Monate: August 2009

Bewerbungsrede der #Zensursula

"Mei­ne Damen und Her­ren", begann sie und strich ner­vös über ihre mehr­sei­ti­ge Rede. Ursu­la Von der Ley­en, ihres Zei­chen Bun­des­fa­mi­li­en­mi­nis­te­rin und euro­pa­weit geliebt und gefürch­tet für ihr Eltern­geld, hat­te Stun­den vorm Spie­gel gestan­den, sie hat­te Ges­tik und Mimik aus­pro­biert, ver­wor­fen und neu gesetzt, sie hat­te jedes ihrer sie­ben Kin­der um eine dif­fe­ren­zier­te Mei­nung gebe­ten und sie erst ins Bett ent­las­sen, als kei­nes der Kin­der mehr Kri­tik äußer­te. Sie hat­te ihnen dann noch eine Gute-Nacht-Geschich­­te vor­ge­le­sen und war selbst dar­über um halb Sechs mor­gens ein­ge­schla­fen und nun, vier Stun­den spä­ter, stand sie nun, nach einer ein­zi­gen Geschwin­dig­keits­über­tre­tung son­der­glei­chen zwi­schen ihrem Wohn­ort und einem weit ent­fern­ten, ver­schnarch­ten Nest, wo sie eine auf­mun­tern­de und ihre Par­tei auf den Wahl­kampf ein­schwö­ren­de Rede hal­ten soll­te, vor ihrem Publi­kum. Senio­ren, Rent­ner, Pen­sio­nä­re und berufs­ju­gend­li­che Jubel­per­ser von der ört­li­chen Jun­gen Uni­on. Nichts, was Wider­stand erwar­ten lie­ße - und dies konn­te sie auch nicht gebrau­chen. Dies soll­te ihr gro­ßer Auf­tritt wer­den, ihre gro­ße Rede, die sie schlag­ar­tig bun­­­des- und euro­pa­weit auf die ers­te Sei­te der Zei­tun­gen und in die ers­te Mel­dung der Tages­schau …

kirmesgeheul

But­ter­mond im Wol­ken­meer, sein Vor­hof zur Höl­le glimmt fahl. Wo einst die Äcker stan­den, wo zwei­feln­de Ver­su­chung wild neben suchen­der Ver­zweif­lung auf Herz­grund blüh­te, fei­ert man nun Kirch­weih­fest. Frau Sehn­sucht schlurft die Gas­sen ab, im Arm die Kat­ze des Quan­ten­ma­gi­ers, Frau Schrö­din­ger genannt, sie schlurft und guckt und riecht und krault das Tier, nie wis­send, wo es ist. In bun­ter Lich­ter­luft flir­ren Lam­pen wie Fackeln wie Feu­er­werk wie Blend­gra­na­ten, gebrann­te Man­deln ste­chen wie Frit­ten, Fisch und Fri­ka­del­len schal zithernd in die Nase, kein Tee aus But­ter­mon­dens Trä­nen, nur eisig kal­ter Win­ter­tag in kirmesheil'ger Som­mer­nacht. Frau Schrö­din­ger heult den Feu­er­vo­gel an, dann ist sie weg, mit ihm.