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WAZ sollen wir lesen? das zeitungsabo-experiment (5)

WAZ sollen wir lesen

Thank God it's fri­day! Soll­te die­ser schö­ne Spruch auch für die WAZ gel­ten? Für eini­ge Her­ner sicher­lich nicht. Nach zehn anstren­gen­den Jah­ren der Dis­kus­sio­nen und Kla­gen soll­te an die­sem Tag die Foren­sik in Her­ne ein­ge­weiht wer­den, auch sonst schien sich end­lich mal wie­der ein wenig mehr Welt­be­we­gen­des ereig­net zu haben, und es gab mal wie­der Platz für ein Bild samt Rah­men.

Auf dem Titel hieß es noch so schön "Drei Skan­da­le erschüt­tern die Bun­des­wehr" und dies soll­te auch das Tages­the­ma sein, allein "Gut­ten­berg unter Beschuss" als Titel des Bei­trag auf der zwei­ten Sei­te war dann doch sehr … humor­voll?! Hät­te man dann nicht im Rah­men des mut­maß­li­chen Miss­ma­nage­ments bei der Deut­schen Bahn in Sachen Ver­kehrs­mi­nis­ter Ram­sau­er (CSU) titeln kön­nen "Ram­sau­er unter die Räder gekom­men"? Die­se gewitz­te Sei­te an der WAZ war mir dann doch neu.

Eben­so humor­voll war es auf der nächs­ten Sei­te um einen kur­zen Bericht über Okto­pus Paul gesche­hen – Sie erin­nern sich, die leben­den Cala­ma­res, denen man hell­se­he­ri­sches Talent in Sachen Fuß­ball zuge­dich­tet hat­te – bezie­hungs­wei­se um des­sen Bestat­tung (ja, er ist tot, aber so ist das ja bis­wei­len mit Über­brin­gern schlech­ter Nach­rich­ten). Dort hieß es dann im Unter­ti­tel "Die Bestat­tung des Tin­ten­fischs gerät zum Medi­en­spek­ta­kel. Noch ein­mal beherrscht der Ora­kel-Kra­ken die Schlag­zei­len" und ich kann­te da jeman­den, der dazu bei­ge­tra­gen hat­te. Wer das sein soll­te, das spielt hier kei­ne Rol­le, aber ich den­ke, es reicht zu wis­sen, dass dies kei­ne Agen­tur­mel­dung war.
Auf die nächs­te Rhein-Ruhr-Sei­te soll­ten es – welch' außer­ge­wöhn­li­che Pro­mi­nenz! – gleich zwei Mel­dun­gen mit direk­tem Her­ner Bezug schaf­fen. Zum einen gab es einen Hauch von Gerichts­be­richt­erstat­tung, weil eine Grup­pe Her­ner Jugend­li­cher auf einem für Cru­i­sing sehr belieb­ten Rast­platz schwu­le Män­ner über­fal­len und aus­ge­raubt hat­te, zum ande­ren schaff­te es die Eröff­nung der Foren­sik auf die­se Sei­te, mit dem sehr pas­sen­den Titel "Her­ne, die Kli­nik und die Angst". Man male sich dazu doch mal ein Altar-Tryp­ti­chon aus, welch' Gau­men­freu­den kämen da wohl auf? Sehr tref­fend fand ich auch, dass es ein Zitat schaff­te, in rot und grö­ßer her­vor­ge­ho­ben zu wer­den, wel­ches so typisch für jede Debat­te über unan­ge­neh­me Not­wen­dig­kei­ten ist: "War­um aus­ge­rech­net hier bei uns, in Wan­ne-Eickel?"
Ein­mal davon abge­se­hen, dass es "Wan­ne-Eickel" statt "Her­ne" hieß, was wie­der­um Anlass genug böte für eine mehr­bän­di­ge Antho­lo­gie über das gespal­te­ne Ver­hält­nis der Bewoh­ner Her­nes, wel­che in den Stadt­tei­len Wan­ne und Eickel leben, zu den Rest-Her­nern, zeig­te es doch wun­der­bar ein sehr übli­ches Ver­hält­nis vie­ler Men­schen zu so vie­len Din­gen: Ob es jetzt Atom­kraft­wer­ke, Mobil­funk­mas­ten oder eben foren­si­sche Kli­ni­ken sind, ob sie jetzt gut- oder schlecht­ge­fun­den wer­den, es ist alles zweit­ran­gig, sofern es nicht in unmit­tel­ba­rer Nach­bar­schaft steht. Atom­bom­ben­ver­su­che – nein, dan­ke, jeden­falls nicht in mei­nem Gar­ten!

Doch abge­se­hen davon schaff­te es die­ser Man­tel­teil, ein paar Geschich­ten zu beleuch­ten, die mir durch's Ras­ter gefal­len waren – weil ich man­che Sei­te nicht abon­niert hat­te, weil sie anders­wo nicht auf­tauch­ten, weil, weil, weil. Inso­fern war es bis dato, und bis zum Ende die­ses Teils, die bes­te Aus­ga­be der WAZ für die­se Woche. Dass sie mich nicht in allem zu inter­es­sie­ren ver­moch­te, sei geschenkt, das ist nun­mal die Natur der Sache, wenn noch mehr Leser ange­spro­chen wer­den wol­len.

Auch der Lokal­teil mach­te sei­ne Sache gut: Die Eröff­nung der Foren­sik war das Tages­the­ma für Her­ne, also wur­de auch sehr breit und umfang­reich dar­über berich­tet, Cha­peau, und auch die Über­fäl­le auf Homo­se­xu­el­le fan­den ein umfang­rei­che­res Echo als im Man­tel­teil. Kaum jedoch war der Lokal­teil vor­bei, war es wie­der da, das Loch namens "Schlud­rig­keit". Eine gan­ze Sei­te ver­geu­det, weil sie am Tag zuvor schon erschie­nen war. … Mei­ne lie­be Damen und Her­ren, ich ken­ne es ja auch, dass ich Bana­li­tä­ten über­se­he, wenn ich zu sehr und lan­ge schon an einer Sache arbei­te – aber fällt es da nie­man­dem auf, wenn die gan­ze Sei­te "Hoch­schu­le" erneut abge­druckt wird, führt da nie­mand Buch über die Geschich­ten, die schon erschie­nen sind? Sowas ist ein­fach nur ärger­lich!

Und sonst? Nix sonst. Das vier­te Buch hab' ich dann nur noch gelang­weilt durch­ge­blät­tert, war nicht so wirk­lich inter­es­sant für mich. Nu. Nur eines war da noch, was mich doch ein wenig posi­tiv stimm­te: Ich hat­te ja die halb abge­bro­che­nen Titel bei DerWesten.de bemerkt und dar­auf­hin auch @DerWestenBochum, den Der­Wes­ten-Twit­ter­ac­count für Bochum, Her­ne, Cas­trop und Gedöns ange­schrie­ben. Ich hat­te nicht wirk­lich mit einer Reak­ti­on gerech­net, hat­te ich die­sen Account doch bis dato mit einer Aus­nah­me nur als wei­te­ren Publi­ka­ti­ons­ka­nal wahr­ge­nom­men. Das änder­te sich dann an die­sem Tag, nahm man sich mei­ner Kla­ge an und kor­ri­gier­te, was es zu kor­ri­gie­ren gab. Mer­ci.

Eben­so ein Dank für die Frei­tags­bei­la­ge rtv, die mit­fi­nan­zier­te Fern­seh­zeit­schrift. Sicher, sie ist nichts welt­be­we­gend Gutes, nicht schön, nicht anspruchs­voll, vol­ler Wer­bung für Abführ­mit­tel, Trep­pen­lif­te und ander­er­lei Tand, der mich nicht anspricht, nicht ein­mal aus Medi­en­ge­stal­ter­sicht, höchs­tens absto­ßend, aber dar­um geht es ja auch nicht. Es ist eine rudi­men­tä­re Fern­seh­pro­gramm­zeit­schrift für eine Woche und dafür reicht es. Das Wochen­en­de konn­te nun kom­men, und damit die umfang­reichs­te Aus­ga­be der WAZ, die aber dann erst im nächs­ten Post.

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4 Kommentare

  1. Michael sagt

    Aus Leser­sicht dei­ners Blogs wäre es hilf­reich, wenn du von Teil n auch auf Teil n+1 ver­lin­ken wür­dest, anstatt ledig­lich auf n-1 bis 1. So ist man stets genö­tigt auf den ers­ten Teil zurück­zu­hüp­fen.

    Dan­ke

  2. Hendryk Schäfer sagt

    Hej Micha­el,

    dan­ke für dei­nen Kom­men­tar. Ich wer­de mich drum küm­mern und die jeweils nach­fol­gen­den Tei­le ver­lin­ken.

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