Gesellschaft
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überwacher überwachen!

sed quis cus­to­diet ipsos cus­to­des? - wer aber wird die wäch­ter über­wa­chen?

(juve­nal, sati­ren VI, 347)

was immer ich hier schrei­be, auf wel­chen sei­ten auch immer ich mich gera­de bewe­ge, mit wem ich gera­de chat­te, der herr schäub­le weiß es. er selbst viel­leicht eher weni­ger und selbst poli­zis­ten und bun­des­nach­rich­ten­dienst (bnd) müs­sen nicht unbe­dingt gera­de mit­le­sen, wie ich die­se zei­len tip­pe - aber allein der umstand, dass es von allem, was ich im inter­net tue, rein pro­vi­so­risch eine blau­pau­se in den rechen­zen­tren der inter­net­an­bie­ter für das nächs­te hal­be jahr gibt, macht mich ein wenig para­no­id.

wer sind eigent­lich die über­wa­cher? wen sol­len wir denn über­wa­chen? und wie?

die ers­te fra­ge ist ein­fach zu beant­wor­ten. zu den über­wa­chern gehö­ren - je nach aus­prä­gung des kon­sum­ver­hal­tens - als über­wa­chung ver­ord­nen­de instanz der gesetz­ge­ber und als aus­füh­ren­de instan­zen der bnd, die inter­net­pro­vi­der, home­page­an­bie­ter (ja, ich bin im stu­di­VZ!), han­dy­pro­vi­der, tele­fon­ta­rif­an­bie­ter, kre­dit­kar­ten­un­ter­neh­men, kun­den­kar­ten­un­ter­neh­men (payback und ande­re tau­schen mini­ma­le ver­güns­ti­gun­gen gegen umfang­rei­che kun­den­pro­fi­le; geiz ist echt geil!) und, und, und, nur um mal die pro­mi­nen­te­ren bei­spie­le zu nen­nen.

danach wird es schwie­rig. den bnd zu über­wa­chen, ist schein­bar kaum noch mög­lich, die mit­glie­der des par­la­men­ta­ri­schen kon­troll­gre­mi­ums (pkg) for­dern ja selbst mehr kom­pe­ten­zen, denn sie brau­chen für eine umfas­sen­de kon­trol­le eben alle fak­ten auf dem tisch. wie genau das aus­se­hen kann unter wah­rung aller grund­rech­te, ist eine ande­re fra­ge. was die medi­en­zu­gangs­an­bie­ter betrifft (hier: inter­net, tele­fon, han­dy), lässt sich gera­de die kon­trol­le noch schwe­rer ver­wirk­li­chen, denn es gibt sie bis­her nicht in dem sin­ne. der ver­kauf unse­rer nut­zer­da­ten (wer hat wann, wo und wie lan­ge mit mir tele­fo­niert, wen habe ich wann, wo und wie lan­ge ange­ru­fen, auf wel­chen sei­ten habe ich wel­che ange­bo­te wahr­ge­nom­men?) lässt sich erst fest­stel­len, wenn unse­re pro­fi­le (die wir selbst erstel­len zur "bes­se­ren anpas­sung" an uns und unse­re gewohn­hei­ten) mit all den schö­nen infor­ma­tio­nen über fami­lie, vor­lie­ben ver­mö­gens­si­tua­ti­on, wohn­si­tua­ti­on und der­glei­chen plötz­lich auf dem markt der wer­bung auf­tau­chen. und auch wenn spam-mails mitt­ler­wei­le maschi­nell ver­schickt wer­den - woher, wenn nicht von irgend­wel­chen abge­such­ten sei­ten, haben sie unse­re e-mail-adres­sen und wie­so schi­cken sie gera­de mir wer­bung für brust­ver­grö­ße­run­gen oder via­gra (gut, das pro­blem habe ich jetzt nicht)? … was machen goog­le und all die such­ma­schi­nen eigent­lich mit all mei­nen such­an­fra­gen? … wir kön­nen es den inter­net­an­bie­tern nur so schwer wie mög­lich machen, wenn­gleich wir dafür ver­zich­ten müs­sen, ver­zich­ten auf einen teil der geschwin­dig­keit unse­rer flot­ten dsl-anschlüs­se, indem wir all unse­re sei­ten­an­fra­gen über pro­xies lei­ten (sen­de anfra­ge an ser­ver in aachen, der sen­det nach ams­ter­dam, von dort nach new york, von wo es über can­ber­ra und wel­ling­ton nach rom zu einem ser­ver geht, der dann als anfra­gen­der bei unse­rer gesuch­ten sei­te erscheint und übert diver­se ande­re ser­ver das ergeb­nis zu uns zurück schickt) und ande­re wegen nut­zen, um kei­ne rück­schlüs­se auf uns zu geben. dafür gibt es mitt­ler­wei­le pro­gram­me, pri­v­o­xy, tor und wie sie alle hei­ßen, hier sind com­pu­ter­zeit­schrif­ten echt mal zu was gut, auch für tech­nik­lai­en. es ist - wenn auch nicht ganz so ein­fach - mög­lich, anonym zu sur­fen. sucht doch mal spa­ßes­hal­ber nach euch bei www.yasni.de oder eben ein­fach bei goog­le - ent­setzt?

ihr denkt: ich hab mir nichts vor­zu­wer­fen, das stört mich nicht, und per­so­na­li­sier­te wer­bung statt flä­chen­de­cken­der bon­zen­kar­ren­wer­bung fin­de ich gut. ey, nur weil ich statt hip­hop lie­ber metal höre und nun­mal weib­lich bin, will ich nicht in die schub­la­de frau (=klei­ne, nied­li­che autos in bun­ten far­ben) gesteckt wer­den, mal ganz abge­se­hen davon, dass der anlass für über­wa­chung bzw. kon­trol­le immer gehö­ri­ges miss­trau­en oder gar ein ver­mu­te­tes oder fest­ge­stell­tes fehl­ver­hal­ten ist.

ihr schreibt kei­ne pri­va­ten mails auf der arbeit? schön, löb­lich. trotz­dem hat euer chef ein pro­gramm instal­liert, mit dem eure com­pu­ter­nut­zung auf­ge­zeich­net wird. WOZU? ihr habt nichts ange­stellt, und doch geht er von schlimms­ten aus, schließ­lich ist jeder mensch prin­zi­pi­ell zu kri­mi­nel­len hand­lun­gen fähig, er miss­traut euch, und da kann er noch so oft das gegen­teil behaup­ten. ver­trau­te er euch, wür­de er euch nicht über­wa­chen. allein der satz "man weiß ja nie …" in die­sem zusam­men­hang zeugt doch nicht gera­de von ver­trau­en, oder? so stellt er euch alle unter einen gene­ral­ver­dacht, anstatt erst bei einem begrün­de­ten ver­dacht nach­zu­for­schen.

letzt­lich wer­den doch bloß so vie­le - alle - daten gesam­melt, weil wir alle ter­ro­ris­ten sind. du eben­so wie ich. du bist kein ter­ro­rist? ich auch nicht. trotz­dem wer­den wir wie wel­che über­wacht. ein­zig beru­hi­gend (beru­hi­gend?): bis der bnd direkt auf unse­re rech­ner zugreift (hal­lo, bun­destro­ja­ner!), müs­sen noch ein paar indi­zi­en mehr gefun­den wer­den, als dass ich regel­mä­ßig auf al-jaze­e­ra ver­wei­le und mich von dort auf ara­bisch­spra­chi­gen web­sei­ten umschaue. dass ich da jour­na­lis­tisch (ähem, ich bin ja nur blog­ge­rin) tätig bin, weiß der bnd ja nicht. inso­fern gilt das ver­spre­chen des bnd-prä­si­den­ten hier auch nicht, jour­na­lis­ten nicht zu über­wa­chen. … aber man kann sich ja immer noch für den bedau­er­li­chen feh­ler ent­schul­di­gen.

dog­MA

ps: wären es gute inge­nieu­re gewe­sen, wären die kof­fer­bom­ben im re1 hoch­ge­gan­gen. immer­hin hät­te es fotos von den tätern gege­ben, wie sie mit den kof­fern am gleis auf den zug war­te­ten, man hät­te sie schnap­pen kön­nen. und dann hin­rich­ten. oder brau­chen ter­ro­ris­ten wirk­lich grund­rech­te?

pps: mal sehen, ob ich mit der schlag­wort­wahl ein wenig auf­merk­sam­keit im innen­mi­nis­te­ri­um wecken konn­te ^^

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2 Kommentare

  1. man darf eigent­lich gar nicht drü­ber nach­den­ken wie das mit dem über­wa­chen ist. da wird einem echt ganz anders…

  2. pillenknick sagt

    muss man trotz­dem … und irgend­wie alles men­schen­mög­lich tun, um den alp­traum zu been­den, bevor man ein­schläft.

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