Gesellschaft
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du machst! berlin 08, tag 3

mit ein wenig sehr viel verzögerung folgt nun ein kleiner rückblick auf den letzten tag berlin 08. ich musste die zeit ersma verdauen, kontakte pflegen … you know? … die vorschau: mpf-ah. grmbl. hmm. winkz.

MPF-AH. sonntagmorgen, irgendwann kurz nach dem aufstehen – mancher mag es „nacht“ nennen, dabei war es längst jenseits der morgendämmerung. frühstück in der großen turnhalle des fez, für drei euro gibt es die freie auswahl – und davon mengenmäßig bis zum platzen. weißbrötchen, körnerbrötchen, körnerbrötchen mit gemüsestückchen, verschiedene wurst- und käsesorten, ob in scheiben oder zum streichen, marmelade, honig, nougatcreme, butter (soll vorkommen), pfirsichjoghurt, kirschquark und sahnequark, müsli, mehrerlei frischobst – und dann hörte es auf. okay, milch gab es … aber der „kaffee“ hatte die bezeichnung ebensowenig verdient wie der „saft“. beide wasserbasierten flüssigkeiten hatte die geschmacks- und farbstoffe nur gestreift – das wasser als solches war aber gut. und dazu in aller ruhe noch die dritte ausgabe dder festivalzeitung „nullacht“, was will man mehr?

GRMBL. um elf uhr sollte die podiumsdiskussion über neue rollenbilder beginnen, im theatersaal. wenige minuten vorher ging die raumänderung (musikstudio) über den festivalinternen äther, well … um elf saßen dann neben den podiumsteilnehmern rund 35 leute im saal, als es losgehen sollte, kam die erste nachrückerwelle, letztlich war der raum zum brechen gefüllt und wir waren nunmehr rund 80 menschen gequetscht in reihen. darunter knapp zehn vertreter einer gruppe von scheidungsvätern, die sich in ihrem kinderbesuchsrecht benachteiligt fühlten, die durchaus ein berechtigtes anliegen vertraten, aber das podium gerade zu beginn zu sehr für ihre interessen instrumentalisierten und permanent darauf beharren wollten, dass eben oft die frauen die bösen seien. nicht so ganz das, was uns andere debattanten und zuhörer primär dazu bewogen hatte zu dieser diskussion zu kommen, aber für die dennoch konstruktive, wenn auch nicht sonderlich kontroverse debatte war es nur ein gutes, dass die moderatorin cornelia schmitz da ein wenig intervenierte und klug die redebeiträge auswählte, da kam sogar ein lob von den scheidungsvätern, auch wenn sie sicherlich mehr hätten sagen können, wenn man sie nur gelassen hätte.

HMM. zurück zur debatte. well, auf dem podium waren sie sich fast einer meinung, es gab kaum konflikte, abgesehen von denen, die sich als missverständnisse herausstellten, in der regel stimmten sich die redner nur irgendwie zu. irgendwie ein wenig schade, aba auch nicht ganz tragisch.

ahja, die rednerinnenliste (hier sei die feminine form des redners gewählt, da es mehrheitlich frauen waren, sowohl aus dem publikum, als auch auf dem podium, wobei ich nur auf das podium eingehen will, was die personen angeht): thea dorn, carsten wippermann, cornelia schmitz (auch moderatorin), thomas gesterkamp und gesche roy. ohne gezz zu viel von der diskussion zu erzählen (es war definitiv interessant und lustig, aber eben doch ein wenig viel), gebe ich einfach mal ein paar einblicke. es fing an mit einigen fragen (denn fast jeder podiumsmensch hatte schon ein buch geschrieben, auf das man sich beziehen konnte):  ist der feminismus zum totlachen? in welcher krise sind die kerle? und natürlich: wie äußern sich die verschiedenen rollenverständnisse? daraus begann die diskussion über den neuen feminismus, neue väter und neue frauen und es war treffenderweise die jüngste der runde, gesche roy, die zwei verdammt gute dinge festhielt. erstens: „wir brauchen nicht nur neue väter sondern auch neue männer.“ und zweitens etwas verzweifelt an die männer gerichtet: „was könnt ihr eigentlich noch?“, worauf der berechtigte konter kam: „alles mögliche“ – aber „was dürfen wir denn noch?“ … klar wurde: während die frauen (und ich spreche hier nicht für alle, ich kann das nicht, aber darauf musste immer wieder hingewiesen werden!) so langsam neue räume für sich erobern und neue rollen für sich entdecken und darin auch (wenn auch manchmal widerwillig) akzeptiert werden, geraten die männer nun an die stelle, an der sie sich ihrer selbst unsicher werden und nicht mehr wissen, was sie ausmacht, weil sie eben nicht die akzeptanz finden, wenn sie typische „frauenberufe“ machen. thea dorn brachte es ein: wir müssten uns eigentlich von den überkommenen rollenbildern lösen und die verschiedenen „rollenbilder“, wenn wir sie behielten (weil wir uns nicht von ihnen lösen können), vom geschlecht unabhängig setzen … und an der stelle hätte man durchaus noch das fass der gender-theorie aufmachen können, wenn die zeit gereicht hätte. und was das problem mit familie und berufstätigkeit angeht, ein vorschlag von thomas gesterkamp: „kurze vollzeit“, die 30-stunden-woche, auch im aufsichtsrat. ich lass das mal so stehen.

letztlich lässt sich sagen: wir brauchen (egal wie und wo) mehr vernetzung untereinander, denn nur gemeinsam können wir die dinge verändern. auf die frage, wann und wo das sein sollte, meinte gesche: „wie wär’s denn mit jetzt und hier?“, und sie hat recht. „du machst!“ als titel für das festival heißt nichts anderes als: wir sind gefordert, wir müssen unsere bedürfnisse reklamieren, wir müssen vorbild für andere werden, wo es noch keines für uns gab. und wenn die anderen was dagegen sagen und doof gucken: who gives a fiddler’s fuck? ahja, mehr zur generellen debatte gibt es hier.

WINKZ. nu, nach dieser diskussion hieß es schnell abschied nehmen und rubbldiekatz die zelte abzubauen, denn gewitter waren angekündigt. und, was soll ich sagen: zeitlich passte es perfekt, platzmäßig auch, gerade als unser ice gen westen einfuhr, grollte der erste donner über dem frühsommerlichen berlin und danach ergoss sich der erste regen an diesem tag, was mir aber ziemlich egal war, saß ich doch im trockenen. über die bahnfahrt lässt sich nicht viel sagen, nur dies: der zug war pünktlich (als kam binnen zehn minuten nach angezeigter abfahrtszeit in bochum an), die steckdose für mein laptop ging nicht und auf kanal 2 lief eine soulkompilation mit frau weinhaus und frau springfeld.

ENDE.

ps: in diesem sinne (um es mit der cd zu sagen): „please, sister morphine, turn my nightmares into dreams.“

dogMA

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