Gedöns
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bald auf dem index?

"Zweit­ver­wer­tung" klingt ein wenig bil­lig. Fakt ist: der Arti­kel wur­de bei someabout.net geschrie­ben, ist aber auch für hier bestimmt gewe­sen. Damit ich nicht nur Musik­vi­de­os mit zwei­fel­haf­tem Copy­right ein­stel­le und über­haupt mal wie­der was Neu­es pas­siert.

Ich will hier kei­ne Panik ver­brei­ten. Aber: Der fol­gen­de Arti­kel wird ein wenig län­ger und ist tech­nisch nicht ganz ohne. Ich hof­fe, ihr könnt mir fol­gen (und ich mei­nen Gedan­ke­gän­gen auch, hab der­zeit erst 13 Tabs offen zur Recher­che). Wenn ihr mir fol­gen könnt und unse­re Frau Von der Lei­ne Ernst macht, dann könn­tet ihr dem­nächst statt eurer Lieb­lings­start­sei­te someabout.net eine Sei­te wie die­se sehen. Wenn ihr someabout.net wie­der­se­hen wollt, wisst ihr aber auch, wie ihr da hin da kommt ;-)

Letz­ten Frei­tag haben fünf der gro­ßen Inter­net­an­bie­ter in Deutsch­land (Tele­kom, Vodafone/Arcor, Alice/Hansenet, O2, AOL) einen Ver­trag unter­zeich­net, mit dem sie sich dazu ver­pflich­ten, vor Sei­ten ein Stopp­schild zu set­zen, die auf einer vom BKA geführ­ten, gehei­men Lis­te ste­hen wer­den. Laut Fami­li­en­mi­nis­te­rin (die ja eigent­lich auch noch für Fami­lie, Senio­ren, Frau­en und Jugend zustän­dig ist, auch wenn man das nicht merkt) Zens­ur­su­la Von der Ley­en sol­len auf die­se Lis­te nur Sei­ten mit kin­der­por­no­gra­fi­schen Inhal­ten. Als Vor­bild führt sie die Sperr­lis­ten aus Skan­di­na­vi­en an (die so geheim sind, dass schon die Ver­lin­kung auf eine Sei­te, die einen Link zu Wiki­leaks setzt, wo die Sperr­lis­ten auf­ge­taucht sind, aus­rei­chend ist, damit ihr eine Haus­durch­su­chung am Hals haben könnt), die aber nur zu einem ver­schwin­dend klei­nen Bruch­teil wirk­lich kin­der­por­no­gra­fi­sche Inhal­te ent­hält, dafür aber um so mehr (Schwu­len-) Por­nos auf­lis­tet - und die Sei­te einer nie­der­län­di­schen Spe­di­ti­on.

Das Ver­fah­ren, mit dem zen­siert wer­den soll, ist zudem das tech­nisch schlech­tes­te: Wenn ihr - und da blei­ben wir mal beim Bei­spiel "some about", man kann ja nie wis­sen, wel­che Inhal­te bald aus­rei­chend sein wer­den, um auf dem Index zu lan­den - www.someabout.net in die Adress­zei­le eures Brow­ser ein­tippt, wird eure Anfra­ge von eurem Rech­ner zu einem Ser­ver eures Inter­net­an­bie­ters gelei­tet. Dort gibt es dann eine Lis­te, ob die Sei­te zuläs­sig ist, oder nicht; wenn die Sei­te nicht auf dem Index ist, fin­det ihr ganz nor­mal die Sei­te, die ihr sehen wollt, wenn sie auf dem Index ist, erscheint statt­des­sen eine Sei­te mit einem Stopp­schild. Dabei muss man aber eines erwäh­nen: www.someabout.net könn­tet ihr auch anders errei­chen, wenn auf dem Ser­ver nicht noch mehr Sei­ten bereit­ge­stellt wür­den, unter 195.47.247.174. Wenn ihr die IP-Adres­se (ihr habt auch eine, schaut mal bei www.dogma-pillenknick.de vor­bei und lest, was oben rechts unter "mei­ne daten" steht), die sowas wie euer Fin­ger­ab­druck im Inter­net ist in die Adress­zei­le eures Brow­sers ein­gebt, kommt aber eben nicht www.someabout.net her­aus. Wenn Phil­lip sich für ein klei­nes Ver­mö­gen einen gan­zen Ser­ver gekauft hät­te, dann hät­te das geklappt.

DNS-Abfrage, © Hank van Helvete, CC-BY-SA-2.5

DNS-Abfra­ge, © Hank van Hel­ve­te, CC-BY-SA-2.5

Klei­ner Exkurs: Wie das mit den Domain Name Ser­vern funzt. Ihr schickt von eurem loka­len Rech­ner die Anfra­ge "www.someabout.net" ab, die wird an den Name Ser­ver geschickt, der die ent­spre­chen­den Über­set­zungs­ta­bel­len URL <-> IP-Adres­sen hat, also von www.someabout.net nach 195.47.247.174, der Par­ent Name­ser­ver sagt dann, "195.47.247.174 und www.someabout.net? Kenn ich, da musst du da hin gehen!" zum Domain Name Ser­ver, der sich dann an den Child Name­ser­ver wen­det, von dem auf dem umge­kehr­ten Weg ohne Umweg über den Par­ent Name­ser­ver die Daten - Tex­te, Bil­der und Vide­os an euren Brow­ser geschickt wer­den, damit ihr des alles sehen könnt.

Neh­men wir also wei­ter­hin an, www.someabout.net wür­de nach dem Ver­trag, den die Inter­net Ser­vice Pro­vi­der (also die gro­ßen Unter­neh­men, die Inter­net­ver­trä­ge anbie­ten) unter­zeich­net haben, blo­ckiert, dann müss­tet ihr ein­fach den Domain-Name-Ser­ver wech­seln. Anlei­tun­gen gibt es dazu zuhauf, die kür­zes­te dau­ert 27 Sekun­den und ist für Win­dows gedacht. Zen­sur­freie DNS-Ser­ver fin­det ihr bei F!XMBR. Ergo: die Sper­ren, die in den Ver­trä­gen vor­ge­se­hen sind, tau­gen nichts. Aber dafür hat der Gesetz­ent­wurf, der kurz dar­auf von der Regie­rung abge­seg­net wur­de, die Lösung: Laut dem Gesetz­ent­wurf dür­fen auch wei­ter­ge­hen­de tech­ni­sche Sper­ren ein­ge­setzt wer­den.

Dass etwas gegen Kin­der­por­no­gra­fie getan wer­den muss, steht außer Fra­ge. Was aber frag­lich ist, ist die Art und Wei­se des Vor­ge­hens. Es reicht eben nicht, die Augen vor den Ver­bre­chen zu ver­schlie­ßen und zu sagen "Mehr kön­nen wir nicht tun.", denn es könn­te viel mehr getan wer­den, auch schon bei der bestehen­den Geset­zes­la­ge. Der Ver­ein Care­Child hat es bewie­sen: Mit einer Mail an den Hos­ter einer Sei­te und dem Hin­weis dar­auf, dass eine von ihm gehos­te­te Sei­te kin­der­por­no­gra­fi­sches Mate­ri­al ent­hält, las­sen sich in kür­zes­ter Zeit die Sei­ten vom Netz ent­fer­nen. Das Schlim­me an den Lügen der Frau Zens­ur­su­la von der Lying, die die meis­ten Medi­en schein­bar unge­prüft nach­plap­pern - wer nicht ihrer Mei­nung ist, ist min­des­tens Beden­ken­trä­ger, denn um sach­li­che Argu­men­te ging es ihr in der Debat­te nie, hielt sich doch ein Gut­ach­ten, wel­ches der wis­sen­schaft­li­che Dienst des Bun­des­ta­ges über Inter­netsper­ren abgab, für "unter­ir­disch", weil es ihnen eine gerin­ge Wirk­sam­keit nach­wies - ist die Untä­tig­keit der Behör­den. Meh­re­re Per­so­nen haben die auf­ge­tauch­ten Lis­ten, die angeb­lich nur Kin­der­por­no­gra­fie sein soll, über­prüft: Ein Groß­teil der Sei­ten steht in Län­dern, in denen man die Sei­ten pro­blem­los per Hin­weis an den Hos­ter sper­ren las­sen könn­te - und ein Groß­teil der Sei­ten, die auf Mona­te alten Sperr­lis­ten auf­ge­taucht sind, las­sen sich noch heu­te abru­fen. Und nur ein Bruch­teil der Sei­ten ent­hält, wie oben bereits erwähnt, kin­der­por­no­gra­fi­sches Mate­ri­al.

Mer­ke: Kin­der­por­no­gra­fie ist nur der Auf­hän­ger; die Musik- und Film­in­dus­trie steht schon den Start­lö­chern. Aber das war der isla­mis­ti­sche Ter­ro­ris­mus auch schon, als die Vor­rats­da­ten­spei­che­rung ein­ge­führt wur­de eben­so wie Straf­ta­ten von LKW-Fah­rern dazu instru­men­ta­li­siert wur­den, damit doch die Maut­da­ten ent­ge­gen allen Beteue­run­gen bei der Ein­füh­rung des Sys­tems doch für die Straf­ver­fol­gung genutzt wer­den dürf­ten. Län­der wie Bel­gi­en, die Schweiz, Däne­mark und die skan­di­na­vi­schen Staa­ten zei­gen es: Auch wenn es ursprüng­lich nur um Kin­der­por­no­gra­fie ging, wur­den letzt­lich doch noch ganz ande­re Sei­ten gesperrt. Die gesperr­ten Sei­ten hin­ge­gen blie­ben im Netz - in Sekun­den­schnel­le wie­der erreich­bar.

Sucht jetzt ja nicht nach sol­chen Sei­ten, tes­tet auch nicht die Lis­ten, die bei Wiki­leaks gefun­den wur­den - aber wenn ihr zufäl­lig auf eine Sei­te stol­pern soll­tet (was den wenigs­ten Sur­fen pas­siert, dann spei­chert ja nichts ab - STRAFBAR! - son­dern wen­det euch an die ent­spre­chen­de Poli­zei­stel­le eures Bun­des­lan­des. Die Adres­sen gibt es bei Care­Child.

Wir sind uns hof­fent­lich einig: Kin­der­por­no­gra­fie muss straf­recht­lich ver­folgt wer­den, der Kin­des­miss­brauch muss gänz­lich aus­ge­rot­tet wer­den - aber ein Stopp­schild vor Sei­ten, von denen nur das BKA weiß, was wirk­lich auf ihnen ist, wird uns kei­nen Schritt wei­ter­brin­gen im Kampf gegen Kin­des­miss­brauch und Kin­der­por­no­gra­fie!

Zum - recht abrup­ten - Abschluss ein klei­ner Lese­be­fehl und jede Men­ge wei­ter­füh­ren­de Lek­tü­re: In dem hier zu fin­den­den Arti­kel könnt ihr live erle­ben, wie die Kri­ti­ker der Von der Leyen'schen Plä­ne ziem­lich unsach­lich abge­kan­zelt wer­den, um nicht zu sagen "dif­fa­miert". Als ich heu­te mor­gen die Zei­tung las - ja, das Käse­blatt gibt's nur bei uns im Wes­ten - hätt' ich doch fast Kaf­fee gespuckt (mitt­ler­wei­le hab ich auch kom­men­tiert, ich konn­te nicht anders).

Mehr zum The­ma:

Genug der Links - von den Sei­ten (und ich kann jede nur emp­feh­len) kommt ihr zu noch viel mehr Lek­tü­re. Wohl bekomm's!

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2 Kommentare

  1. Pingback: etptt

  2. Hal­lo Dan­ke für die schö­ne Zusam­men­fas­sung ..

    .. eine klei­ne Sache nur: wir sind kein e.V.
    wir sind ein Ver­ein nach §54 BGB ..
    bei uns han­delt und haf­tet jeder für sich selbst

    Chris­ti­an; Vor­stand MOGIS

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