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dogmatisch reisen für anfänger. tag 2 - dienstag, 26.08.2008

diens­tag: mor­gens, halb neun in wien … genau­er: 8.35 uhr, pünkt­li­che (!) ankunft an wien west­bahn­hof nach einer leicht geknautsch­ten nacht. was bis­her geschah: wir wach­ten gegen halb sechs irgend­wo im doch recht hüge­li­gen alpe­nös­ter­reich auf und konn­ten seit­her nim­mer ein­schla­fen. war­um auch schla­fen? die hüge­li­ge land­schaft in blau­vio­let­tem mor­gendunst ist doch atem­be­rau­bend, erst recht, wenn die far­ben dann durch rot, oran­ge und gelb ins tag­hell­blaue chan­gie­ren. … also dann, in wien ange­kom­men stellt sich die ers­te beob­ach­tung ein: die bau­stel­le war hier vor zwei jah­ren nicht. und wir schei­nen es auf die­ser rei­se so mit den bau­stel­len zu haben. … der west­bahn­hof ist - ich sage nur pro­jekt haupt­bahn­hof - mit­ten in umbau­maß­nah­men, aus­gän­ge sind geschlos­sen, sperr­holz­plat­ten und bau­zäu­ne blo­ckie­ren wege und aus­bli­cke. … als ers­tes gilt es sani­tä­re anla­gen zu fin­den, ein wenig rein­lich­keit muss ja sein, und zum glück gibt es die auch. die tari­fe - am ein­gang zu den her­ren­toi­let­ten zu lesen - sind güns­tig: pis­soir 0,30 €, schüs­sel 0,50 €, dusche 3,00 €. zu klo­schüs­seln und tari­fen mor­gen mehr. nach der gene­ral­rei­ni­gung wird das gepäck ent­sorgt bzw. ein­ge­la­gert - bei zwei euro­nen am tag kann man sich das auch mal leis­ten. … erst danach geht es raus aus dem bahn­hof und rein in den tag.

tages­pro­gramm: 0835 wien west­bahn­hof an, über den tag ver­teilt nah­rungs­auf­nah­me, stadt­tour etc., 2233 wien süd­bahn­hof ab.

als ers­tes geht es - wir erin­nern uns an eine längst ver­gan­ge­ne kurs­fahrt nach wien - zu einer der ört­li­chen super­markt­ket­ten, die unter ande­rem namen auch in deutsch­land fir­miert und decken uns mit ein wenig ver­pfle­gung für den tag ein. kann ja nich scha­den. danach heißt es: zurück zum bahn­hof, ab zur u-bahn, ticket lösen (5,40 € das 24-stun­den-ticket für ganz wien; 1,70 € das ein­zel­ti­cket) und ers­ma zum nasch­markt (u-bahn-sta­ti­on ket­ten­brü­cken­gas­se). wir stei­gen schon eine sta­ti­on eher aus (pil­gram­gas­se) und erkun­den zu fuß ent­lang der wien den weg zum nasch­markt.

kaum aus der u-bahn-sta­ti­on gestol­pert, fal­len wir fast einem rosa haus in die arme: das wie­ner les­ben und schwu­len haus. hal­le­lu­jah! aber schick isset schon - vor allem, wenn man dane­ben bzw. ihm gegen­über die ein­ge­ker­ker­te wien neben der u-bahn sieht. nur weni­ge meter wei­ter beginnt dann an der nächs­ten grö­ße­ren kreu­zung mit brü­cke über die wien der nasch­markt und in der lin­ken wien­zei­le fin­de ich auch nett aus­schau­en­des café, in dem ich früh­stü­cken wer­de. never again. lecker isset, das früh­stück mit ei und kaf­fee und käse anstel­le der mar­me­la­de, aber es ist ein wenig knapp bemes­sen und inklu­si­ve des zusätz­li­chen oran­gen­saf­tes und eines gro­ßen statt des klei­nen kaf­fees (einem brau­nen statt der in der kar­te ste­hen­den melan­ge) habe ich auch locker den finan­zi­el­len rah­men gesprengt. also: kein gran­ny smith auf dem nasch­markt, zumal das kilo am anfang auch noch zwei euro und am ende schon drei euro kos­tet. aber schon ist es trotz­dem, ein­fach zu schlen­dern und zu atmen, zu gucken und den leu­ten zu lau­schen.

am ende sind wir nach gerau­mer zeit - es scheint mit­tag - auch schon am karls­platz, über­que­ren ihn stau­nend, denn hier ist eine alte bau­stel­le end­lich ver­schwun­den, und schrei­ten mehr gen ste­phans­dom und kom­men doch nur bis zum sün­den­fall: star­bucks! in wien! wo wien doch so groß­ar­ti­ge kaf­fee­häu­ser hat. … vor schreck stol­pern wir in den vir­gin mega­s­to­re und fin­den auf nach­fra­gen sogar eine lang ersehn­te cd und erwer­ben sie käuf­lich; das bud­get ist end­gül­tig über­schrit­ten, die cd läuft dafür seit der heim­kehr in end­los­schlei­fe; die ner­ven sind ein wenig beru­higt, beru­higt genug, um post­kar­ten zu erwer­ben - auch hier um (wie die öste­rei­cher sagen) 40 cent das stück und die aus­land­brief­markr eben­falls um 65 cent, i just hope, i got the right address, nini.

mit post­kar­te und brief­mar­ke geht es vor­bei am unsäg­li­chen kaf­fee­ab­fer­ti­gungs­dienst - den ich hier so sehr wegen des him­beer­si­rups schät­ze - zurück zum karls­platz ins heiß ersehn­te kunst­hal­len­ca­fé am karls­platz, eine sehr schi­cke loca­ti­on, das "drin­nen" mar­kiert ein schwar­zer glas­kas­ten, drau­ßen ist eine ter­ras­se mit wei­ßen und grü­nen plas­tik­mö­beln und über­all einer guten spei­se­kar­te und ange­neh­mer loun­ge­mu­sik. hier lern­te ich vor jah­ren­den den herrn tofu ken­nen und schät­zen, in sesam­krüst­chen auf karot­ten­pü­ree und woll­te unbe­dingt wie­der­keh­ren. bestell­te mir soda mit him­beer und ein müs­li mit joghurt und früch­ten bei strah­len­dem son­nen­schein.

aus­zeit.

irgend­wann am frü­hen nach­mit­tags ging es wei­ter, von hier über den weg zum brief­kas­ten direkt ab an die donau, auf die donau­in­sel. stopp, zwi­schen­sta­ti­on u-bahn- und stra­ßen­bahn­tour. zum zen­tral­fried­hof - bei son­nen­schein lei­der uner­träg­lich, ich woll­te die jüdi­sche abtei­lung unbe­dingt mal bei regen sehen - und wie­der zurück.

erst danach ging es zur donau­in­sel und dort begann dann das ganz gro­ße nach­mit­tags­pro­gramm: füße ins was­ser, lesen, schrei­be, fotos machen und gucken, bräu­nen las­sen. was will man mehr? … zum abschied ver­wan­del­te sich mei­ne kar­te, die es zum inter­rail pass gab, in einen über­di­men­sio­nier­ten, zu oft geknick­ten und des­halb lei­der flug­un­taug­li­chen papier­flie­ger, der kopf­über direk­ta­men­te von der brü­cke über die donau in die donau stürz­te. man kann halt nicht alles haben.

irgend­wann neig­te sich aber auch die­ser schö­ne tag dem ende zu und wir bega­ben uns - über einen abste­cher zum west­fried­hof, wo unser gepäck lager­te, denn das hand­ge­päck aus schreib­kram und kame­ra­zeugs hat­ten wir (auch des­halb muss­ten wir ein­kau­fen) in einem plas­tik-ein­kaufs­beu­tel trans­por­tiert - zum süd­bahn­hof, der wegen der groß­bau­stel­le rund um den haupt­bahn­hof nur über umwe­ge zu errei­chen war und waren noch immer recht­zei­tig da.

zum süd­bahn­hof nur so viel: schö­ner als der west­bahn­hof ist er nicht. dafür aber eben­so ein kopf­bahn­hof.

an sich wäre der fol­gen­de pro­zess (zug kommt an, ein­stei­gen, abfahrt) unspek­ta­ku­lär gewe­sen, hät­te es nicht ein paar bahn­be­ding­te plan­än­de­run­gen gege­ben. denn: weil wir auf wei­te­re zug­rei­sen­de war­ten muss­ten, ver­zö­ger­te sich die abfahrt des zuges aus wien noch vor der abfahrt um 30 minu­ten. posi­tiv: wir kom­men mit ande­ren zug­rei­sen­den ins gespräch, zwei ähn­lich jung geblie­be­ne men­schen wie ich, das heißt, ers­ma eigent­lich nur mit einem. eva (ich hof­fe, ich schreib sie gezz rich­tig) kommt aus polen und spricht mit mir eng­lisch, wir unter­hal­ten uns über die pünkt­lich­keit der züge und unse­re grün­de, war­um wir nach polen fah­ren. mit uns im abteil, ein älte­rer, sehr rede­be­dürf­ti­ger herr (der spä­ter das abteil wech­selt, nach­dem wir jün­ge­ren über­legt hat­ten, dass ich ihm gegen­über lie­gen soll­te, weil ich als ein­zi­ge kein pol­nisch spre­che und er mich somit nicht zutex­ten könn­te) und ein jun­ger mann in mei­nem alter (eva hat sich als jün­ger her­aus­ge­stellt, sie ist noch schü­le­rin), der mit mir dann deutsch spricht, weil er es nicht so mit dem eng­li­schen hat. ich kann, wie gesagt, kein pol­nisch, soll­te es aber kön­nen, denn oświe­cim ist eher pro­vinz; eva, die da zur schu­le ging, meint, dort wäre einer­seits tote hose und ande­rer­seits die deutsch- und eng­lisch­kennt­nis nicht beson­ders aus­ge­prägt. in die­sem sin­ne dzień dobry bzw. eher (die uhr­zeit bedingt es) dobry wie­c­zór, wir schau­en aus dem geöff­ne­ten fens­ter auf dem gang und betrach­ten vien­na at night, ich zei­ge ihr die donau­in­sel und den pra­ter aus dem fens­ter und nicht viel spä­ter - der zug­fah­rer heizt, immer­hin gilt es ver­spä­tung zu redu­zie­ren (über den erfolg oder miss­er­folg mor­gen mehr) - bege­ben wir uns zu bett. fast jeden­falls. vor­her gilt es die bet­ten zu bau­en. die lie­gen (ja, wir sind im lie­ge­wa­gen) sind bereits aus­ge­klappt, sie haben eine sitz­mul­de, auch in den obe­ren eta­gen - war­um? - und als gar­ni­tur gibt es zwei bett­la­ken, ein kopf­kis­sen in kopf­kis­sen­be­zug und eine fleece­de­cke, alles frisch sau­ber rie­chend und trockner­warm. ein laken wird zur decke umfunk­tio­niert und dann dobra­noć.

nächs­te geis­tig bewuss­te akti­vi­tät erst wie­der in polen.

dobra­noć.

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