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dogmatisch reisen für anfänger. tag 3 - mittwoch, 27.08.2008

mitt­woch: als wir in oświe­cim ankom­men, ist es noch nacht. fahr­plan­mä­ßi­ge ankunfts­zeit wäre 4.37 uhr gewe­sen, aber wir hat­ten ja schon bei der abfahrt in wien eine hal­be stun­de ver­spä­tung - und jetzt ist es etwa vier­tel vor fünf. stol­ze leis­tung, in ande­ren län­dern wäre das nicht pas­siert. der net­te herr, der mei­ne bei­den pol­nisch spre­chen­den abteil­ge­nos­sIn­nen unab­läs­sig in einen mono­log ver­wi­ckelt hat­te, steigt auch hier aus, hier in - ja, wo bin ich eigent­lich? … ich weiß, es soll­te oświe­cim sein, die rie­si­gen buch­sta­ben am bahn­hofs­ge­bäu­de mit ost­block­charme spre­chen auch von oświe­cim, aber ich ste­he hier mit­ten in der pam­pa. vier bahn­stei­ge, über­gang von einem zum ande­ren erfolgt über die glei­se, war­te­häus­chen oder über­dach­te sitz­plät­ze gibt es nicht und oben­drein ist es - wer hät­te es gedacht? - dun­kel. nacht halt, vor son­nen­auf­gang. dazu gesel­len sich nied­ri­ge tem­pe­ra­tu­ren und nebel. will­kom­men in polen und ein herz­li­ches dzień dobry.

tages­pro­gramm: 0437 oświe­cim an, dann irgend­wie über die run­den kom­men und das, wes­we­gen fast alle men­schen sich in oświe­cim sam­meln, “ausch­witz”, polen jen­seits des­sen genie­ßen, 2346 oświe­cim ab.

was macht man um vier­tel vor fünf in der pol­ni­schen pam­pa? … was heißt hier pam­pa, der bahn­hofs­ki­osk und der bahn­schal­ter und der zeit­schrif­ten­la­den haben doch geöff­net? in erman­ge­lung des nöti­gen klein­gel­des suchen wir einen ort, an dem man geld erlan­gen oder wech­seln kann, und - sie­he da - gegen­über des bahn­hofs gibt es eine bank. die öff­net aller­dings erst um neun. … also: auf zum nächs­ten geld­au­to­ma­ten, auf nach kraków. wir set­zen uns in einen der nächs­ten züge, die ein wenig unre­gel­mä­ßig fah­ren - natür­lich die bum­mel­bahn, was sonst, aber das mer­ken wir erst, als der zug schon am drit­ten klei­nen baum ange­hal­ten hat - und juckeln in der mor­gen­däm­me­rung durch das neb­lig-länd­li­che polen, eine sehr reiz­vol­le land­schaft, herr­lich wild - nur irgend­wie war das frü­he auf­ste­hen fatal. wir nut­zen die fast zwei stun­den, die der zug für die knapp 50 kilo­me­ter benö­tigt und machen mal wie­der ein paar nicker­chen. zum zug selbst sei nur so viel zu sagen: so gut wie die bum­mel­bahn in bel­gi­en ist er alle­mal! die sit­ze sind genau­so unbe­quem, die nicht vor­han­de­nen ansa­gen glei­chen sich im wort­laut, ABER die türen öff­nen und schlie­ßen auto­ma­tisch und es ertönt ein warn­si­gnal, wenn die türen schlie­ßen; beto­nung auf “wenn”, nicht “bevor” - und wäh­rend des warn­si­gnals fährt der zug auch schon ruckelnd an.

kurz vor neun (jaja, die zeit ver­geht) errei­chen wir kraków głow­ny, end­sta­ti­on, will­kom­men in der leb­haf­tes­ten und - laut aus­sa­gen mei­ner mit­rei­sen­den des nacht­zu­ges - auf­re­gends­ten stadt polens. … das bahn­hofs­ge­biet ist jeden­falls sehr edel. alte bau­ten, hell und restau­riert, ein teu­res ein­kaufs­zen­trum, geld­au­to­ma­ten, eine bank und die post … und nur weni­ge meter vom bahn­hof ent­fernt, beginnt der hel­le schein auch schon zu schwin­den - aber reiz­voll ist das schon alles.

eines muss man kraków ja las­sen: es ist kon­kur­renz­fä­hig - was die prei­se für das ver­rich­ten der not­durft angeht. zwei zło­ty für die “kabi­na”, das sind umge­rech­net 60 cent - wien war güns­ti­ger. aber nicht sau­be­rer. hier in kraków gibt es dafür im bahn­hof wenigs­tens wirk­lich eine “kabi­ne” mit durch­ge­hen­den sta­bi­len wän­den vom boden bis zur decke und eine mas­si­ve tür, dazu ein klo mit klo­bril­le und deckel - nur das papier, das muss man auf vor­rat aus dem vor­raum mit­neh­men. aber hey, ein klo - immer­hin.
nur wenig spä­ter - wir haben inzwi­schen ein wenig klein­geld - sit­zen wir wie­der im zug, zurück nach oświe­cim - oder, nee, irgend­wie doch nicht. irgend­wann hält der zug und alle stei­gen aus, wech­seln - irgend­wo im nichts, das sich bahn­hof heißt und sehr schön urwüch­sig aus­sieht - vom zug in den bus und fah­ren ein wenig über das land zu einem ande­ren eben­so schi­cken bahn­hof, wo wie­der ein zug auf uns war­tet. auf deutsch heißt sowas wohl “schie­nen­er­satz­ver­kehr”. woll­te ich schon immer mal auf pol­nisch erlebt haben. … schließ­lich kom­men wir wohl­be­hal­ten in oświe­cim an, wo jetzt auch ein wenig mehr los ist, wo jetzt auch bus­se fah­ren, und wo der ers­te bus, der da vorm bahn­hof gera­de anhält, auch zum muse­um ausch­witz fährt. für 2,20 die fahrt. daheim hätt’ ich den­sel­ben betrag in euro gezahlt für die stre­cke.

państ­wo­we muze­um w oświe­ci­miu, muse­um ausch­witz. am anfang: ein bewach­ter park­platz, ihm gegen­über die tou­ris­ten­ab­fer­ti­gung mit ein wenig fast­food, erfreu­lich wenig los, da. an der einen schma­len sei­te des park­plat­zes begin­nen die häu­ser, genau­er, das muse­um, nur ein klei­nes gebäu­de, in dem bücher ver­kauft wer­den, eng­lisch- und anders­spra­chi­ge füh­run­gen orga­ni­siert wer­den und sich sam­meln und einem raum vol­ler klei­ner tafeln namen und bil­dern von loka­len wider­ständ­lern, die sich im roten kreuz oder ander­wei­tig für die gefan­ge­nen des kon­zen­tra­ti­ons­la­gers ausch­witz-bir­ken­au ein­ge­setzt haben. von dort geht es raus, gen gelän­de des ehe­ma­li­gen kon­zen­tra­ti­ons­la­gers, über­all ste­hen hin­weis­ta­feln, dass man der opfer der gräu­el ange­mes­sen geden­ken soll, und so ziem­lich als ers­tes ist da dann ein pik­to­gramm samt schrift­li­cher erläu­te­rung, frei über­setzt: hier nix foto machen! und dann ste­hen die­se dep­pen aller her­ren län­der da im ein­gangs­tor, unter dem schrift­zug “arbeit macht frei” und grin­sen däm­lich in die kame­ra. wär’ ich aus­ge­ras­tet, hät­te ich für sach­schä­den im vier­stel­li­gen bereich gesorgt, da war so manch schö­ne kame­ra dabei. wobei: zu gern hätt’ auch ich die kame­ra gezückt …
dann: ein unge­führ­ter rund­gang, denn alles steht noch wie damals. fast jeden­falls, die gebäu­de sind erhal­ten, jedoch fin­den nun aus­stel­lun­gen in den ein­zel­nen bara­cken statt, über juden­ver­fol­gung in den ein­zel­nen län­dern, über den wider­stand, über die fol­ter im kon­zen­tra­ti­ons­la­ger, die begleit­tex­te alle­samt auf pol­nisch, hebrä­isch und eng­lisch. … irgend­wie nach­voll­zieh­bar, dass da kein deutsch bei war.
… und zwi­schen all der drü­cken­den erin­ne­rung - ich woll­te par­tout nicht deutsch spre­chen an dem tag, hab mich durch mein mehr als ros­ti­ges pol­nisch gequält und ansons­ten nur eng­lisch gespro­chen - gab es doch noch einen hoff­nungs­schim­mer: deutsch-israe­li­sche jugend­be­geg­nung, ein schwu­les paar aus bei­den län­dern wate­te arm in arm durch

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