Gedöns
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gruppenbild mit schleifmaschine

die luft riecht nach staub. die luft riecht nach staub, nach von schleif­ma­schi­nen und frä­sen gefres­se­nen est­rich­bö­den, nach kleinst­par­ti­keln, fein­staub, die nicht unmit­tel­bar bei der ent­ste­hung auf­ge­so­gen wer­den. der all­ge­gen­wär­ti­ge unsicht­ba­re est­rich­ne­bel - du kannst ihn sehen, wenn du nur lan­ge genug die bril­le auf dei­ner nase trägst - kriecht hin­ter ihren flü­geln ent­lang, belegt flim­mer­här­chen und schleim­haut, trock­net alles aus, bis selbst das nase­rümp­fen schmer­zen berei­tet, ver­bin­det sich mit dei­nem haupt­haar zum ein­zig wah­ren 3-wet­ter-taft, haa­re, aktiv­koh­le, ffffffffffffffffff, einen bes­se­ren fil­ter gibt es nicht. dage­gen hel­fen nur eine bürs­te, ein kamm und viel geduld. erst dann kann das was­ser kom­men - bis der staub dann durch den siphon ent­schwun­den ist, ver­geht wei­te­re lebens­zeit. abschnei­den gin­ge schnel­ler. es bedarf der vor­hän­ge aus schwe­ren, fas­ri­gen plas­tik­bah­nen vier - sie sehen aus wie die rie­si­gen ecki­gen beu­tel, in denen der gesam­mel­te bau­schutt ent­sorgt wird, was für eine ver­geu­dung - um die scho­ko­la­den­fa­brik zu genü­ge von der bau­stel­le des neu­en gebäu­des abzu­tren­nen, neun­und­neun­zig­pro­zen­ti­ge scho­ko­la­de ist anders stau­big, þþþ, und scho­ko­la­dens­tau­bi­ge luft riecht anders.

die gro­ße hal­le ist eine kathe­dra­le des lärms, metal­le­nes gra­nu­lat fräst sir­rend vrrrrrrrrr den boden auf der ande­ren sei­te und rau­hen ihn auf, der sau­ger imi­tiert eine limou­si­ne mit vier zylin­dern vrrrröööööööö-röööööööööööö, aber ohne end­schall­dämp­fer, unter der decke schlägt metall klir­rend auf metall, der ham­mer gibt im hin­ter­grund den glo­cken­schlag, kläng-kläng-kläng-kläng, so schnell ist es vier, und die schleif­ma­schi­nen lau­schen andäch­tig dem echo, vrrrrrrrrrrrrrrrrrrr-vrööööööööööööööööö-röööööööööööööööklängööööööööööö-vrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrklängrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrr-vröööööööööööööööööööööööööökläng-röööööööööööö-vrrrrrrrrrkläng-vrööööööööööööööööö-ööööööööööööööörrrrrrrrrrrrrrrrrr-örrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrröö.

echo, das echo, eine pel­zi­ge zun­ge will lip­pen befeuch­ten, mei­ne lip­pen, sage ich mir, ver­ge­bens, son­nen­licht, fens­ter hat es auch, der nah­be­reich leuch­tet so hell, glei­ßen­der dunst, dass die fer­ne im dun­kel, ver­sinkt, fun­ken­flug aus der nacht, heu­len­des, rat­tern­des schep­pern nach geset­zen der phy­sik, bei­der­seits des ver­schwun­de­nen ein­gangs durch die schleu­se aus kunst­stoff, die geräu­sche schwel­len an, ein kamel sitzt in einem ein­kaufs­wa­gen,  ocker­far­ben, zwei höcker, ein kamel, defi­ni­tiv, ein ein­kaufs­wa­gen aus metall, ein kas­ten was­ser passt unter den waren­korb, hat mal wer ne mark?, es bleibt ste­hen, der ein­kaufs­wa­gen rollt her­an, es guckt links und rechts, der wagen glei­tet über den unge­schlif­fe­nen gro­ben boden, er hält an und das kamel schaut und war­tet, kaut und war­tet, schaut und kaut und war­tet, es sitzt in einem meer von bat­te­ri­en, mignon­zel­len, aa, es schaut und kaut und war­tet, ich bin fas­zi­niert, es schaut und kaut und war­tet und blin­zelt, ich schaue und kaue und war­te und blinz­le und das kamel ist weg.

wir sit­zen und schau­en und kau­en und war­ten und blin­zeln, wir war­ten. wir war­ten, wir war­ten, wir blin­zeln und war­ten, blin­zeln und war­ten, kamel, komm zurück!, die schleif­ma­schi­nen war­ten und lau­schen andäch­tig ihrer ohn­macht.

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5 Kommentare

  1. Womit der Ein­drück­li­che Beweis dass Hand­werk­li­che Arbeit span­nend genug ist um dar­über zu schrei­ben, für mich erbracht wäre.
    Die Vor­stel­lung die­ses Kamels fas­zi­niert mich irgend­wie nach wie vor. ^^

  2. pillenknick sagt

    ehr­lich gesagt: an dem tag war die arbeit kei­nes­wegs span­nend. dau­ernd flog die siche­rung raus, dann war der strom so ab 14 uhr ganz weg. zwei stun­den sit­zen und war­ten, die schleif­ma­schi­nen war­te­ten auf strom, total pro­fan das gan­ze … aber was soll man in der zeit schon groß machen?

  3. Frau*Seltsam sagt

    dan­ke für die­se kathe­dra­le aus lärm, die man fast greif­bar spürt.. und gleich­zei­tig die­se tro­cken­heit in den nasen­flü­geln..

    herr­lich skur­ril.. wer ist nun das cha­os­we­sen? ,) so rein phy­si­ka­lisch gese­hen lie­be ich kame­le in ein­kaufs­wa­gen zwi­schen all den mignon­zel­len!

  4. pillenknick sagt

    mer­ci, mer­ci … ich spü­re sie noch immer,
    die hal­le hallt noch nach,
    sie klin­gelt in mei­nen ohren, die auch nach dem duschen noch vom fei­nen staub bedeckt sind, sein wol­len,
    sind wir nicht alle cha­os­we­sen?
    wenn du kame­le phy­si­ka­lisch liebst, was sagt dann dei­ne psy­che?
    "mehr strom!"?

  5. Pingback: dogma pillenknick » Blog Archive » das ende ist nah

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