nun ist es schon eini­ge Tage her, dass mein WAZ-Pro­be­abo aus­lief und irgend­wie gelang es mir auch, das auf­zu­schrei­ben, was ich dabei erleb­te und emp­fand. Aller­dings waren die­se Bei­trä­ge nicht unbe­dingt das, was ich per­sön­lich als wirk­lich kon­struk­tiv emp­fin­den wür­de. Sicher­lich, eini­ge Anmer­kun­gen gab es schon, die durch­aus jeman­dem etwas brin­gen könn­ten, aber im Gro­ßen und Gan­zen war es eher ein "Tu' das nicht! Hör' damit auf! Lass' das sein!". In die­sem, vor­erst letz­ten Bei­trag wird das alles anders, hier kommt mei­ne geball­te Wut kon­struk­ti­ve, posi­ti­ve Kri­tik, hier kom­men mei­ne Wün­sche an eine Tages­zei­tung, die ich ger­ne lesen möch­te!
Teil eins fokus­sier­te sich dabei auf die Aus­gangs­si­tua­ti­on, die Anfor­de­run­gen und das fak­ti­sche Ange­bot der WAZ und wird ende­te mit den Schwä­chen. In die­sem Teil geht es dann um die Stär­ken der WAZ und um mich und mei­ne Anfor­de­run­gen. Dar­an anknüp­fend stel­le ich mei­ne Wunsch­zei­tung vor, kon­fron­tie­re sie mit der Rea­li­tät und ver­su­che zu einer Lösung zu kom­men.
Ein eigent­li­ches Fazit, einen Rück­blick und eine abschlie­ßen­de Ein­schät­zung gibt es dann – im drit­ten Teil.

Die Stärken der WAZ

Es ist immer leicht, an ande­ren her­um zu nör­geln. Gutes zu benen­nen, fällt oft schwe­rer, viel­leicht auch, weil es so sel­ten wirk­lich auf­fällt, oder, um es in den Wor­ten Ger­rit van Aakens aus­zu­drü­cken: "Ich ent­de­cke jetzt, was schlech­te Lese­ty­po­gra­fie anstellt: Man bemerkt sie".
Also habe ich gesucht und gesucht, aber über soli­des Mit­tel­maß kam ich dann doch lei­der sel­ten hin­aus, und ich will die WAZ auch nicht degra­die­ren, indem ich ihre Mit­tel­mä­ßig­keit als Stär­ke her­aus­stel­le.
Die wirk­li­chen Stär­ken der WAZ sind lei­der sel­ten eige­ne Leis­tun­gen – klingt hart, ist aber so und las­sen sich mit Orpheus, Arach­ne und Zeus benen­nen. Man ver­zei­he mir bit­te die­sen, zuge­ge­be­ner­ma­ßen weit gespann­ten Bogen und sei auf mei­ne Aus­füh­run­gen gespannt.

Orpheus: Man muss sie nur reden lassen …

Wenn man sich mei­ne Tira­den so anhört bzw. durch­liest, dann mag man es kaum glau­ben. Jaaa, auch die WAZ kann erzäh­len, sie kann rich­tig gute Geschich­ten erzäh­len, gründ­lich recher­chiert, gut geschrie­ben, stim­mig bebil­dert, und das über mehr als zwan­zig Zei­len hin­weg. Das klingt jetzt sehr spöt­tisch, ist aber eher ein Aus­druck mei­ner Ent­täu­schung, denn da spielt auch hin­ein, dass die WAZ so sel­ten so gute Arti­kel ver­öf­fent­licht son­dern viel öfter durch klei­ne­re und grö­ße­re Feh­ler auf­fällt oder zumin­dest län­ger im Gedächt­nis bleibt.
Nichts­des­to­trotz: Die Repor­ta­ge über die Auf­lö­sung eines Klos­ters ist mir noch jetzt ziem­lich prä­sent, und das will schon was hei­ßen.

Arachne: Im Netz kennt sie sich aus

Man mag derwesten.de nicht für das schöns­te Tages­zei­tungs­por­tal hal­ten, nicht für das schnells­te, inno­va­tivs­te oder größ­te, aber es hat Hand und Fuß und einen unwi­der­steh­li­chen Charme – wenn man auf den brei­ten Spa­gat zwi­schen toll twit­tern­der Che­fin vom Dienst und pöbeln­dem, aber immer­hin regis­trier­ten Mob steht.
Eines muss man derwesten.de näm­lich wirk­lich las­sen: Das Schau­fens­ter mit den fünf Top­mel­dun­gen fällt auf, auch wenn mein Net­book (und wohl nicht nur meins) schon vor der ers­ten "rich­ti­gen" Mel­dung zu Ende ist. Die Tren­nung der Mel­dun­gen in regio­nal und über­re­gio­nal trägt zwar dazu bei, dass ich die Sei­te als nicht son­der­lich luf­tig emp­fin­de, ist aber doch ein gutes Allein­stel­lungs­merk­mal und zeigt doch deut­lich, dass die WAZ (mit der NRZ und der WR und der WP und dem IKZ) eine regio­na­le Tages­zei­tung ist. An die­ser Stel­le ist derwesten.de nicht ver­wech­sel­bar, wie es vie­le ande­re Web­sites von Tages­zei­tun­gen sind, weil sie alle mit den gro­ßen bun­des­po­li­ti­schen Ereig­nis­sen auf­ma­chen. Das kön­nen die über­re­gio­na­len Tages­zei­tun­gen taz, Frank­fur­ter Rund­schau, FAZ, Süd­deut­sche und das Klo­pa­pier mit den vier Buch­sta­ben zumeist bes­ser.
Dass Der­Wes­ten flei­ßig Face­book nutzt und twit­tert als hät­ten sie Ahnung davon und Humor (Hey, das war ein Kom­pli­ment!), ist abso­lut lobens­wert und toll; in Sachen Face­book wüss­te ich nur Anten­ne Düs­sel­dorf mit einer ähn­li­chen Kom­pe­tenz und bei twit­ter ist nur die Rhein-Zei­tung aus Koblenz ver­gleich­bar gut.
Scha­de nur, dass die Com­mu­ni­ty lei­se ableb­te und dass die Blogs von Der­Wes­ten über kei­nen RSS-Feed ver­fü­gen. Sicher, so ist jeder Auf­ruf ein gezähl­ter Klick (ich sage nur "Auf­la­ge" und möch­te die IVW grü­ßen), aber eher suche ich nach einer Lösung, doch noch das wirk­lich gute Recher­che­blog zu abon­nie­ren als dass ich immer und immer wie­der die­sel­be Sei­te auf­rie­fe um nach Neu­ig­kei­ten Aus­schau zu hal­ten. Schlimm, die­se Geeks und Nerds.
Wenn man mal die Qua­li­tät der Bei­trä­ge außen vor lässt, ist Der­Wes­ten gar nicht mal so schlimm, wenn nicht, aber auch.

Zeus: Statt einmal täglich nach Cupertino zu beten

Ich kann mich noch gut dar­an erin­nern, wie die WAZ das Pro­jekt "ZEUS Zei­tung und Schu­le" ins Leben rief und ich war drauf und dran, mei­nen dama­li­gen Deutsch­leh­rer dar­auf ein­mal anzu­spre­chen – wenn mich dann nicht so vie­le Arti­kel in Fol­ge ver­är­gert hät­ten, dass ich dar­auf­hin arge Zwei­fel bekam, ob denn die WAZ die rich­ti­ge Part­ne­rin dafür wäre, jun­gen Men­schen Lese- und Schreib­kom­pe­tenz und Ein­blick in jour­na­lis­ti­sche Hand­lungs­wei­sen bei­zu­brin­gen. Dass die WAZ in spä­te­ren Jah­ren Lese­pa­ten­schaf­ten ver­mit­tel­te (Unter­neh­mer spen­den Klas­sen­sät­ze der Tages­zei­tung, damit mit der Zei­tung im Unter­richt gear­bei­tet wer­den kann) fand ich im Prin­zip genau­so gut, nur wie­der war es die WAZ als Objekt der Paten­schaft, die mich stör­te, zumal stets von dadurch gewon­ne­nen Part­nern das Hohe­lied der Zei­tung gesun­gen wur­de, wel­che in eben­die­sem Fall die WAZ war, deren Schwä­chen mich tag­täg­lich anspran­gen.
Aber gut, zurück zu ZEUS: Medi­en­kom­pe­tenz ist wich­tig, und dass die WAZ sich dar­um bemüht, indem sie ihr Kön­nen (ja, das hat sie durch­aus) in Sachen jour­na­lis­ti­scher Pra­xis wei­ter­gibt, dann tut sie wirk­lich etwas Gutes. Ich sag's mal so: Ich mag Men­schen, die fähig sind, Quel­len ein­zu­schät­zen, meh­re­re Stand­punk­te ein­zu­ord­nen und Argu­men­te abzu­wä­gen, die in der Lage sind, sich aus mehr als nur einer Mel­dung eine Mei­nung zu bil­den, ich mag Men­schen, die Ansich­ten hin­ter­fra­gen kön­nen und sich nicht mit einem Furz von einem State­ment abspei­sen las­sen – und wenn die WAZ mit ZEUS die­se Fähig­kei­ten weckt und för­dert, dann kann ich das nur gut­hei­ßen.

Das war die WAZ, jetzt komme ich

Ich habe es ganz zu Beginn ein­mal erwähnt: Ich bin kein ein­fa­cher Zei­tungs­le­ser, ich bin nur des­halb kein unbe­que­mer Zei­tungs­le­ser, weil ich mich zu sel­ten dar­an set­ze, mei­ner Zei­tung einen gehar­nisch­ten Leser­brief zu schrei­ben und ihr ihre Ver­feh­lun­gen vor­zu­hal­ten und zu loben, was es zu loben gibt – und weil das aktu­el­le Ange­bot an Zei­tun­gen nicht das Geld wert ist, was ich dafür aus­ge­ben soll. Dabei bin ich durch­aus bereit Geld zu geben für eine gut gemach­te Zei­tung, und nicht wenig; ich hät­te gut und ger­ne als Schü­ler die taz zum ermä­ßig­ten Preis bezie­hen kön­nen, aber als sie den NRW-Teil noch hat­te, war sie mir den nor­ma­len Preis von 30 Euro im Monat durch­aus wert – aber dafür will ich auch etwas gebo­ten bekom­men, was über einen unge­sund erhöh­ten Blut­druck hin­aus­geht.

Ich geste­he, "mei­ne" Zei­tung wäre eine ande­re als die WAZ wie sie der­zeit ist, eine sehr ande­re, schon weil mir die Gestal­tung der WAZ abso­lut nicht zusagt. Aber davon ein­mal abge­se­hen habe ich Ansprü­che, die ich von der WAZ nicht aus­rei­chend erfüllt sehe.
Ich möch­te sehr gut infor­miert wer­den, durch­aus, vor allem poli­tisch und lokal. Ich möch­te auch sehr ger­ne län­ge­re Arti­kel lesen, gut recher­chiert und gut geschrie­ben. Ich möch­te Geschich­ten lesen, die span­nend und wich­tig sind, die ich anders­wo nicht zu lesen bekom­me. Ich möch­te soli­des, gut gemach­tes Hand­werk ser­viert bekom­men, stim­mig-stim­mungs­vol­le Bil­der dazu. Ich möch­te eine Zei­tung, die zu mei­nen Lebens­um­stän­den passt!

Meine Wunschzeitung

Mei­ne Wunsch­zei­tung weiß, dass ich mor­gens im Zwei­fel nicht die Zeit habe, sie ganz durch­zu­le­sen und sie des­halb mit auf den Weg zur Arbeit neh­me, ich kann sie im Tablo­id­for­mat halb­wegs bequem in Bus und Bahn lesen.
Mei­ne Wunsch­zei­tung kennt sich bes­tens in mei­ner Stadt aus und weiß ihr neben der Ein­ord­nung des poli­ti­schen Gesche­hens tag­täg­lich span­nen­de Geschich­ten zu ent­lo­cken und nicht nur einen Blau­licht­re­port nach dem ande­ren. Sie ver­bin­det die gedank­lich so weit ent­fern­ten Nach­bar­or­te mit dem, was hier pas­siert und wird so zum leben­den Bei­spiel der Metro­po­le Ruhr­ge­biet, das nicht an der Stadt­gren­ze auf­hört. Sie kann und will nicht auf die Fami­li­en­an­zei­gen ver­zich­ten, weil sie die Quel­le dafür ist, auf die sich noch die meis­ten Men­schen eini­gen kön­nen.
Mei­ne Wunsch­zei­tung sieht das Ruhr­ge­biet nicht als Neben­ein­an­der der Städ­te, die außer­halb städ­te­über­grei­fen­der Koope­ra­tio­nen nichts mit­ein­an­der zu tun haben, sie sieht das Ruhr­ge­biet als einen Raum, in dem alles, was irgend­wo geschieht, eine Akti­on oder Reak­ti­on auf Zustän­de im gesam­ten Ruhr­ge­biet sein kann.
Mei­ne Wunsch­zei­tung hat den Mut, regio­na­le The­men zum Titel­the­ma zu machen und bie­tet den­noch einen guten poli­ti­schen Teil, sie weiß regio­na­le The­men zu fin­den, die die gan­ze Regi­on inter­es­sie­ren; sie bricht nicht nur die gro­ßen Zusam­men­hän­ge auf's Klei­ne her­un­ter son­dern rückt auch die klei­nen Din­ge in den gro­ßen Zusam­men­hang.
Mei­ne Wunsch­zei­tung nutzt die Mel­dun­gen der Nach­rich­ten­agen­tu­ren, um ihre Leu­te dar­auf anzu­set­zen, was den Agen­tu­ren ent­geht. Sie nimmt sich die Zeit zu war­ten bis die Geschich­ten stim­mig sind, bis die Fak­ten recher­chiert sind, selbst wenn sie dann nicht die ers­te mit einer Mel­dung ist. Sie muss nicht alles selbst machen, wenn ande­re ihr dabei hel­fen kön­nen.
Mei­ne Wunsch­zei­tung muss kei­ne Vide­os pro­du­zie­ren kön­nen. Sie muss nur wis­sen, wer es kann und wann es sinn­voll ist.
Mei­ne Wunsch­zei­tung kennt kei­ne Tren­nung zwi­schen "online" und "off­line", sie igno­riert die Unter­schied­lich­keit der Kom­mu­ni­ka­ti­ons­we­ge, wenn es ihr dar­um geht Rück­mel­dung zu erhal­ten und nutzt die Unter­schied­lich­keit für dem Medi­um ange­mes­se­ne Kom­mu­ni­ka­ti­ons­for­men. Sie ver­öf­fent­licht Leser­brie­fe auch online und bringt Kom­men­ta­re unter einem online publi­zier­ten Arti­kel in die Zei­tung. Sie nutzt Soci­al Net­works wie Face­book und twit­ter zur Ver­brei­tung ihrer Bei­trä­ge und zur Dis­kus­si­on genau­so wie zur Recher­che, sie steht tech­ni­schem Fort­schritt posi­tiv, aber kri­tisch gegen­über und brennt dar­auf neue Medi­en für sich zu ent­de­cken und zu nut­zen. Sie will ihren Leser_innen nicht ihre Weis­hei­ten ver­kün­den son­dern stets aufs Neue ihr Wis­sen ver­brei­ten und dar­über in einen Dis­kurs tre­ten.
Mei­ne Wunsch­zei­tung will gekauft wer­den, ob am Kiosk oder online. Sie bie­tet off­line wie online attrak­ti­ve, kurz lau­fen­den Abon­ne­ments mit gerin­ger Kün­di­gungs­frist genau­so wie lan­ge lau­fen­de Ver­trä­ge und offe­riert online nied­rig­schwel­li­ge Bezahl­me­tho­den, die das Kau­fen von Arti­keln im Inter­net genau­so ein­fach wer­den las­sen wie den Erwerb von Musik. Sie hat den Mut, all ihre Arti­kel online zu stel­len. Sie lässt sich dort ger­ne bezah­len, für den Mehr­wert, den ihr der unbe­schränk­te Platz bie­tet, für gute, jour­na­lis­ti­sche Arbeit, aber sie zwingt nie­man­den dies zu tun.
Mei­ne Wunsch­zei­tung ist fun­da­men­tal sach­lich, mei­nungs­stark und seri­ös.
Und nicht zuletzt sieht mei­ne Wunsch­zei­tung dabei auch noch ver­dammt gut aus und wird aus pflanz­lich basier­ten Far­ben auf Umwelt­pa­pier von öko­strom­be­trie­be­nen Druck­ma­schi­nen in einer solar­zel­len­ge­deck­ten Pro­duk­ti­ons­hal­le gedruckt!

Der Zwang der Notwendigkeiten

So schön mei­ne Wunsch­zei­tung auch wäre, ich wüss­te nicht, wie sie ren­ta­bel arbei­ten könn­te. Ich sehe ein, dass die WAZ Geld ver­die­nen will und muss und dass das vor­wie­gend über eine hohe Auf­la­ge, den dar­aus resul­tie­ren­den Umsatz und gerin­ge Pro­duk­ti­ons­kos­ten funk­tio­niert. Ich sehe ein, dass die WAZ dazu mög­lichst vie­le Men­schen errei­chen muss und ich kann auch nach­voll­zie­hen, dass dazu die Pro­duk­ti­on güns­tig sein muss. Ich will jetzt nicht über die Spar­maß­nah­men der WAZ Medi­en­grup­pe lamen­tie­ren, das tat ich bereits vor gerau­mer Zeit, aber Klatsch und Tratsch gehen mir, mit Ver­laub, am Arsch vor­bei. Der Adel ist abge­schafft und die Schwan­ger­schaft einer Kol­le­gin inter­es­siert mich mehr als die poten­zi­ell mög­li­che Schwan­ger­schaft einer ange­hei­ra­te­ten Frau eines Nach­kom­mens eines Nach­kom­mens eines Nach­kom­mens eines Ade­li­gen, die sei­nen Namen und mög­li­chen Nach­kom­men trägt. Bas­ta!

WAZ sollen wir schreiben? Ein Zeitungsproduktions-Experiment

Der WAZ geht es nicht son­der­lich gut. Konn­te sie in Her­ne vor im vier­ten Quar­tal 2000 noch 33.508 Abone­ments ver­kau­fen, waren es im sel­ben Zeit­raum 2010 nur noch 22.331 Abon­ne­ments. Selbst wenn man davon aus­geht, dass jede Her­ner WAZ von mehr als einer Per­son gele­sen wird, sind ein Abon­ne­ment­ver­lust von rund 33 Pro­zent eine Haus­num­mer. Im gesam­ten Der­Wes­ten-Gebiet, wel­ches auch noch die West­fä­li­sche Rund­schau, die West­fa­len­post, die Neue Ruhr/Neue Rhein Zei­tung und die Iser­loh­ner Kreis­an­zei­ger umfasst, sieht es mit 739.650 zu 1.012.202 Abon­ne­ments und fast minus 27 Pro­zent nicht viel bes­ser aus (Quel­le die­ser Zah­len: ivw.eu)
Mit DerWesten.de hat die WAZ schon ein­mal etwas ris­kiert, war­um soll­te sie das nicht wie­der tun? Wie die Lage der­zeit so schlecht ist? Die WAZ hat schon Son­der­bei­la­gen im Tablo­id­for­mat gedruckt, war­um soll­te sie das nicht öfter tun? Erst jüngst hat sie damit begon­nen, ein Wirt­schafts­ma­ga­zin (PDF) als Bei­la­ge zur Zei­tung zu ver­trei­ben.
Auch wenn das Tablo­id­for­mat nicht den bes­ten Ruf hat, und auch wenn die WAZ nicht als Speer­spit­ze des Jour­na­lis­mus gilt, könn­te man doch die­se Aus­gangs­si­tua­ti­on doch für etwas fast schon Neu­es nut­zen.

Anstatt direkt die WAZ über den Hau­fen zu schmei­ßen und kom­plett zu ver­dam­men (auch wenn es mir bis­wei­len leicht­fie­le), lie­ße sich doch gera­de die Wochen­end­aus­ga­be bzw. das Wochen­end-Buch, wel­ches mir schon län­ger als das schlech­tes­te aller Bücher im Gedächt­nis blieb mal kom­plett neu den­ken. Erklä­ren wir das Wochen­end-Buch kur­zer­hand mal, weil es so schön prä­gnant ist, zur Wochen­end-WAZ und ver­bin­den sie mit den fol­gen­den Attri­bu­ten.
Die Wochen­end-WAZ ist klein im For­mat, erzählt aber die gro­ßen, gut recher­chier­ten Geschich­ten. Die Wochen­end-WAZ lang­weilt nicht mit umge­schrie­be­nen Agen­tur­mel­dun­gen, weil sie sich aus dem Gesche­hen der Tages­zei­tung aus­klinkt, son­dern bie­tet durch­aus ganz- und dop­pel­sei­ti­ge Repor­ta­gen. Die Wochen­end-WAZ braucht kei­ne immer glei­chen Restau­rant­kri­ti­ken, CD- und Buch­re­zen­sio­nen, wenn die Werk­tags-WAZ das schon bie­tet. Die Wochen­end-WAZ bie­tet Platz für gro­ße Debat­ten. Die Wochen­end-WAZ bie­tet, weil es sonst zu kurz kommt, einen tie­fen Ein­blick in die Dis­kus­sio­nen der Soci­al Net­works und Blogs.
Kurz: Die Wochen­end-WAZ ist das Ange­bot für die gebil­de­ten, anspruchs­vol­len Leser_innen, die sich selbst als Digi­tal Nati­ves oder Digi­tal Resi­dents sehen kön­nen und von der All­tags-WAZ nicht zufrie­den­ge­stellt wer­den kön­nen. Die Wochen­end-WAZ bie­tet die­ser Grup­pe die lan­gen Tex­te, die sich am Bild­schirm oft so schlecht lesen las­sen. Die Wochen­end-WAZ ist eine Zei­tung in der Zei­tung, sie ist eine Tablo­id-Wochen­zei­tung ohne tages­ak­tu­el­len Zwang als Bei­la­ge zur Tages­zei­tung.
Wenn das nicht mal was wäre.

Einen aller­letz­ten Rück­blick auf das zwei Wochen dau­ern­de Pro­be­abo und eine Ant­wort auf die Fra­ge, ob ich nun die WAZ wei­ter­le­sen wer­den und wenn ja, war­um nicht, erfahrt ihr dann im nächs­ten Post.

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