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dogmatisch reisen für anfänger. tag 4 - donnerstag, 28.08.2008

don­ners­tag: nach fast sechs stun­den schlaf kom­men wir pünkt­lich um 6.03 uhr in wien süd­bahn­hof an. ich wie­der­ho­le: um 6.03 uhr. da ist selbst in wien nichts los! aba nu, wat wills­te machen? als wir end­lich dem sti­cken abteil ent­kom­men sind, set­zen wir uns direkt in die nächs­te bahn, die uns - ein­mal um wien her­um - nach hüt­tel­dorf bringt, von wo wir den west­bahn­hof ansteu­ern kön­nen. … vien­na, tag 2, auf geht's, heu­te mit einem ganz beson­de­ren pro­gramm: nichts­tun!

tages­pro­gramm: 0603 wien süd­bahn­hof an, einen tag an bahn­hö­fen ver­le­ben, 2125 wien west­bahn­hof ab.

nichts­tun. eine anspruchs­vol­le auf­ga­be. ein tag auf einem bahn­hof - und das in wien! man könn­te mei­nen: was für eine ver­schwen­dung. hät­te ich den tag in der innen­stadt ver­bracht, beim shop­ping oder sight­see­ing, dann wär' mir DAS nie­mals pas­siert. … ein eigent­lich unspek­ta­ku­lä­rer tag, züge kom­men an, züge fah­ren an, ansa­gen vom band kün­den von her­an­na­hen­den und schwin­den­den men­schen­röh­ren, poten­zi­el­le fahr­gäs­te schlen­dern und ren­nen aus, het­zen und gehen zu ihren zügen, kof­fer­ka­ra­wa­nen rol­len vor­bei, sitz­bän­ke wer­den bela­gert, kof­fer ste­hen unbe­auf­sich­tigt vor zug­tü­ren, bis ihre besit­zer aus dem luken stei­gen und sie end­lich abho­len.

undenk­ba­res geschieht: kei­ne gleis­än­de­run­gen. züge kom­men an, wo sie ankom­men sol­len, fah­ren ab, wie ihnen gesagt wird, da ist es irgend­wie nicht über­ra­schend, dass die züge mit der meis­ten ver­spä­tung die­je­ni­gen sind, die von der bahn aus deut­schen lan­den kom­men. das, was die bei­den züge, die ich bei mei­nem besuch n der anzei­ge­ta­fel erbli­cke, an ver­spä­tung zusam­men­brin­gen, schaf­fen alle ande­ren züge an die­sem tag nicht ein­mal als team!

apro­pos züge: wir foto­gra­fie­ren einen ice bei der abfahrt, wir foto­gra­fie­ren im minu­ten­takt, wir foto­gra­fie­ren im fünf-minu­ten-takt, wir foto­gra­fie­ren einen rail­jet (einen zug, der zum fahr­plan­wech­sel im dezem­ber erst ein­ge­setzt wer­den soll, auf sei­ner test­fahrt; was sind wir begeis­tert und über­wäl­tigt, wir mer­ken es viel zu spät, sonst hät­ten wir mehr fotos gemacht) - und wir ler­nen mag­da ken­nen.

mag­da. sie kommt mit dem zug aus zürich, will wei­ter nach buka­rest. sie macht die­se rei­se gut und ger­ne vier­mal im jahr. sie reist mit gro­ßem gepäck und ohne gepäck­trä­ger und da steht sie vor ihrem zug aus zürich, das gepäck steht dank tat­kräf­ti­ger hil­fe am gleis und nun ham sie alle ver­las­sen. weil wir zeit haben, hel­fen wir ihr. ihre kof­fer und taschen über­wu­chern den her­an­ge­karr­ten gepäck­wa­gen und irgend­wie schaf­fen wir es doch von einem gleis zum ande­ren und kom­men nicht umhin, mit ihr zu reden. … sie erzählt in gebro­che­nem deutsch von ihrer rei­se, sie kommt aus rumä­ni­en und da fährt sie hin, zu ihrer toch­ter, bringt ihr klei­dung und ande­re nütz­li­che sachen, einen tisch und wei­te­re güter, sie erzählt von den aben­teu­er­li­chen rei­sen, die sie schon erlebt hat - was da alles pas­sie­ren kann, an ver­spä­tun­gen und die­ben im zug, und unbe­que­men lie­gen; sie hat es alles schon erlebt. … nun, man spricht nicht über das alter - aber sie sieht jün­ger aus als sie ist … das macht hoff­nung, immer­hin rei­se ich auch ger­ne. … letzt­lich ver­brin­ge ich eine schö­ne zeit mit ihr im abteil und bekom­me von ihr eine buka­res­ter adres­se und tele­fon­num­mer, falls ich mal dort über­nach­ten will, das haus gehö­re ihrem ex - und zur blü­te muss ich unbe­dingt ans donau­del­ta am schwar­zen meer. recht hat sie!

dann, spä­ter, aber nicht so spät, mag­da sei dank, ist es so weit: mein zug fährt ein, mein abteil ist leer, nur ein wei­ter platz in die­sem sech­ser-sitz­ab­teil ist reser­viert, ich freue mich auf eine geruh­sa­me nacht und aus­ge­streck­te bei­ne. nach nur zehn minu­ten kommt ein schwei­zer ehe­paar und fragt, ob noch was frei ist. kann ich nein sagen? nein, konn­te ich noch nie. zwei plät­ze weni­ger. sie fra­gen mich aus, her­kunft, rei­se­ziel, grund der rei­se, tätig­keit, per­spek­ti­ven, grün­de für die wahl - will­kom­men im kreuz­ver­hör. immer­hin: mit einem leich­ten schwei­zer akzent im hoch­deut­schen ist selbst das ver­gnü­gen und man unter­hält sich über züge und rei­sen und gene­rell - das leben ist doch schö­ner, als man denkt. kaum haben wir das zu ende gedacht, kommt eine stu­den­tin (wir grei­fen auf das fol­gen­de ver­hör zurück ^^) her­ein und fragt, was zuvor schon das ehe­paar frag­te. natür­lich ist noch was frei - aber bis sie dann kapiert hat­te, wann wie wo war­um was reser­viert war und wo sie nun sit­zen konn­te, dau­ert. von nun an weicht mein dau­er­g­rin­sen nicht mehr bis zürich. … als sie gepäck und sich ver­staut hat, wird auch sie ver­hört (stu­den­tin aus der schweiz, stu­diert phi­lo­so­phie und will gezz hei­me fah­ren) und wir kommt der ehe­mann zur über­ein­kunft, dass der zwei­te reser­vier­te platz in die­sem abteil einem hun­de­be­sit­zer gehö­ren muss. tut er aber nicht, gleich­wohl in der fami­lie des jun­gen man­nes durch­aus hun­de ein zuhau­se haben. er hat viel gepäck, oder, um es genau­er zu sagen: gro­ßes gepäck. wir benö­ti­gen den sechs­ten sitz, um alles unfall­frei zu ver­stau­en. er ist blond, eins neun­zig, gebür­ti­ger ber­li­ner mit wohn­sitz in wien und einem prak­ti­kums­platz in einem ber­ner spi­tal. er stu­diert medi­zin. aller­dings noch nicht lan­ge genug, um jeman­dem von uns das leben ret­ten zu kön­nen und er hat bereits ein prak­ti­kum in jenem spi­tal gemacht, wes­we­gen irgend­wie nie­mand von uns pro­ble­me mit dem ver­ständ­nis des schwy­zerdüt­s­chen zu haben schien.

das ehe­paar sitzt sich am gang gegen­über, die stu­den­tin sitzt neben der ehe­frau , neben ihr sitzt - mir gegen­über am fens­ter - der stu­dent. das ehe­paar liest und ver­sucht - abge­se­hen von nur noch weni­gen wort­bei­trä­gen, die nacht senkt sich über den rat­tern­den wurm - dar­über ein­zu­schla­fen, die stu­den­tin liest in einem klei­nen aus­tausch­bar gel­ben buch mit ziem­lich lan­gem titel (es klang inter­es­sant - hey, phi­lo­so­phie!), wäh­rend ihr jun­ger neben­sit­zer sich in sei­ner musik ver­senkt. wir nut­zen die gele­gen­heit und die inspi­ra­ti­on - hey, phi­lo­so­phie! - um uns veras fra­ge­stel­lung vom mon­tag zu wid­men, um die bis­he­ri­gen gedan­ken aus­zu­for­mu­lie­ren, und schwupps ist es nach elf und wir gestal­ten das abteil zum knaut­sch­wa­gen um (lie­ge­wa­gen will man das nicht nen­nen!). … die ehe­leu­te rei­ben sich die füße unter die nasen, die ange­hen­de phi­lo­so­phin ver­senkt ihre bei­ne unter dem mit ruck­sä­cken belas­te­ten frei­en sitz und wir fens­ter­sit­zer wickeln uns irgend­wie unter den sitz und zwi­schen taschen und ruck­sä­cken irgend­wie um uns als kopf­kis­sen her­um. passt scho.

bis zwei uhr in der nacht. aus unbe­kann­ten grün­den ist das gan­ze abteil wach. dass wir gera­de öster­reich ver­las­sen und durch liech­ten­stein in die schweiz gelan­gen, war wohl nicht der grund. kurz ein paar wit­ze gewech­selt, wei­ter­ge­schla­fen, wir sind in der schweiz. um fünf uhr der nächs­te wecker. die drei, die wei­ter am gang sit­zen, stei­gen um, wir fens­ter­lin­ge haben das abteil für uns - was für eine bein­frei­heit. anstatt über­ein­an­der her­zu­fal­len, kuscheln wir uns an die plü­schi­gen pols­ter und ver­su­chen noch ein stünd­chen zu schla­fen - was natür­lich nicht klappt, war­um soll­te es auch? eine kon­trol­le des bil­lets ist wich­ti­ger als schön­heits­schlaf. nächs­ter halt: zürich hb. augen zu. auf. zu. auf.

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