Gesellschaft
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nachlese: der grußwort-buko

jetzt ist er vor­bei, der gruß­wort-buko, der drei­ßigs­te buko, um genau zu sein. wäh­rend die taz und die fr bereits berich­tet haben und ver­schie­de­ne blogs (ob von wolf­gang g. wettach, ario ebra­him­pour mir­zaie oder maxi­mi­li­an pichl) brau­chen ande­re etwas mehr zeit für eine tie­fer­ge­hen­de aus­ein­an­der­set­zung mit den beschlüs­sen des bukos. so zum bei­spiel ich.

hal­ten wir eines fest: ein antrag mit dem titel "wem gehört die welt?" stellt die eigen­tums­fra­ge. die fra­ge, ob eigen­tum als sol­ches über­haupt legi­tim sei, wird jedoch nicht gestellt. die schwer­punk­te des in einem wiki erstell­ten leit­an­tra­ges ,den jeder mit­ge­stal­ten konn­te (und so liest er sich auch!) lie­gen auf den the­men bio­di­ver­si­tät (was sonst?, mag man fra­gen in zei­ten der un-kon­fe­renz in bonn, zumal wie bei der grü­nen jugend sind), pri­va­ti­sie­run­gen und geis­ti­ges eigen­tum - und zei­gen somit sehr gut, dass das, was der ['solid]-mensch rhe­to­risch-pole­misch befürch­tet (näm­lich die dro­hen­de zer­rei­bung der grü­nen jugend zwi­schen kapi­ta­lis­mus­kri­tik und wirt­schafts­li­be­ra­lis­mus), durch­aus denk­bar ist.

der leit­an­trag in drei tei­len.

teil 1 - bio­di­ver­si­tät

die­ser abschnitt ist noch so ziem­lich der strin­gen­tes­te. klar wird: die grü­ne jugend ist gegen gen­ma­ni­pu­la­ti­on und gegen die agrar­sub­ven­tio­nen in ihrer jet­zi­gen form, die abge­schafft wer­den sol­len. dank diver­ser ände­rungs­an­trä­ge (allein über 20 aus der "nrw-com­bo") wird eini­ges kla­rer, so auch, dass die ver­meint­li­chen bio­kraft­stof­fe sich nur dann so nen­nen sol­len dür­fen, wenn sie es auch wirk­lich sind. ein kla­res zei­chen dafür, dass die grü­ne jugend "bio" von "bio" zu unter­schei­den weiß und sich gegen ein gutes gewis­sen bei nur ver­meint­li­chem umwelt­schutz wehrt. dass arten­schutz kli­ma­schutz ist, ist hier jeden­falls selbst­ver­ständ­lich. deut­lich wird hier auch: es darf kei­ne paten­te auf leben geben, kei­ne paten­te auf ent­de­ckun­gen - ein zei­chen für ver­brau­cher­schutz und umwelt­schutz und zugleich nach­hal­ti­ge inter­na­tio­na­le agrar­po­li­tik.

teil 2 - pri­va­ti­sie­rung

für die medi­en gibt es einen schö­nen satz, der es zu mei­nem bedau­ern so in den beschluss geschafft hat: "auf­ga­ben der öffent­li­chen daseins­vor­sor­ge wie ver­kehr, ener­gie, ent­sor­gung, was­ser, kul­tur, woh­nungs­ein­rich­tun­gen oder bil­dung dür­fen prin­zi­pi­ell nicht pri­va­ti­siert wer­den" … dass das gan­ze dann nur weni­ge zei­len spä­ter schon wie­der rela­ti­viert wird und neben­be­rei­che der öffent­li­chen daseins­vor­sor­ge (cate­ring im kran­ken­haus o.ä.) dann doch viel­leicht even­tu­ell falls mög­li­cher­wei­se über­haupt nur nach einer ein­ge­hen­den und gründ­li­chen prü­fung unter beson­de­rer beach­tung hoher sozia­ler und öko­lo­gi­scher stan­dards in betracht gezo­gen wer­den darf, geht dann schon unter.

mei­nes erach­tens ein feh­ler, eben­so wie der beschluss "den ein­stieg in den bahn­ver­kauf ver­hin­dern", der  sehr ein­sei­tig und unin­for­miert das hohe­lied der staats­bahn singt. die grü­ne jugend ist und bleibt also laut beschluss­la­ge gegen die bahn­pri­va­ti­sie­rung, nicht nur in ihrer jet­zi­gen form son­dern gene­rell.

exkurs

dass dabei igno­riert wird, dass gera­de der nah­ver­kehr unheim­lich teu­er ist und fak­tisch bei bes­se­rer qua­li­tät von pri­vat­wirt­schaft­li­chen unter­neh­men (und nicht der staat­li­chen, aber pri­vat­wirt­schaft­lich orga­ni­sier­ten deut­schen bahn) betrie­ben wer­den kann, ist eben­so irrele­vant wie der umstand, dass die bun­des­bahn seit 1994 in pri­va­ti­sie­rungs­be­stre­bun­gen ist, weil die bahn nicht ein­mal im ansatz wirt­schaft­lich arbei­tend genannt wer­den konn­te (eine zahl am ran­de: im jahr 2000 hät­te der bund mit knapp 60 mrd euro ein­ste­hen müs­sen, wäre es so wei­ter­ge­gan­gen, fak­tisch waren es dann nur rd. 20 mrd euro). an ren­ta­bi­li­tät war da noch nicht ein­mal zu den­ken. es ist sicher­lich eini­ges falsch gelau­fen bei der umwand­lung der ehe­ma­li­gen bun­des­bahn, aber eine strik­te tren­nung von infra­struk­tur und betrieb ist stu­di­en zufol­ge die bes­te lösung für alle betei­lig­ten: der staat zahlt ins­ge­samt weni­ger - und oben­drein kommt mehr ver­kehr auf die schie­ne. wie das gehen soll? durch mehr wett­be­werb gleich­wer­ti­ge­rer anbie­ter sin­ken die prei­se, das ange­bot wird bes­ser - der nah­ver­kehr läge schon längst tot, wenn nicht die län­der gewoll­te regio­nal­ver­bin­dun­gen durch anbie­ter bestel­len lie­ßen. in der regel ist das - man­gels alter­na­ti­ve - die bahn, und die hat nicht gera­de die güns­tigs­ten tari­fe, bzw. (so müss­te man hier genau­er sagen) bie­tet für das glei­che geld einen schlech­te­ren ser­vice mit mie­se­ren zügen. selbst wenn man gewis­se sozia­le und öko­lo­gi­sche stan­dards ein­for­der­te, lie­ßen sich gerin­ge­re kos­ten im nah­ver­kehr errei­chen. es ist eine mär, dass eine abge­schlos­se­ne bahn­pri­va­ti­sie­rung man­chen stre­cken das ende bedeu­te­te. heu­te sagt die bahn "nein, die stre­cke lohnt sich unter wirt­schaft­li­chen gesichts­punk­ten nicht." und wenn den län­dern etwas an der ver­bin­dung liegt, dann schrei­ben sie die­se aus. … es ist schon erstaun­lich, für wen sich die­se stre­cke dann finan­zi­ell lohnt, wenn das land dafür geld gibt - da kann man mal sehen, was für ein­spar­po­ten­zia­le da ver­bor­gen lie­gen, wenn man nur die glei­che qua­li­tät ein­for­dert. (vor­her muss­te der bund ja zwangs­läu­fig die über­teu­er­ten tari­fe der bahn bezah­len) … öffent­li­che daseins­vor­sor­ge soll zuver­läs­sig sein - aber sie muss auch leist­bar blei­ben. dass der bahn­be­trieb noch wei­ter sub­ven­tio­niert wer­den soll, wie in dem antrag, stimmt mich bedenk­lich. auch mir gefal­len die schon regel­mä­ßi­ge preis­er­hö­hun­gen nicht - aber die müs­sen nicht sein, wenn ein unter­neh­men effek­tiv arbei­tet. da ein­fach noch mehr geld rein­zu­pum­pen, bloß damit alles güns­ti­ger wird, ist ein­fach der fal­sche weg. wenn die prei­se wirk­lich nicht gerin­ger gin­gen, könn­te ich damit leben … aber bei der heu­ti­gen bahn? never!
selbst­ver­ständ­lich ist es unter die­sen gesichts­punk­ten ein skan­dal, dass die bahn der­zeit alles dar­an setzt, um mög­lichst gut beim bör­sen­gang aus­zu­se­hen, indem sie das netz ver­nach­läs­sigt und nöti­ge inves­ti­tio­nen nicht tätig, weil sie noch dafür mit mehr auf­kom­men müss­te als spä­ter mög­lich sein kann. dass sie nicht ren­ta­ble stre­cken abstößt, um kos­ten zu spa­ren, ist ihr da nicht vor­zu­wer­fen, zumal letzt­lich der bund beim betrieb der stre­cke durch pri­va­te anbie­ter weni­ger zahlt. ein satz wie "hier muss akzep­tiert wer­den, dass es kei­ne betriebs­wirt­schaft­li­che son­dern eine poli­ti­sche ent­schei­dung ist, sol­che [regio­na­len, anm. dog­ma] stre­cken zu betrei­ben und auch aus­zu­bau­en." spricht mir da aus der see­le, auch wenn er im antrag zur unter­maue­rung der pri­va­ti­sie­rungs­geg­ner­schaft aus­drü­cken soll.
letzt­lich kann eine gut gemach­te pri­va­ti­sie­rung (unab­hän­gig­keit der infra­struk­tur [bahn­hö­fe und gleis­netz] vom betrieb und gewis­sen wirt­schaft­li­chen über­le­gun­gen, hohe sozia­le und öko­lo­gi­sche stan­dards in der aus­schrei­bung der stre­cken) deut­lich eher das grü­ne ziel einer bahn für alle errei­chen, die mit gerin­ge­ren kos­ten und bes­se­rem ser­vice auf­trump­fen kann, als eine jam­mern­de frü­her-war-alles-bes­ser-rück­nah­me der bahn­re­for­men!

exkurs ende

wei­ter wird die zer­schla­gung der oli­go­po­lis­ten auf dem strom­markt gefor­dert. irgend­wie nichts neu­es. der wunsch nach rekom­mu­na­li­sie­rung - also qua­si auf­kauf von loka­lem netz und strom­be­trieb - durch die kom­mu­nen stellt sich in zei­ten der haus­halts­sper­re für nicht weni­ge gemein­den schwie­rig dar, in ande­ren fäl­len fragt man sich, war­um das erst kürz­lich zur schul­den­sen­kung ver­kauf­te "tafel­sil­ber" nun rück­ge­kauft wer­den soll oder - ganz böse, wenn auch nur unter der annah­me, dass die strom­kon­zern­tei­le ohne gegen­wert den kom­mu­nen zuge­schla­gen wer­den - wie man plötz­lich den bür­gern erklä­ren soll, war­um man nicht die stadt­wer­ke teu­er ver­kauft hat, wenn die kom­mu­nen, die dies taten, nun ihre stadt­wer­ke kos­ten­frei zurück erhal­ten. … aber die­sen abschnitt im leit­an­trag kann man ja auch so lesen, dass die ver­staat­li­chung ein akt gegen die dezen­tra­li­sie­rung des strom­mark­tes wäre. … dem gan­zen teil über pri­va­ti­sie­rung merkt man die zer­ris­sen­heit der grü­nen jugend an; pri­va­ti­sie­rung ja, nein, viel­leicht, ein biss­chen, man weiß es nicht so genau, aber ein lau­tes "staat vor pri­vat" klingt ganz gut … nur war­um schreibt man in den leit­an­trag nicht, was man meint, son­dern muss gegen all die ände­rungs­an­trä­ge noch müh­sam erklä­ren, was man damit sagen woll­te?

der ände­rungs­an­trag des fach­fo­rums wirt­schaft & sozia­les, den gan­zen pri­va­ti­sie­rungs­ab­schnitt zu erset­zen durch die fest­stel­lung, dass pri­va­ti­sie­rung nicht mit pau­scha­len ant­wor­ten begeg­net wer­den kann, war einer­seits wohl nicht pri­va­ti­sie­rungs­kri­tisch genug und ande­rer­seits zudem deut­lich zu libe­ral, als dass er ange­nom­men wer­den konn­te. die ten­den­zi­ell rich­ti­ge aus­sa­ge des ände­rungs­an­tra­ges konn­te ich wie wolf­gang g. wettach nur applau­die­rend unter­stüt­zen. nicht zuletzt ist irgend­ei­ne aus­sa­ge (egal wie sie beschaf­fen sein mag) in den augen vie­ler schein­bar doch bes­ser als kei­ne aus­sa­ge.

nur so am ran­de, fast kom­men­tar, weil der satz für sich spricht, vor allem in sei­ner end­gül­tig­keit: "die kon­kur­renz der uni­ver­si­tä­ten und hoch­schu­len unter­ein­an­der muss ein ende haben" … wenn bil­dung zur ware wird d'accord, aber ist es nicht auch der wett­be­werb um die stu­den­ten, der - bei gesi­cher­ten und aus­rei­chen­den mit­teln - die unis dazu anspornt, die leh­re und die aus­stat­tung der unis zu ver­bes­sern und die stu­den­ten­si­tua­ti­on anzu­pas­sen? … soll­te die­ser wett­be­werb um die bes­ten köp­fe, unab­hän­gig vom geld!, nicht antriebs­mo­tor der hoch­schu­len sein, immer bes­ser zu wer­den?

teil 3 - geis­ti­ges eigen­tum

ja, es ist geschafft: die grü­ne jugend will die kul­tur­flat­rate - also gleich­zei­ti­ge lega­li­sie­rung der peer-to-peer-netz­wer­ke bei ange­mes­se­ner ent­loh­nung der künst­ler ohne den bedarf einer nut­zer­pro­fil­da­ten­bank. oben­drein ist sie gegen paten­te auf leben (aber das hat­ten wir bereits) und gegen das urhe­ber­recht in sei­ner heu­ti­gen form. letzt­lich soll alles open source und crea­ti­ve com­mon sein. und wer, bit­te­schön, geld mit pro­gram­mier­kennt­nis­sen ver­die­nen muss, der soll das doch über dienst­leis­tun­gen tun, also bera­tung und repa­ra­tur.

… also, ich will ja nicht reich wer­den an mei­nem ulti­ma­ti­ven betriebs­sys­tem, an dem ich der­zeit bas­tel (bes­ser als ubun­tu und open­su­se und fedo­ra und wie sie alle hei­ßen, zudem voll­kom­men trei­ber­kom­pa­ti­bel und nicht zuletzt per­fekt mit win­doof zusam­men­ar­bei­tend, und das alles open source), aber wenn ich das jah­re­lang gelernt hät­te, dann möch­te ich davon doch zumin­dest leben kön­nen. btw: das gera­de war wohl ein wenig platt und pole­misch … aber immer­hin weni­ger schwam­mig als der leit­an­trag.

das fazit

dem heh­ren ziel, die eigen­tums­fra­ge zu beant­wor­ten, wird der leit­an­trag nicht gerecht. schon in der - durch die ver­an­stal­tung beding­ten - beschrän­kung liegt das größ­te man­ko. grund­sätz­li­che fra­gen wer­den nicht auf­ge­wor­fen, ande­re höchst bedeu­ten­de fra­gen wer­den zu pau­schal beant­wor­tet; die ein­füh­rung, die punk­te wie das steu­er­sys­tem, anreißt, zeigt, wel­ches spek­trum an the­men die fra­ge auf­wirft, der rest­li­che antrag belegt ein­drucks­voll, wie gering und ein­sei­tig letzt­lich die fra­ge hier zu beant­wor­ten ver­sucht wird.

ham­burg oder die zukunft der grü­nen par­tei

eigent­lich soll­te es eine debat­te über die zukunft der grü­nen wer­den, am abend des 23. mai. das grund­pro­blem der an sich span­nen­den und ange­reg­ten debat­te: letzt­lich ging es nur um schwarz-grün in ham­burg. knapp die hälf­te der red­ner stamm­te aus ham­burg und stand unter dem druck sich zu recht­fer­ti­gen, egal wie sie gestimmt hat­ten.

die "erkennt­nis­se": für rot-grün zu wer­ben und dann schwarz-grün zu machen, ist wäh­ler­ver­ar­sche. und: wir müs­sen für grü­ne inhal­te strei­ten und nicht für koali­tio­nen, sol­len ohne bünd­nis­aus­sa­gen in wah­len gehen.

das also ist die zukunft der grü­nen. oder anders gesagt: die zukunft der grü­nen ist teil des ham­burg-dilem­mas. wäh­rend für man­che ham­burg selbst der koali­ti­ons­po­li­ti­sche sün­den­fall ist, wol­len ande­re mal schau­en und sahen eine sehr grü­ne hand­schrift im ham­bur­ger koali­ti­ons­ver­trag.

ario mein­te dazu jeden­falls dies

"Was mich geär­gert hat war das Argu­ment eini­ger weni­ger Freun­din­nen und Freun­de “man müs­se ohne Koali­ti­ons­aus­sa­ge - nur für grü­ne Inhal­te - in den Wahl­kampf zie­hen” (der nicht zuletzt ein Wahl­kampf für die Par­tei ist und dann erst Wer­bung für uns). Das Argu­ment dafür? Man will die Leu­te nicht wie in Ham­burg ent­täu­schen. Nun­ja, ich fra­ge mich: Wenn ein Freund mich betrügt, ist dann mei­ne Kon­se­quenz dass ich ein­fach sage dann ver­sprech’ mir halt nichts mehr? Das ist doch unred­lich! So kann und darf es nicht lau­fen. Ehr­lich­keit ver­dient man sich indem man ehr­lich ist. Ehr­lich sein heisst auch mal die Rea­li­tät zu akzep­tie­ren. Und die spielt inhalt­lich, poli­tisch- kul­tu­rell und sozio­kul­tu­rell gegen die CDU/CSU. Darf man heut­zu­ta­ge nicht mal mehr Fak­ten aus­spre­chen und aus die­sen Zie­le ablei­ten? Oder Absa­gen?"

okay, man muss nicht ohne koali­ti­ons­aus­sa­ge in den wahl­kampf zie­hen, man muss aber auch nicht mit. natür­lich soll­te es zuerst um inhal­te gehen, um sonst nichts - und dann erst um die fra­ge, mit wem sie umge­setzt wer­den sol­len. da ein "lin­kes pro­jekt" her­bei­zu­be­schwö­ren und die cdu zu ver­teu­feln, bringt uns auch nicht wei­ter. um bei ari­os bild zu blei­ben: wenn ein freund mich betrügt, dann darf er mir wei­ter­hin noch din­ge ver­spre­chen - aber ich wer­de nicht mehr so leicht­gläu­big sein. ver­trau­en ist nun­mal die wäh­rung in der poli­tik, in der die wäh­ler rech­nen. … es ist eine fra­ge der mach­bar­keit und nicht der macht­geil­heit. wenn wir für unse­re grü­nen inhal­te ein­ste­hen wol­len, dann müs­sen wir uns fra­gen, mit wem wir unse­re zie­le am bes­ten durch­set­zen kön­nen und dür­fen dabei nicht auf ein altes freund-feind-sche­ma zurück­grei­fen. wir müs­sen die alter­na­ti­ven im auge behal­ten - und wenn wir vor der fra­ge ste­hen, ob wir nun lie­ber eine koali­ti­on von dick und doof wol­len und dabei - voll stolz auf unse­re ehr­lich­keit - zuse­hen wol­len, wie es his­to­risch immer schwe­rer wird, unse­re inter­es­sen in die tat umzu­set­zen oder ob wir mit unse­rem alten feind zusam­men­ge­hen, weil wir mit ihm mehr ver­wirk­li­chen kön­nen als mit unse­rem alten bünd­nis­part­ner, dann ist es rich­tig, von vorn­her­ein kei­ne koali­ti­ons­aus­sa­gen zu machen. was pas­sie­ren kann, wenn man sich zu eng bin­det, zeigt das bei­spiel hes­sen: ver­spre­chen gebro­chen, ver­trau­en ver­lo­ren, herz­li­chen glück­wunsch. … dass die gewünsch­te poli­tik dann nur aus der oppo­si­ti­on ange­spro­chen wer­den kann: irgend­wie selbst schuld. dass es in hes­sen dafür die not­wen­di­ge mehr­heit zumin­dest fak­tisch gibt: ein inter­es­san­ter umstand. … ich mei­ne, es wäre karl bär gewe­sen, der in der debat­te dar­auf hin­ge­wie­sen hat, dass dort eines der inter­es­san­tes­ten und wich­tigs­ten poli­ti­schen expe­ri­men­te statt­fin­det, und ich kann ihm nur zustim­men.

lie­ber ario, man darf fak­ten aus­spre­chen und zie­le dar­aus ablei­ten, man soll­te sogar fak­ten nen­nen, es kann nie zu oft gesche­hen - aber (und das soll­te stets anspruch der grü­nen blei­ben) dabei darf die dif­fe­ren­ziert­heit nicht auf der stre­cke blei­ben! wir grü­nen waren noch nie für ein­fa­che ant­wor­ten bekannt - es ist ein­fach nicht mög­lich, die cdu gene­rell zu ver­teu­feln! gut, schill damals in ham­burg ging gar nicht, fil­bin­ger und oet­tin­ger in bawü auch nicht und schäub­le ist sowie­so ein rotes tuch - aber die jet­zi­ge ham­burg-cdu ist nicht die hes­sen-uni­on, ist nicht die cdu auf bun­des­ebe­ne … letzt­lich sind und blei­ben es die ham­bur­ger grü­nen, die am bes­ten erken­nen und ent­schei­den kön­nen, ob schwarz-grün eine inhalt­li­che opti­on ist. die inhal­te müs­sen vor irgend­wel­chem pro­fi­lie­rungs­ge­ha­be ste­hen! das ist eben das schick­sal und die chan­ce der grü­nen: sie decken ein unheim­lich brei­tes spek­trum ab. die fra­ge der öko­lo­gie ist letzt­lich eine kon­ser­va­ti­ve und libe­ra­le genau­so wie sie eine lin­ke ist - und in die­sem brei­ten spek­trum müs­sen wir für uns die ant­wor­ten auf die gestell­ten und noch kom­men­den fra­gen fin­den und nach einem weg suchen, aus den ant­wor­ten taten fol­gen zu las­sen.

oppo­si­ti­on ist sicher­lich kein mist - aber in man­chen situa­tio­nen müs­sen wir uns ernst­haft fra­gen, ob wir über unse­re (manch­mal durch­aus berech­tig­ten) vor­ur­tei­le über­win­den, um schlim­me­res zu ver­hin­dern. inso­fern sind unter­las­se­ne prin­zi­pi­el­le absa­gen an par­tei­en außer­halb des extre­men spek­trums durch­aus ein gutes mit­tel, gleich­wohl recht­fer­ti­gun­gen für koali­ti­ons­an- und absa­gen und koali­tio­nen auch wäh­ler brin­gen kön­nen. pola­ri­sie­run­gen schär­fen das zwar pro­fil - aber sie schie­ben einen in immer klei­ne­re schub­la­den. wol­len wir das? wol­len wir letzt­lich nur von einer klei­nen stamm­kli­en­tel gewählt wer­den, die sich unse­rem rein­heits­ge­bot anschlie­ßen kann - oder wol­len wir gesell­schaft­lich etwas ver­än­dern? wenn letz­te­res unser ziel ist, dann müs­sen wir über­zeu­gen, mit kla­ren inhal­ten und dann erst mit abgren­zun­gen.

mit einem gewis­sen d'accord an dich und grü­ße an han­nah arendt (ich sage nur: defi­ni­ti­on durch abgren­zung),

dog­MA

ps: was es sonst so gab

der drei­ßigs­te buko wur­de gefei­ert - mit einer vega­nen tor­te, wie es sich gehört, aus ker­zen und klo­pa­pier! - das klo­pa­pier wur­de letzt­lich aber auch noch sei­ner eigent­li­chen bestim­mung zuge­führt.

spä­tes­tens beim grand prix am sams­tag­abend sah sich das fafo schwu­les­bisch wie­der - direkt nach dem fafo-tref­fen - aber irgend­wo­her müs­sen die kli­schees ja auch kom­men, oder?

am sonn­tag gab es auf­grund per­so­nel­ler ver­än­de­run­gen jede men­ge wah­len: spre­che­rin ist jetzt kath­rin hen­ne­ber­ger, julia fuchs ist neue bei­sit­ze­rin, ste­fan lan­ge rückt als bei­sit­zer nach, julia löff­ler ist poli­ti­sche geschäfts­füh­re­rin. die neue SPUNK-redak­ti­on besteht aus sven­ja tidau, sil­ke gebel, judith adam, jule sei­bert, ras­mus and­re­sen und maxi­mi­li­an pichl.

eine erkennt­nis zuletzt: weich­bo­den­mat­ten sind einem guten schlaf nicht beson­ders zuträg­lich. aber wer braucht schon schlaf, wenn's kaf­fee gibt?

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4 Kommentare

  1. dann erklär mal die­ses intel­lek­tu­el­le zeug den men­schen auf der stra­ße. sor­ry wenn ich es mal wie­der run­ter bre­che aber mit arendt gewinnt man kei­nen blu­men­topf auf die fra­ge "sei­ti hr für die armen oder die rei­chen". und sor­ry, ich bin nach wie­vor de rmei­nung dass unse­re wech­sel­wäh­ler die ein­deu­tig erst­stim­me spd prä­fe­rie­ren es sich zwei­mal über­le­gen wer­den, denn denen geht es um mehr als nur dar­um ob WIR mit UNSEREM feind zusam­men­ge­hen, es geht ihnen dar­um dass sie wol­len dass WIR NICHT mit IHREM feind zusam­men­ge­hen…

    und was ist mit dem wahl­be­trug auf der cdu/csu sei­te? dar­über redet auch kei­ner… hier wird stän­dig her­bei beschwo­ren die CDU/CSU sol­le ein­fach ihre mei­nung änern bei allen punk­ten nach der wahl. a) das ist doch unrea­lis­tisch. b) das wäre bei ihren wäh­le­rIn­nen wahl­be­trug. das darf man nicht ver­ges­sen. ne, im ernst:

    es kann mehr gewon­nen wer­den mit einer kla­ren absa­ge als mit schein­kom­pa­ti­bi­li­tät. das ist es doch! oder glaubt wirk­lich jemand an schwarz- grün? ich tuhe es nich!

    ich könn­te dir sicher genug zita­te raus­su­chen die irgend­was mit feind drin haben und dass man auch ein feind­bild braucht auf de welt oder so ;)

  2. p.s.: um ham­burg geht es ja nicht und ich wür­de mir ja hof­fen dass durch kei­ne absa­ge eine schär­fung käme. genau­so wahr­schein­lich ist dass "unser klei­ner kreis" an wäh­le­rin­nen ver­schwin­det und wir zer­rie­ben wer­den zwi­schen block­bil­dun­gen. letz­ter punkt den ich ver­ges­sen habe: es geht um mehr als öko­lo­gie ;) . auch mit gewis­sem d'accord, der ario

  3. pillenknick sagt

    "es kann mehr gewon­nen wer­den mit einer kla­ren absa­ge als mit schein­kom­pa­ti­bi­li­tät." … that's it! … es kann mehr gewon­nen wer­den, aber prin­zi­pi­ell ver­teu­feln wür­de ich die cdu trotz­dem nicht. bin zwar geg­ne­rin von schwarz-grün auf bun­des­ebe­ne, aber wo schwarz-grün mehr bringt als rot-grün oder gar rot-rot-grün, dann würd ich auch das in kauf neh­men.
    es gilt wohl den grat zu fin­den, der noch nicht wäh­ler­be­trug ist und doch schon aus absa­gen kein "never" macht. … viel­leicht kön­nen wir aus der hal­tung der lin­ken in hes­sen ja ler­nen: absa­ge an koali­tio­nen, wenn die schnitt­men­gen zu klein sind, aber bereit­schaft zu inhalt­li­cher zusam­men­ar­beit.
    will­kom­men in der fünf­ten dimen­si­on, im land der min­der­heits­re­gie­run­gen.
    arendt ist für uns viel­leicht wich­tig. viel­leicht soll­te sie in der bild publi­zie­ren ^^,

    dog­MA

  4. fin­de arendts aus­füh­run­gen zur öko­no­mi­sie­rung der gesell­schaft und ihre mei­nung zu isra­el viel interessanter,hehe. cdu/csu nicht ver­teu­feln? was hat sich denn an denen real ver­än­dert zu vor 10 jah­ren. da haben alle mun­ter mit gemacht und ich glau­be als jugend­li­che hrbae ich das recht nicht so staats­tra­gend zu sein immer alles im vor­hin­ein "nicht aus­zu­schlie­ßen" ;)

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