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dogmatisch reisen für anfänger. tag 1 – montag, 25.08.2008

so, da bin ich wieder. … okay, ich geb’s ja zu: ich bin schon am samstagmorgen um 1.39 uhr in herne angekommen und war dann nach einer halben stunde fußmarsch endlich wieder daheim. erste aktion nach dem absoluten fallenlassen aller dinge: einen teller schokochips mit milch, eine apfelschorle, ab in die heia. stop: vor „ab in die heia“ war noch was, aba dazu später mehr. in diesem sinne nun viel vergnügen bei meinem einblick in eine feuchtfröhliche und durchaus sonderbar denkwürdige reise durch europa.

montag: wir schreiben 3.20 uhr mitten in der nacht – eigentlich eine gute zeit. nicht, wenn sie den anfang des tages markiert! … okay, ich hatte ja vorher schon nicht geschlafen – dann wär ich nie und nimmer rechtzeitig wachgeworden, um den zug zu bekommen oder gar zu packen. denn sowas macht man ja auf den letzten drücker, anders wär unlustig.

folgende ausgangssituation: wir haben einen interrail global pass, immerhin wollen wir mehr als nur einmal oświecim und zurück. dieser pass war in diesem falle an fünf tagen innerhalb eines zehn-tages-zeitraumes nutzbar und auch teuer genug, also kein grund, noch einmal unsummen für eine flotte reise mit dem ice an die deutsch-polnische grenze zu verschleudern. stattdessen ging es auf dem günstigsten weg raus aus deutschland – und der führt über aachen. erstes ziel danach, denn die bahnverbindung erfordert es: strasbourg. soll aber auch schön sein.

fahrplan: 0320 herne einsteigen, umstiege in düsseldorf (0520), aachen (0659), liège-guillemins (0918), dommeldange (1208), luxembourg (1235) und metz ville (1334), ankunft strasbourg 1505. dauer: 705 minuten, davon 207 minuten wartezeit. (!aufgrund bahnüblicher gründe nicht eingehalten!)

in düsseldorf bleibt mir zu viel wartezeit, zumal die zeitschriftenläden allesamt noch geschlossen sind. einzig offen sind die hiesige frikadellenbrötchenfiliale mit dem großen m und ein kaffee-kippen-brötchen-wagen vor dem bahnhof. in aachen dann die erste neuigkeit: endlich darf ich mit den alt aussehenden und seienden zügen des euregioAIXpress fahren. allerdings nur bis welkenraedt. baustelle, modernisierung des bahnhofs. man empfiehlt mir den umstieg auf den schnelleren intercity von eupen nach ostende, den ich dann auch nehme. die folge: mehr wartezeit in liège – und ich wäre selbst mit dem verspäteten euregioAIXpress noch pünktlich gewesen. so aber bleibt mir zeit die stadt zu erkunden.

jetzt, wo ich die wikipedia habe, WEISS ich, dass die innenstadt vom bahnhof weiter weg liegt. aber das ist mir seit montag auch schon klar. … der erste eindruck: der bahnhof ist eine riesige baustelle, alles ein wenig chaotisch, die wartehalle samt bahnhofsinterner einkaufspassage ist in einem baucontainer untergebracht, da sag ich merci und suche lieber die innenstadt. komme stattdessen an einem abrissgelände vorbei und gehe durch leicht gräuliche, leicht heruntergekommene straßen mit alten häusern, die nicht im besten zustand sind, dafür aber im erdgeschoss billige fressbuden jeglicher couleur – wenn auch uhrzeitbedingt geschlossen – haben, und das ganze bei grauem himmel und nieselregen. mein eindruck, als ich später wieder in einen zug steige: hässliche stadt, aber irgendwie faszinierend.

also weiter, nach dommeldange – französisch ausgesprochen klingt’s irgendwie langweilig – denn zwischen ebenjenem dommeldange und luxembourg ist eine baustelle, folglich gibt es mit bussen einen schienenersatzverkehr, mitten durch den luxembourgischen mittagsverkehr: die busse fahren kolonne – und ich werd ein wenig kolone: baustelle reiht sich an baustelle und der luxembourger hauptbahnhof ist abgesehen vom bahnhofsgebäude eine einzige baustelle, noch schlimmer als liège-guillemins. nur hat liège keinen bahnhof aus der zeit der jahrhundertwende. … nur habe ich für luxembourg keine zeit, mein zug fährt quasi … äh, gleich, halt!von luxembourg nach metz, nichts spannendes los, ich mache, was ich auch schon zwischen liège und luxembourg tat: nickerchen. … also: … augenlieder langsam zitternd senken, sich in das samtene wohlbefinden betten und dann ruckhaft aufwachen, wenn der kopf während des abgleitens endlich mit dem kinn an den brustkorb gesunken ist … im zeitraffer eindeutig ein „nickerchen“. nicht sonderlich angenehm, aber nach mehrfacher widerholung ist man durchaus für weitere stunden lebhafter aktivitäten gerüstet. zum beispiel das umsteigen in metz.

denn: punkt eins: alles auf französisch – und nur auf französisch! zuvor gab es ja zumindest noch eine zweite sprache, und liège bot sogar deutsch, wohingegen das luxembourgische idiom lëtzebuergesch dem deutsch sehr nah und für dialektgelernte ruhris sogar gut zu verstehen ist. und: punkt zwei: keine zeit, keine zeit, denn die offiziellen 13 minuten umsteigezeit hatten sich aus betrieblichen gründen ein wenig reduziert. immerhin: für ein foto en passant bleibt genug zeit. aber dafür muss man ja auch nicht abbremsen oder stehen bleiben.

die strecke durch das elsass nach strasbourg ist eine schöne, wenn auch nicht kurze, strasbourg selbst auch sehr schön und der aufenthalt ist lang genug … fast zu lang, aber was hätte ich auch alles noch sehen können. ich bin nur gelaufen – mit der straßenbahn hätte ich deutlich mehr sehen können, aber allein die straßenbahn sehen zu können, hat mir schon gereicht. stattdessen habe ich die altstadt – eine melange aus recht alt und alt – unsicher gemacht, bin zwischen münster, souvenirläden und cafés umhergewandelt und habe auch alles von innen betrachtet. das münster: eindrucksvoll – aber bei gotischen kirchen geht ja eh mein herz auf. die souvenirläden: einer gleicher als der andere – postkarten gibt es überall für 40 cent, und was den tinnef und tand angeht, tun sich die läden auch nix. cafés: doll, doll, doll, was es alles gibt – und 8 euro für eine tarte flambée (zu deutsch: flammkuchen) is wirklich nicht viel, wenn man dagegen das große, gelbe m hält: 7 euro für frikadellenbrötchen, frittenersatz und koffeinhaltige brause. … aber auf die dauer kann ja nich das ganze budget nur für’s essen draufgehen. … in diesem sinne setze ich mich dann vor ein kleines café, „caféine“ geheißen, und gönne mir selbigen.

nachdem man postkarten erworben hat (meine französischlehrer mögen mir die vergewaltigung der sprache verzeihen) – ich hoffe, die karte ist inzwischen angekommen, vera – muss man nur noch läden finden, in denen es auch briefmarken gibt – denn man war ja so intelligent, die mit den karten erworbene eine „timbre poste“ zu verlieren – und nachdem auch das geschafft ist, kann man sich dann auf die suche nach einem briefkasten begeben und entdeckt dabei so manch weiteres nettes straßencafé, das preislich nicht so sehr auf wohlhabende touristen sondern mehr auf die eigene bevölkerung zielen, herrlich.

weil aber sonst abends nicht ganz so viel los ist, begibt man sich zurück zur gare de strasbourg, einem mal ansehnlichen beispiel vom bahnhofsbauten mit glas. aber ich mag den berliner hauptbahnhof ja eh nicht, da stören mich auch die ganzen ansagen auf französisch und der umstand, dass ich mein gleis erst wenige minuten vor der abfahrt angesagt bekomme, nicht. immerhin gibt es zwei gut sortierte zeitschriftenläden ein und derselben kette – deshalb zwei, weil sie in verschiedenen gebäudetrakten liegen – und diverse andere an bahnhöfen praktische läden (lebensmittel, kosmetika und andere drogen).

da es aber noch viel zu früh ist (die sonne ist nicht einmal in gedanken schon beim untergang), setzt man sich einfach auf den großen, recht grünen platz vor dem bahnhof und bestaunt das, was man sieht: wiese, glas, alte fassaden, menschen. und wird unvermittelt in ein gespräch mit einer recht kleinen frankophonen frau verwickelt, die sehr schnell und sehr viel und sehr unverständlich davon redet, dass ihr beim bahnfahren immer die augen tränen, aber auch nur beim bahnfahren, HALLELUJAH!, warum wird in unseren schulen das gelehrt, was wir für französisch halten und nicht das, was französisch ist? … aber gut, wir überleben es und müssen noch immer schmunzeln, wir schaffen es später im bahnhof sogar einen kaffee zu erwerben – am automaten, ich geb’s ja zu – und schließlich unbeschadet den zug zu besteigen.

nachtzug. sitzabteil. war günstiger. wir sind zu zweit im abteil, später zu dritt, weil eine reservierung nicht wahrgenommen wird. also: sitzpolster flachlegen, auf beiden seiten und beine ausstreck- aua! – nicht ausstrecken, denn dafür ist die liegefläche nicht lang genug. immerhin: mit leicht angewinkelten beinen geht alles.

wir schreiben 22.20 uhr, als der orient-express (en 265) richtung wien westbahnhof den strasbourger bahnhof verlässt und sinken kurz darauf in einen erholsamen schlaf.

für heute: 59 fotos und zweieinhalb seiten in meinem büchsken, als grundlage für weitere notizen, welche teils her verwoben wurden.

… tcha, das war er, tag 1. über die anderen tage will ich später schreiben, gezz braucht mein pc ersma ne pause von mir. die weiteren berichte und launische anmerkungen über alles und irgendwie nichts auf der reise folgen ebenso wie die bilder, wenn diese sich in einem mir genehmen zustand präsentieren.

so weit vorerst,

dogMA

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