Gedöns
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schüler schreiben spitzen-abi!?

die wp sieht es ein noch positiver: trotz einer pannenserie sei das abitur dieses jahr so gut wie nie zuvor in nrw ausgefallen. so sagen zumindest der titel und der untertitel überinstimmend aus – im artikel erfährt man dann über die güte des abiturjahrgangs – abgesehen von der schlechterstellung der gesamtschulen – nichts über das phänomen. stattdessen geht es darum, dass künftig ein sachverständigenbeirat unter der leitung wilfried bos, der schon bei der iglu-studie mitgewirkt hatte, die aufgaben auf richtigkeit überprüfen soll.

dass der herr direkt zum bildungspapst gehypt wird – nu, so ist das nunmal … einziges problem daran – und damit sind wir in einem kleinen exkurs angelangt: wir haben mehr als nur einen bildungspapst. ich biete an als päpste und gegenpäpste (und nenne dabei nur die namen, die unter den ersten 45 ergebnissen der scroogle-suche nach „bildungspapst“ erscheinen): dietrich schwanitz, hans ulrich stöckling, jürgen baumert, wilfried bos, hartmut von hentig, norm green, harald schmidt, rainer domisch, kari kinnunen, dieter lenzen, klaus ring, jukku sarjala, john dewey, olaf köller, göste esping-andersen, jens g., roland grabs, erwin fritzsche, hubert engeroff. ohne jetzt alle namen zur recherche fertig mit link anzubieten: ist das nicht ein wahnsinn? wer ist denn gezz papst und wer gegenpapst? und wer hat recht und wem sollen wir glauben? – und wie hat die kirche diese spaltung überlebt? … apropos kirche: was sagt eigentlich DER PAPST dazu, dass es jetzt schon wieder so viele päpste gibt? wo hat eigentlich die kirche der gebildeten ihren sitz?

zurück zum thema: die abiturienten werden immer schlauer. wer’s glaubt … selbstverständlich lernen die jugendlichen in nrw immer mehr und mehr und nur so können sie die spitzenleistungen im so unglaublich schweren zentralabitur erringen. ich will ja nicht bestreiten, dass mathe dieses jahr wirklich schwer war, aber genauso wage ich anzuzweifeln, dass generationen vor uns dümmer waren als dieser abiturjahrgang es ist. vielleicht sollte man mal diesen abiturjahrgang in rund einem jahr unvermittelt die gleichen aufgaben vor die nase setzen … wofür gibt es eigentlich diese sendungen bei den privaten sendern, so im vorabendprogramm, wo immer die doofheit der jugendlichen exemplarisch an geografietests festgemacht wird? … kann es nicht auch einfach sein, dass da etwas grundlegend schief läuft in unserem bildungssystem?

und warum bezweifelt eigentlich niemand öffentlich, dass das zentralabitur tatsächlich so schwer ist, wie immer behauptet wird?

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4 Kommentare

  1. ich glaube, dass in diesen prüfungen einfach die falschen dinge abgefragt werden, bzw.: zentral-abi heißt ja, dass alle die gleichen prüfungen machen, also hat jeder absolvent dieses abis ungefähr das gleiche wissen.
    gleichzeitig bleiben aber riesige bildungslücken, vor allem im allgemeinwissen, und da das zentralabi ja strikt vorgibt, was durchgenommen wird, bleiben andere wichtige themen auf der strecke.

    kann mich nicht daran erinnern, in der schule die DDR gemacht zu haben. wir haben zwar jahrelang über den 2. weltkrieg gesprochen, aber nicht über die menschen und die frage, wie es zu so etwas wie nationalsozialismus kommen kann, sondern darüber, wieviele waffen die eine seite aufgefahren hat und am wievielten mai hitler sich die nase geputzt hat.

    wie kann man unterschiedliche abitur-formen vergleichen, wenn nicht das gleiche abgefragt wird?
    das stinkt alles von grund auf, das ist meine stammtisch-meinung 8-)

  2. nich vom grund auf – vom kopf her stinkt der fisch.
    die frage ist tatsächlich: was sollen wir wissen, bzw. was soll die jugend von heute wissen? … müssen wir wirklich wissen, wer wie wo in goethes faust mit wem paktiert? muss das sein? (rein polemisch gefragt) – und wer legt fest, was wir wissen sollen müssen?
    was muss in einen bildungskanon rein – und brauchen wir überhaupt einen bildungskanon? müssen wir wirklich in deutschland alle das gleiche wissen? soll ich als ruhri mit den schwierigkeiten des weinbaus an der mosel vertraut sein müssen? … was sollen wir wissen?

  3. nun, wir müssen auf jeden fall wissen, dass adenauer nicht der präsident der ddr war, und dass die ddr eine diktatur war, und dass hitlers angebliche autobahnen keinen völkermord entschuldigen.

    das halte ich jez zum beispiel für einige der extremsten bildungslücken.

  4. das klingt nach einem anfang. … was wir vielleicht nicht unbedingt wissen sollten, sondern primär unsere pädagogen: wie man menschen dazu motiviert, sich selbst für etwas zu engagieren – und sei es nur das stopfen von bildungslücken.

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