Gedöns
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suchend, nicht findend

seht es als reaktion auf diesen beitrag (warum muss alles immer so unheimlich inkompatibel sein?).

Ich bin Teil des Lebens und schwinde dahin, […]

that’s it, that’s life, tel aviv, wie ein weiser kunstlehrer einst zu sagen pflegte.

wobei: ganz so kommt das ja auch nicht hin, eigentlich sind wir ja teil des lebens, weil wir schwinden, wir leben, weil wir schwinden, weil wir uns wandeln, vom entstehen über das wachsen, reifen, faulen und verrotten. … ich komm mir gerade so vor wie ein kohleflöz tief unter dem deckgebirge. aber nehmen wir es doch einmal auseinander.

am anfang war NICHT das wort. und das nicht-wort war NICHT „mistikack.“ es folgte auch NICHT einem nicht-inneren nicht-wunsch nach mehr „zackbum“. es kam, wie es kommen konnte, aber nicht musste; bedingte kausalität im rahmen des großen globalen zufalls, der ohne prädestination auskommt (womit wir in aller verschwurbelter kürze uns ein atheistisch-naturwissenschaftliches weltbild aus dem hut gezaubert haben). … irgendwann später kam dann der mensch und es wurden mehr menschen und zwei menschen trafen sich, trieben das alte rein-raus-spiel (oder auch nicht, die medizin ist da seit anbeginn der zeit sehr weit fortgeschritten) und nur wenig später beschlossen zwei zellen in einer aufzugehen und sich von dort ausgehend zu vervielfältigen und zu spezialisieren. das ergebnis bist du. ja, du, du, du und sonst keiner.

über die arbeitsweise des gehirns sag ich gezz ma nix – nur so viel: es sammelt wissen, verarbeitet wissen, macht es nutzbar – und doch sind seine wege unergründlich; eine intelligente festplatte mit aussetzern und einem schier unbegrenzten fassungsvermögen.

nur: die zellen passen sich an die umwelt an, nehmen schäden, die sie an ihre nachfolger weitergeben, manche zellen können sich nicht vermehren – wir sterben (okay, dat is gezz n bissken einfach gesagt, aba nu). und da stellt sich schon früh die frage (nicht selten deutlich bevor es vermeintlich so weit sei), wie das mit dem leben so ist und seinem sinn.

tcha, dann leben wir also. nehmen uns wahr als ich in abgrenzung zu allen anderen. ich bin ich, weil ich nicht-du bin, ich bin mensch, weil der mensch nicht-affe ist, ich bin frau, weil die frau nicht-mann ist – und das alles zeigt sich auch in unserem verhalten. egal, wie wir uns verhalten, zumeist ist es soziales handeln: wir tun dinge und richten sie nach ihrer bedingten wirkung auf andere aus. ob wir uns verhalten, um gunst, aufmerksamkeit, ablehnung, schock oder freude zu erlangen: es ist verhalten im bezug auf andere – oder im bezug auf das von uns aufgrund unserer beobachtungen vermutete verhalten der anderen.

die anderen. sie sind es, weil sie anders sind. sie werden wahrgenommen (hoffentlich), betrachtet (vielleicht) und bewertet (oft), das leben scheint zu kurz für genaue langzeitbeobachtungen, schlagworte, schubladen müssen zumeist reichen. welch überraschung (positiver oder negativer natur), wenn man die person dann näher kennen lernt, welch demütigung, sich selbst der verschubladisierung beschuldigen zu müssen – wenn dies als schande empfunden (wir gutmenschen haben es nicht leicht).

infolgedessen, dieses ständigen reagierens auf andere (mögen wir es auch noch so als agieren empfinden, letztlich ist es doch nur re-aktion), bekommen wir eine position im leben. werden angenommen. als anders. gewollt anders und nicht gewollt anders. genau anders und anders anders. und sind insofern stets hervorgehoben anders, selbst vorm spiegel.

nur in einem können wir nicht anders sein: in der einsamkeit. kein spiegel, der uns sein bild von uns zeigt, keine anderen, die uns werten, sehen, wahrnehmen. … hier können wir kritik an unserem bild und dem der anderen von uns erkennen und üben und weil diese reflektion so schön ist, gibt es für manche von uns immer diesen hauch von einsamkeit, der sie im ganzen leben begleitet, der uns auf großen parties fragen lässt „warum bin ich eigentlich hier?“ diese einsamkeit ist immer da, manchmal zieht sie sich zurück, doch wirklich gehen wird sie nie, genauso wenig wie die sehnsucht; frau einsamkeit und frau sehnsucht, zwei ungleiche schwestern (ich möge dieses bild noch ausbauen).

wie sollten wir uns da aus dem leben katapultieren, mit frau einsamkeit an unserer seite? indem wir uns trunken dem schierlingsbecher anheim werfen. schmerzen können so schön sein, vor allem wenn sie aufhören … aber sie lähmt, frau einsamkeit ist der schierlingsbecher, schierling, der nur langsam tötet, in kleinen dosen regelmäßig genossen, bis wir nur noch apathisch sitzen und trinken, den kopf voll von gedanken über die welt, da draußen, wie sie sein könnte, müsste, in unserer welt, dass uns bang wird hinauszugehen.

nur schwinden werden wir, so oder so, früher oder später und über dem verrottenden wald unserer generation, die auf dem humus unserer vorfahren wuchs, erblühen neue pflanzen und vergehen ebenso, zellmatsch türmt sich auf, wird von wellen überschwemmt, deren mitgetragene sedimente sich absetzen und grund für neue wälder legen und was bleibt, wird einst die kohle unter dem deckgebirge sein. braunkohle oder steinkohle, wer weiß, wie lange wir vergessen bleiben … aber manches einstige bewusstseinsgeschöpf wird auch dann erkennbar bleiben, als fossil womöglich in einem museum hängen. der rest, die große masse, dient als energielieferant, als baustein der eigenen zukünftigen existenz.

ich bin teil des lebens und schwinde dahin. ich bin teil des lebens, denn ich schwinde dahin. ohne das schwinden kein leben, ohne das schwinden kein platz für neues, kein platz für die wiederholung alter fehler, kein platz für neue fehler, kein platz für antworten auf alte und neue fragen, ohne das schwinden nichts neues. stillstand.

schwinden ist sterben ist leben. der tod kommt danach. zumeist.

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2 Kommentare

  1. „ich bin ich, weil ich nicht-du bin, ich bin mensch, weil der mensch nicht-affe ist, ich bin frau, weil die frau nicht-mann ist – “ – also ist unsere selbstdefinition und unserer umgang mit anderen menschen nur von konträheren schemata geprägt… ich bin ich, weil ich nicht-du bin, also verhalte ich mich dir gegensätzlich, um ich zu sein, und bin nicht selber auf welches du konzentriert sich dann mein ich?

    „wir tun dinge und richten sie nach ihrer bedingten wirkung auf andere aus. ob wir uns verhalten, um gunst, aufmerksamkeit, ablehnung, schock oder freude zu erlangen: es ist verhalten im bezug auf andere – oder im bezug auf das von uns aufgrund unserer beobachtungen vermutete verhalten der anderen.“
    – jaja, das gute alte segmentsystem. kennen wir ja schon (zu jenem zeitpunkt hab ich den boden der herner fußgängerzone aus beinahe miskroskopischer nähe betrachetet, beim versuch, nach deinem stift zu angeln, das halt ich dir noch nach!) wo bleibt den persönliche ich dahinter? ist das eigentlich das, was man soziale anpassung oder auch soziale kompetenz nennt, die fähigkeit, mit menschen in ihrer verschiedenheit auch verschiedenartig in wechselbeziehung zu geraten? was ist das die sozialphobie in meiner akte?

    „infolgedessen[..] bekommen wir eine position im leben.“
    nur deswegen, wie schade. und gerate ich an die falschen menschen für die interaktion, wie zum beispiel den mom. 12er-jahrgang der städtischen irrenanst.. haranni-gymnasiums, kann ich mein sebstwertgefühl in die tonne stopfen, herrlich. tel aviv.

    „ohne das schwinden nichts neues. stillstand.“
    schwinden = stillstand. schwinden ist vegetieren ist leben ohne spuren hinterlassen bis zum simplen versagen des organischen systems ist tot sein, während am leben?

    .. und zum guten schluss…

    „die zellen passen sich an die umwelt an, nehmen schäden, die sie an ihre nachfolger weitergeben, manche zellen können sich nicht vermehren -“
    – SCHAKKELINE!!!!

    merci beaucoup.
    la petite

  2. dazu fällt mir eigentlich nur noch ein:

    ich färbe mir die haare und ziehe bunte sachen an – nicht um mich von anderen abzuheben, sondern weil ich mir persönlich so gefalle.

    wollt ich nur sagen 8-)

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