Gesellschaft
3 Kommentare

replik auf "Und eines tages"

sie haben mei­ne daten gele­sen - ich kau­fe kon­do­me, gleit­mit­tel und bio­kaf­fee
sie haben mei­nen com­pu­ter durch­sucht - ich habe vie­le fotos von kin­dern
sie bewa­chen mei­ne schrit­te - ich bin sehr oft ein­sam
sie haben mir wer­bung geschickt - ich brau­che kein via­gra, ich tue schon so ande­ren weh
sie ver­sand­ten gesund­heit­li­che infor­ma­tio­nen - ich bin nicht krank, das wür­de ich nie­mals zuge­ben
sie mach­ten mich glä­sern - ich bin wohl exhi­bi­tio­nis­tisch ver­an­lagt

der fahn­der hielt mich für einen sexu­al­straf­tä­ter der schlimms­ten sor­te: pädo­phil, exhi­bi­tio­nist, sex­süch­tig und unein­sich­tig.
mei­ne nach­barn den­ken das glei­che, seit­dem sie mich in der zei­tung sahen.
selbst mei­ne fami­lie leug­net alles, was mich ent­las­ten könn­te,
dass ich nur safer sex habe, treu und mono­gam lebe, dass ich stets der foto­graf auf allen fami­li­en­fei­ern war (dass unse­re gro­ße fami­lie aus vie­len kin­dern besteht, kön­nen sie aber nicht leug­nen, wie tröst­lich), dass mei­ne sozia­len kon­tak­te zu weit weg sind, dass ich ein ätzen­der zyni­ker bin, dass ich schwul bin und sonst nichts.

das nennt die lite­ra­tur wohl inter­pre­ta­ti­ons­frei­heit. ich nen­ne es mein leben -

ich hät­te nie gedacht, dass sie mir so leicht eine neue iden­ti­tät wür­den geben kön­nen, die mir jeder ohne beden­ken abkauft - nur ich nicht.

hab ich mich wohl sel­ber aus­ge­lie­fert.

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3 Kommentare

  1. Ninette sagt

    nein. ich genie­ße dei­nen "humor im schlech­ten gesund­heit­zu­stand" [h. g. wells] immer wie­der ger­ne.

    eine klei­ne ablen­kung aus mei­nem klei­ne-mäd­chen-leben.

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