Gesellschaft
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talking white?

heute morgen habe ich es noch auf cnn gesehen und ein wenig ungläubig geguckt, jetzt habe ich es auch online gefunden (deutsch: 1, 2, englisch: 1, 2). ralph nader, unabhängiger präsidentschaftskandidat bereits seit 1992, wirft barack obama, dem präsidentschaftskandidaten der demokratischen partei in den usa vor, er spräche „weiß“, oder, wie es im original (hier ein auszug aus dem interview mit den rocky mountain news) heißt: „is it because he wants to talk white?“.

aber zurück auf anfang, wo ist das problem? warum wünscht lisa illichmann ralph nader, er nähme ein wenig pepto-bismol und ginge dann zu bett?

nun, ralph nader kommt im interview auf obamas politische themen und reden zu sprechen, obama spräche nicht über „wirtschaftliche ausbeutung in den ghettos“, nicht über armut trotz arbeit, wucherzinsen, asbest und dergleichen, weil er nicht wie jesse jackson wirken wollen, der sich in einen präsidentschaftswahlkämpfen ende der 80er u.a. für die armen in den städten eingesetzt hatte. nader fragt sich daher: „is it because he wants to talk white?“

„ich bin der meinung, dass die erste sache eines schwarzen präsidentschaftskandidaten sein sollte, ehrlich die misere der armen besonders in den innenstädten und den ländlichen regionen zu beschreiben und ein sehr detailliertes programm zu haben, wie die armut mit dem gesetz bekämpft werden soll, wie die armen mit dem gesetz geschützt werden sollen und wie die armen durch das gesetz emanzipiert werden sollen. davon habe ich nichts gehört.“

in anbetracht der so lebenden 40 bis 50 millionen amerikanischen bürger, hauptsächlich afroamerikaner und hispanics, so nader weiter, solle obama zumindest eine task force (ich habe direkt mal die adäquate übersetzung verlinkt) haben, die deren situation untersuche, und er solle auch dort seine wahlkampfauftritte habe. obama wolle an die „schuld der weißen“ appellieren, ohne aber „weiße machtstrukturen“ zu bedrohen. dabei diese verbraucherschutzbelange außen vor zu lassen, sei eine schande.

so weit, so humm.

nader hat ja insoweit recht, dass die aktuellen wirtschaftlichen entwicklungen (nicht nur) in den usa für viele geringverdiener – die sogenannten „working poor“ – und arbeitslose negative folgen haben, auch in anbetracht der immobilienkrise. aber aus obamas hautfarbe eine berufung für gewisse themen ableiten zu wollen, ist bedenklich, wenn nicht sogar rassistisch. ich stimme nader ja zu, wenn er sagt, dass da mehr getan werden muss, um die menschen aus der armut zu holen und sie vor armut zu schützen – aber ist das nicht eine verantwortung aller? warum muss da erst ein dunkelhäutiger kandidat obama kommen, der sozusagen qua pigmentierung für gewisse themen prädestiniert sein soll?

schön, dass das thema auf die tagesordnung kommt, schande, wie es auf die tagesordnung kommt.

gemäß nader hätte hillary clinton dann ja für frauenrechte und gleichberechtigung eintreten müssen. so hingegen, da nur männer antreten, warum sollte da über frauen und familie gesprochen werden müssen, warum sollten themen wie gleichberechtigung und anerkennung bzw. gleichstellung homosexueller auf der tagesordnung stehen, warum muss überhaupt über umweltschutz gesprochen werden? tritt etwa ein tier zur wahl an?

nader fragt sich ja selbst, ob es einen unterschied mache, dass obama nun nicht der weiße mann ist. muss es das? das ist so, als erwarte man von frau merkel, dass sie speziell feministische politik machte. wie töricht und wie verblendet muss man eigentlich sein, dass man interessen und berufungen nicht unabhängig von biologischen und kulturellen gegebenheiten betrachten kann? ich kann mich doch auch als frau für wirtschaft interessieren und später, wenn ich mal groß bin, wirtschaftsministerin werden! ich kann mich doch auch, obwohl meine vorfahren schon seit jahrhunderten aus deutschen landen kommen, gegen rassismus stark machen und auf die probleme einiger menschen mit migrationshintergrund hinweisen!

was erlaubt sich eigentlich ralph nader, ein 74-jähriger weißer mann, auf die probleme der überwiegend jungen afroamerikaner und hispanics in den großstädten und auf dem land hinzuweisen? it’s not his business!

genug gewettert. halten wir fest: laut nader geht niemand auf die belange des kleinen schwarzen mannes ein (entschuldigt, wenn ich das jetzt so polemisch sage, aber ich berufe mich da frei auf george cook). dann tun wir das mal auch nicht – dafür bin ich einfach nicht in der materie drin, ich habe leider keine ahnung, wie es überm teich aussieht, sorry. aber eines lässt sich selbst von meiner warte in good old germany sagen: wenn es missstände gibt, ist es egal, wer sie anspricht und es gibt da keine personellen zuständigkeiten. so sollte es zumindest sein. aber es ist nur logisch, dass jemand, der sich besonders für kinderrechte interessiert, dort sieht, wenn es zu ungerechtigkeiten kommt. da kann ich nicht von ausgerechnet diesem kinderrechtskämpfer erwarten, dass er, nur weil er verheiratet ist und ein kind hat, plötzlich zum experten im familienrecht mutiert. oder wollen wir politischen fernsehsendungen nun verbieten, über anderen themen als das medienrecht zu informieren?

wenn es missstände gibt, dann müssen sie aufgedeckt und angesprochen werden. von wem, das ist zweitrangig.

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