Gedöns
3 Kommentare

es wird keine zensur ausgeübt

Es ist fast beschlos­se­ne Sache. Unse­re herz­al­ler­liebs­te Fami­li­en­mi­nis­te­rin Ursu­la Von der Ley­en hat sich durch­ge­setzt: wenn alles gut geht (wobei das Gut­ge­hen mei­ner Mei­nung nach der größ­te anzu­neh­men­de Unfall wäre, der kein Unfall son­dern Fahr­läs­sig­keit ist), wer­den nächs­ten Frei­tag die Tele­kom, Arcor/Vodafone, Hansenet/Alice, O2 (bei denen ich lei­der bin) und Kabel Deutsch­land Ver­trä­ge unter­zeich­nen, mit denen sie sich ver­pflich­ten, gewis­se Sei­ten zu sper­ren. free­net und 1&1 war­ten ledig­lich dar­auf, dass sie kei­ne Kla­gen zu befürch­ten haben.

Offi­zi­ell sol­len dies Sei­ten sein, die im Aus­land gehos­tet wer­den und laut BKA Kin­der­por­no­gra­fie anbie­ten. Diver­se bekannt gewor­de­ne Sperr­lis­tenn (zum Bei­spiel aus Däne­mark und Aus­tra­li­en) zei­gen, das die Mehr­heit der dort gesperr­ten Sei­ten nur zu einem gerin­gen Pro­zent­satz wirk­lich kin­der­por­no­gra­fi­sche Inhal­te haben. Viel öfter fin­den sich Sei­ten mit Homo- und Hetero­por­nos (wem's gefällt, ist aber nicht straf­bar) und noch manch ande­re Kurio­si­tä­ten (auf die däni­sche Lis­te hat es eine eine nie­der­län­di­sche Spe­di­ti­on geschafft, die kei­ne Kin­der­por­nos durch Euro­pa fährt).

Exkurs: Dass ich nicht auf die Sei­ten ver­lin­ke, auf denen ihr Links zu den Lis­ten bekommt, liegt an fol­gen­dem Umstand (und da wer­de ich auch nicht drauf ver­lin­ken, jeden­falls nicht, bevor ich hier nicht alles auf mei­nem Klapprech­ner­chen ver­schlüs­selt habe): jemand, der auf das Schutz­al­ter-Blog ver­linkt hat, wel­ches auf Wiki­leaks ver­linkt hat­te, wo die däni­sche Sperr­lis­te auf­ge­taucht war, bekam Besuch von der Poli­zei. Die hat die­ser Per­son die Bude auf den Kopf gestellt (genannt Haus­durch­su­chung), eben­so wur­de die Woh­nung Theo­dor Rep­pes, dem Inha­ber der Domain "wikileaks.de", wel­che auf "wikileaks.org" ver­linkt, durch­sucht, in bei­den Fäl­len mit der Begrün­dung des Ver­dachts auf Ver­brei­tung von Kin­der­por­no­gra­fie bzw. des Anschau­ens des Mate­ri­als.

Laut dem Land­ge­richt Karls­ru­he sei "jeder ein­zel­ne Link (…) kau­sal für die Ver­brei­tung kri­mi­nel­ler Inhal­te, auch wenn die­se erst über eine Ket­te von Links ande­rer Anbie­ter erreich­bar sind" - wes­we­gen also ein Link auf eine Sei­te mit einem Link auf eine Sei­te mit einem Link auf eine Sei­te mit einem Link (die­se Auf­zäh­lung könn­te man theo­re­tisch unend­lich wie­der­ho­len) aus­rei­chend sei, um eine Haus­durch­su­chung durch­zu­füh­ren - vor allem, wenn man bewusst auf eine Sei­te wie Wiki­leaks ver­lin­ke.

Aber genug des Irr­sinns der Rich­ter, die kei­ne Ahnung vom Inter­net haben.

Über die "Kin­der­por­no­in­dus­trie" hat Rechts­an­walt Udo Vet­ter bereits alles gesagt.

Las­sen wir die Fra­ge, ob und wie effek­tiv Netz­sper­ren sind, mal außen vor. Ich kann mich nur wie­der­ho­len: Ist das die Gesell­schaft, in der wir leben wol­len, in der wir die Augen vor Kri­mi­na­li­tät ein­fach ver­schlie­ßen, anstatt aktiv gegen sie vor­zu­ge­hen - zumal Sei­ten­sper­run­gen nicht nur gegen offen­sicht­lich kri­mi­nel­le Inhal­te genutzt wer­den (kön­nen), son­dern auch gegen miss­lie­bi­ge Mei­nungs­äu­ße­run­gen?  Der Ver­ein Care­Child hat ziem­lich ein­fach bewie­sen, dass Sei­ten mit kin­der­por­no­gra­fi­schem Mate­ri­al ohne gro­ßen Auf­wand aus dem Netz genom­men wer­den kön­nen - per Mail an die Hos­ter der Sei­ten.

Wer weiß schon, wel­cher Vor­wand aus­reicht, damit mein Blog auf dem Index lan­det? Wenn man mal über­sieht, wie irrele­vant mein Blog ist, dann möch­te ich nicht, dass man mir irgend­wann sagt, wenn ich eine Sei­te auf­ru­fen will "Stop! Hier ist ein ver­bo­te­ner Inhalt!". Wenn da tat­säch­lich ver­bo­te­ner Inhalt ist, kann ich die Sei­ten­be­trei­ber immer noch anzei­gen - wenn nicht, und man hat mir die Sei­te vor­ent­hal­ten, dann fra­ge ich mich doch, wer vor die­ser Sei­te Angst hat.

Und das macht mir Angst.

Teilt mei­nen Text
Tweet about this on TwitterShare on FacebookShare on Google+Share on TumblrEmail this to someone

3 Kommentare

  1. Heißt es dann jetzt wie­der "mit­ge­han­gen, mit­ge­fan­gen"?

    Will­kom­men in "1984".

    Das man über die Ver­brei­tung von kin­der­pro­no­gra­phi­schem Mate­ri­al nicht strei­ten muss, ist klar. Das ist ein­fach… unfein. Ja. Aber ganz im Ernst: auf die­se Wei­se gehen noch viel mehr per­ver­se Spin­ner durch die Maschen.
    Somit wur­de sub­til den Kinderf*ckern der Weg auch noch ver­ein­facht. Armes Deutsch­land. Der Gedan­ke war rich­tig, nur die Umset­zung mal WIE­DEr mit dem Holz­ham­mer.

  2. Schon der Gedan­ke war falsch. "Bekämp­fung durch Aus­blen­dung" behebt kein ein­zi­ges Pro­blem, son­dern schafft nur neue. Ein­fach mal miss­lie­bi­ge Sei­ten zu sper­ren (ob Kin­der­pro­no­gra­fie oder isla­mis­ti­scher Ter­ror, egal), kommt gut an in Zei­ten des Wahl­kamp­fes, täuscht es doch Akti­vi­tät vor, wo nur Aktio­nis­mus herrscht.
    Wenn man sich nur mal dar­an mach­te, gel­ten­des Recht zu nut­zen, …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.