Gedöns
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Sprengt die Banken!

Ein Rant in ver­schach­tel­tes­ten Band­wurm­sät­zen.

Sam­ma, issat gerecht? War­um bin ich eigent­lich nicht ein­ge­schrie­be­ne Stu­den­tin geblie­ben und mache jetzt eine Aus­bil­dung? Ach, ich erin­ner' mich: Mir war mein Leben zu leicht und locker-flo­ckig. Aber am bes­ten von vorn.

Frau ist ja durch­aus tech­ni­kaf­fin. Sie hat­te eine gewis­se Abnei­gung gegen Pro­duk­te aus dem Hau­se Apple und eine extre­me Sym­pa­thie für Betriebs­sys­te­me aus dem Hau­se Linux und sowie­so offe­ne Datei­for­ma­te und so'n Gedöns. Nun will sie sich aber doch ein Mac­Book Pro holen, weil sie der­zeit nicht ein­mal ansatz­wei­se die Muße und die Ner­ven hat, sich ihr Rech­ner­chen betriebs­fä­hig zu kon­fi­gu­rie­ren und auch nur eine Minu­te Zeit dar­in zu inves­tie­ren, dass sie all' ihren digi­ta­len Kram ein­wand­frei und ohne den Hauch von Zicken nut­zen und bedie­nen kann - ich sag' nur: Adress­bü­cher, Mails und Ter­mi­ne syn­chron von meh­re­ren Rech­nern nut­zen und das unter erschwer­ten Bedin­gun­gen, weil auf einem Rech­ner eh' Win­doof instal­liert ist; und da ist es der­zeit ein­fach nur höchst unprak­tisch, wenn sie sich dann noch im Ter­mi­nal (also auf der Kon­so­le, tief im Pro­gramm­code ver­strickt … sowas Tol­les hat Win­dows nicht ein­mal!) um Kom­pa­ti­bi­li­täts­pro­ble­me küm­mern muss. Ganz ehr­lich: so sehr ich an Clark Nova hän­ge und so sehr ich das klei­ne Kist­chen mag, weil es eben unter Jolicloud läuft (was nichts wei­te­res als ein ganz spe­zi­ell ange­pass­ter und tol­le­rer Ubun­tu Net­book Remix ist) - der­zeit kotzt es mich ein wenig an, dass es nicht mei­ne Erwar­tun­gen (die sich gewan­delt haben) an einen im All­tags­ge­brauch haupt­säch­lich genutz­ten Rech­ner erfüllt. Für Rei­sen ist das Schätz­chen fast schon ide­al: lan­ge Akku­lauf­zeit, gerin­ges Gewicht und auch vom For­mat unge­mein hand­lich und schick - aber ich habe der­zeit ande­re Ansprü­che, weil ich eben nicht dau­er­haft auf Rei­sen bin.

Nu, gezz will Madame also, weil sie Win­dows sowie­so aus Erfah­rung beschis­sen fin­det (egal ob 3.11, 95, 98, 2000, XP, Vis­ta oder 7) und sich eben mit den sonst so hin­ge­nom­me­nen Linux-Macken (die aber haupt­säch­lich dar­an lie­gen, dass dem Otto-Nor­mal-Ent­wick­ler von Hard- und Soft­ware eine für ande­re trans­pa­ren­te - und somit kos­ten­los kopier­ba­re - Struk­tur ein Gräu­el ist und sie um alle Ent­wick­lun­gen, die dann irgend­wo Qua­si-Stan­dard wer­den, ein gro­ßes Geheim­nis machen … Cha­peau allen Ent­wick­lern, die es sich zum Bei­spiel zur Auf­ga­be gemacht haben, die gehei­men Gra­fik­trei­ber und Datei­for­ma­te [wie zum Bei­spiel .doc und so] in müh­sa­mer Klein­ar­beit ohne Vor­la­ge nach­zu­bau­en, um auch mit Linux Rech­ner nut­zen zu kön­nen! Was sie geleis­tet haben, ist echt beacht­lich und stimmt mich, die ich sonst so Wert auch auf eine tol­le Optik lege, mil­de, wenn man­che Pro­gram­me mal nicht so toll aus­se­hen und Ubun­tu mal wie­der eine neue Ver­si­on auf­legt [alle sechs Mona­te!], die irgend­wie wie von Ges­tern aus­sieht) der­zeit nicht aus­ein­an­der­set­zen kann, obwohl sie es müss­te, sich ein Mac­Book Pro kau­fen, obgleich Apple wohl von den drei gro­ßen "Her­stel­lern" ("Linux" ist ja kein Her­stel­ler, son­dern nur ein Ober­be­griff für ver­dammt vie­le Betriebs­sys­te­me) der­je­ni­ge ist, der sei­ne Nut­zer am ehes­ten knech­tet und ihnen sein Welt­bild auf­zwingt. Allein, dass ich, um einen iPod (der letzt­lich in sei­ner ursprüng­li­chen Ver­si­on auch nicht mehr als ein MP3-Play­er ist, der um ein paar net­te Fea­tures erwei­tert wur­de - wofür man direkt einen neu­en Anschluss erfin­den muss­te, bloß damit die alten, schon vor­han­de­nen Kabel und Adap­ter nichts mehr taug­ten, wes­halb man dann neue Adap­ter beim Erfin­der des Anschlus­ses kau­fen muss­te, cle­ve­rer Schach­zug!) nut­zen zu kön­nen, eine spe­zi­el­le Soft­ware und ein spe­zi­el­les Datei­for­mat brau­che und ich schon dar­an schei­tern wür­de, wenn ich den iPod von einem Win­dows-Rech­ner mit dem glei­chen Pro­gramm nun auch noch befül­len woll­te, wäre für mich der ers­te Grund zu sagen "Nä, was von Apple kommt mir nicht ins Haus!" - und so könn­te ich lan­ge fort­fah­ren, wenn der­zeit nicht Aus­nah­me­zu­stand wäre.
Schaut euch nur mal ne neue Mac-Tas­ta­tur an: das "@" liegt auf dem "L", was für eine Schei­ße ist denn das? … Hey, wir ver­tau­schen lus­tig ein paar Tas­ten und But­tons und zwin­gen unse­re Kun­den, ihre Gewohn­hei­ten auf­zu­ge­ben bzw. zu ändern, weil wir so toll alter­na­tiv sind, und sie wer­den uns spä­ter dafür lie­ben! Das Schlim­me ist: Es hat geklappt. … Howe­ver: Ich wer­de Apple wohl immer für sei­ne mas­ter­haf­ten Anwand­lun­gen has­sen und die Linu­xe für ihr Strei­ten um Kom­pa­ti­bi­li­tät lie­ben - aber der­zeit habe ich nicht die Kraft und Kennt­nis, den müh­sa­men, aber idea­lis­ti­scher­wei­se bes­se­ren Weg zu gehen. … Damit gin­ge dann eine immer­hin zwei Jah­re lan­ge Ära zu Ende, in der ich für nichts mei­ne Ubun­tus ein­ge­tauscht hät­te, selbst wenn ich für man­che Pro­gram­me eben doch immer noch Win­dows brauch­te. Nu. Die Trau­er ist groß, aber lei­der nicht zu ver­mei­den.

Wie auch immer! Ich woll­te mir ja dann ein Mac­Book Pro holen - und sagen­se mir im Laden: Ja, nee, Raten­zah­lung is' nich. Wärst du Stu­den­tin, kein Pro­blem, aber als Azu­bi­ne, nö. Du kannst ruhig auf Kos­ten des Staa­tes leben, das ist uns immer noch lie­ber als wenn du dafür arbei­ten gehst. Ist das gerecht?
… ich muss gezz mal ein wenig unsach­lich wer­den … ich hab' nichts gegen euch Stu­den­ten, wirk­lich nicht, aber …
Ist das gerecht, wenn Leu­ten, die hart für ihr mick­ri­ges Ein­kom­men arbei­ten und den Rest ihrer küm­mer­li­chen Frei­zeit damit ver­brin­gen, ihre sozia­len Kon­tak­te und Akti­vi­tä­ten oder Gesprä­che mit Freun­den auf ein schaff­ba­res Maxi­mum zu redu­zie­ren, nicht dar­in unter­stützt wer­den, etwas teu­re­re Anschaf­fun­gen zu täti­gen, wohin­ge­hen man­chen Stu­den­ten vom Staat das Geld in den Arsch gebla­sen wird und sie dafür auch noch belohnt wer­den, dass kein eige­nes Ein­kom­men ver­die­nen müs­sen, indem sie dann einen Kre­dit in Anspruch neh­men kön­nen, der Azu­bis ver­wehrt wird?
Ich weiß, ihr könnt' nix dafür - aber dafür habe ich neu­lich einen schö­nen Satz gele­sen, den ich nur noch sinn­ge­mäß zusam­men­be­kom­me, stand irgend­wo auf den Sei­ten der Süd­deut­schen: Wo es kei­ne Revo­lu­tio­nen von unten gab, schla­gen die Leu­te in ihrem Frust auf die, denen es noch schlech­ter geht. Seid also froh, dass ich nur euch, ist immer­hin ein biss­chen alter­na­tiv, mal so "nach oben" zu kei­len. Macht euch kei­ne Sor­gen, im Zwei­fel hetzt der Mob immer noch gegen Migran­ten und Arbeits­lo­se - und für gewöhn­lich lässt er sich auch ansta­cheln.

Ganz ehr­lich: In Momen­ten wie die­sen könn­te ich allein mit mei­ner Wut Ban­ken spren­gen - wenn Wut ein aner­kann­ter Spreng­stoff wäre. Und in Momen­ten wie die­sen habe ich abso­lut kein Ver­ständ­nis für ein gebüh­ren­frei­es Hoch­schul­stu­di­um. … Außer­dem: wäre es für die Kre­dit­in­sti­tu­te nicht eh bes­ser, je höher die Stu­di­en­ge­büh­ren sind? Wäre es nicht auch gaa­anz toll, wenn es kei­ne För­de­rung vom Staat gäbe, son­dern nur Kre­di­te aus der Pri­vat­wirt­schaft? Was das für Umsät­ze wären … wenn die Leu­te dann noch stu­dier­ten (ich wuss­te doch, dass da irgend­wo ein Haken ist).

Naja. Also mit dem Mac­Book … da reden wir nächs­tes Jahr noch­mal drü­ber. Vor­her ist das nicht drin. … Bis dahin hab' ich aber noch einen Ter­min mit der Bank.

3 Kommentare

  1. Dirk sagt

    sor­ry, aber wenns bei allen stu­dis so schön rosig und ein­fach wäre wie du es hier beschreibts, auch mit der staat­li­chen hil­fe und geld in den arch gebla­sen, dann könn­te ich mir wesent­lich mehr zeit für das stu­di­um selbst neh­men. ich weiß, isn block und du scheinst beim schrei­ben emo­tio­nal gela­den gewe­sen zu sein. trotz­dem abso­lut an der sache vor­bei und pro­blem ver­kannt. sor­ry.

    grü­ße

    dirk

    • Hej Dirk,

      da ver­stehst du mich miss. Die­ser Bei­trag ist - wohl wahr - sehr emo­tio­nal; doch in die­ser Fomr ist er abso­lut über­spitzt, bis­wei­len völ­lig pole­misch. Mir ist die Situa­ti­on der Stu­die­ren­den durch­aus bewusst, ich ken­ne sie aus eige­ner Erfah­rung - nicht so extrem, aber ich ken­ne sie, und ich ken­ne auch Schil­de­run­gen wie die dei­ni­gen. Inso­fern ist es nicht an der Sache vor­bei und das Pro­blem wur­de auch nicht ver­kannt - es ging schlicht nicht dar­um.

      Grü­ße,
      Dog­ma

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